Urteil des Landgerichts  Mann nach Raubüberfällen in Aurich zu langjähriger Haft verurteilt

Christiane Norda
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Von Christiane Norda
| 05.08.2025 16:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Kik-Markt am alten Standort am Marktplatz in Aurich: Der Angeklagte gestand, den Laden am 13. Februar 2025 überfallen und eine Mitarbeiterin mit einem Messer bedroht zu haben. Foto: Romuald Banik
Der Kik-Markt am alten Standort am Marktplatz in Aurich: Der Angeklagte gestand, den Laden am 13. Februar 2025 überfallen und eine Mitarbeiterin mit einem Messer bedroht zu haben. Foto: Romuald Banik
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41-Jähriger gestand, Überfälle auf zwei Geschäfte und eine Tankstelle in Aurich. Dabei bedrohte er Angestellte mit einem Messer – die leiden noch heute unter den Taten.

Aurich - Ein 41-jähriger Mann aus Aurich ist wegen besonders schweren Raubes zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Aurich sah es als erwiesen an, dass der Mann zwei Geschäfte in der Auricher Innenstadt überfallen hatte. Dazu kommt ein versuchter Raub, bei dem er letztlich von beherzten Mitarbeitern und Passanten festgehalten werden konnte. Die Taten beging der 41-Jährige, um seine Drogenschulden begleichen zu können. Seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt lehnte die Kammer in der Verhandlung am Dienstag, 5. August 2025, mangels Erfolgsaussichten ab.

Am 11. Februar 2025 überfiel der Angeklagte die Jet-Tankstelle an der Emder Straße. Er drückte einer Mitarbeiterin ein Messer in den Rücken und zwang sie, die Kasse zu öffnen. Foto: Romuald Banik
Am 11. Februar 2025 überfiel der Angeklagte die Jet-Tankstelle an der Emder Straße. Er drückte einer Mitarbeiterin ein Messer in den Rücken und zwang sie, die Kasse zu öffnen. Foto: Romuald Banik

Der 41-Jährige räumte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft unumwunden ein. Als Motiv gab er an, bei Drogendealern in Norden Schulden gehabt zu haben. Er habe sich vor angedrohter Folter gefürchtet. Durch die Überfälle habe er so schnell wie möglich an Geld kommen wollen.

Mitarbeiter und Kunden hielten den Räuber fest

Am 13. Februar 2025 hielt der Angeklagte im Kik-Markt am Marktplatz in Aurich einer Verkäuferin ein Küchenmesser an den Hals. Er zwang sie, die Kasse zu öffnen. So erbeutete er 135 Euro. Zwei Tage zuvor, am 11. Februar 2025, überfiel der Angeklagte die Jet-Tankstelle an der Emder Straße in Aurich. Er drückte einer Angestellten ein Messer in den Rücken und zwang sie, die Kasse zu öffnen. Insgesamt erbeutete er dort rund 900 Euro, davon 120 Euro in Münzgeld, das er auf der Flucht verlor.

Einen Tagen nach dem Überfall auf den Kik-Markt wollte der 41-Jährige den Netto-Markt an der Leerer Landstraße überfallen. Dabei setzte sich eine Mitarbeiterin zur Wehr. Gemeinsam mit einer Kollegin und zwei Kunden gelang es ihr, den Mann bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Foto: Lasse Paulsen
Einen Tagen nach dem Überfall auf den Kik-Markt wollte der 41-Jährige den Netto-Markt an der Leerer Landstraße überfallen. Dabei setzte sich eine Mitarbeiterin zur Wehr. Gemeinsam mit einer Kollegin und zwei Kunden gelang es ihr, den Mann bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Foto: Lasse Paulsen

Nur einen Tag nach dem Überfall auf den Kik-Markt durchwühlte er im Personalraum der Netto-Filiale an der Leerer Landstraße in Aurich Taschen und Portemonnaies der Mitarbeiterinnen. Wieder bedrohte er eine der Verkäuferinnen mit einem Messer. Er forderte sie auf, den Tresor zu öffnen. Die Frau rief ihre Kollegin zu Hilfe, die sich beherzt dem Räuber entgegenwarf. „Ich hing wie ein kleiner Terrier an seinem Arm“, beschrieb die Zeugin in der Verhandlung die Situation. Für sie sei es das Wichtigste gewesen, ein Zustechen des Angeklagten zu verhindern. Zwei weitere Kunden mischten sich ebenfalls ein. Zu viert gelang es ihnen, den Räuber bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

Zeugin: „Das war der schlimmste Tag in meinem Leben“

Der Überfall beeinträchtigte das Leben der Tankstellenmitarbeiterin stark. Sie habe nicht gewusst, ob sie ihren langjährigen Job auch weiterhin werde ausüben können, berichtete sie in der Verhandlung. Das aggressive Auftreten des Angeklagten, das Schubsen und Zerren, habe bei ihr nachhaltige Spuren hinterlassen. Von Alpträumen gequält und von raschen Bewegungen erschreckt, habe sie zwei Wochen gebraucht, um ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen. Auch heute leide sie noch unter den Eindrücken.

Ebenso war es den anderen Opfern ergangen. Während ihrer Vernehmung vor Gericht standen sie noch immer sichtlich unter der Wucht des Vorgefallenen. Nur schwer konnten sie ihre Tränen zurückhalten. „Das war der schlimmste Tag meines Lebens“, erklärte eine Mitarbeiterin des Bekleidungsgeschäfts. Der Angeklagte zeigte sich reuig angesichts des von ihm angerichteten Elends, und die Frauen nahmen seine Entschuldigung an. Die tiefen Spuren der Überfälle bei den Betroffenen ließen sich dadurch allerdings nicht auslöschen. Dennoch hatten sich alle Frauen in ihre Berufe zurückgekämpft.

Ohne Aufsicht fiel er schnell in die Sucht zurück

Der Angeklagte ist dem Gericht seit früher Jugend bekannt. Aufgewachsen in von Alkohol und Gewalt geprägten Verhältnissen hatte er früh mit dem Konsum von Cannabis begonnen. Später waren Heroin und Kokain hinzugekommen. Sein Vorstrafenregister verzeichnet 13 teils einschlägige Einträge. Auch eine fünfjährige Therapie im Maßregelvollzug hat er bereits durchlaufen.

Unter Führungsaufsicht gestellt, hatte er es fast geschafft, ein normales Leben zu führen. Nach deren Ablauf hatte es indes nur knapp zwei Wochen gedauert, bis er wieder die ersten Drogen konsumierte. Der psychiatrische Gutachter setzte darum wenig Hoffnung in einen weiteren Maßregelvollzug, auch wenn der Angeklagte darin durchaus eine Chance für sich sah. Für eine verminderte Schuld- oder Steuerungsfähigkeit konnte der Arzt keine Anhaltspunkte entdecken.

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