Baustelle in Emden Autofahrer ignorieren neue Verkehrsführung komplett
Die Brückstraße und die Friedrich-Ebert-Straße in Emden dürfen von der Nordertorstraße aus seit Montag wegen einer Baustelle nicht mehr befahren werden. Viele Autofahrer juckt das wenig.
Emden - Verunsichert schaut die ältere Frau aus ihrem Auto. „Darf ich hier jetzt nicht mehr lang?“, fragt sie diese Redakteurin, die gerade zum Fotografieren bei der Baustelle an der Neuen Kirche in Emden steht. „Ich kann hier nicht drehen und mag nicht rückwärts fahren“, sagt sie. Seit diesem Montag, 4. August 2025, ist die Brückstraße bei der Kirche halbseitig gesperrt. Der marode Turm der Kirche muss saniert werden. Noch sind keine Handwerker in Sicht, aber die Verkehrsbaken sperren die Hälfte der Fahrbahn ab. Das Schild „Einfahrt verboten“ steht erst hinter der Kurve zur Friedrich-Ebert-Straße. Dürfen Autofahrer also von der Nordertorstraße kommend zwar nicht in die Brückstraße weiterfahren, aber in die Friedrich-Ebert-Straße abbiegen?
Das scheint so zumindest die allgemeine Auffassung zu sein. Während wir die Situation vor Ort in der Mittagszeit beobachten, fährt jedes Fahrzeug, das aus der Nordertorstraße kommt, weiter in die Friedrich-Ebert-Straße. Teilweise gibt es dadurch brenzlige Situationen, denn die Fahrbahn wird erst hinter der Kurve wieder normal breit, vorher ist sie ja halbiert. Über einen Spiegel am Turm können Verkehrsteilnehmer vage erkennen, ob ein Fahrzeug kommt. Hier und da muss ein Auto rückwärts fahren, es wird überrascht in der Kurve gebremst und gehupt. Autos mit Anhängern, Fahrräder, Taxis, Crafter: Alles fährt von der Nordertorstraße aus in die Friedrich-Ebert-Straße. Ein E-Crafter der Post fährt auch einfach weiter in die Brückstraße. Wir sprechen mit Hinrich Post, Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr. Was gilt denn nun?
Achtung, Autofahrer: So ist es richtig
Hinrich Post seufzt und hat eine klare Antwort: Alle, die von der Nordertorstraße kommen, dürfen nicht in die Brückstraße und nicht in die Friedrich-Ebert-Straße. Die oben beschriebene Situation darf es also nicht geben, betont er. Die Stadt habe versucht, in Absprache mit der Kirche und dem Bauverein der Kirche, die den Turm sanieren lassen möchte, die Baustelle so zu gestalten, dass die Kurve befahrbar bleibt. Das aber sei nicht möglich gewesen und der Grund dafür werde sichtbar, wenn erst einmal das große Baugerüst mit Lastenaufzug an der Kirche stehe, so Post. Weil der Turm in schwindelerregender Höhe und mittig auf der Kirche errichtet ist, müssen die Gerüstbauer hier aus dem Vollen schöpfen.
Die Beschilderung sei auch eindeutig für Verkehrsteilnehmer: sowohl zu den Umleitungen als auch zur verbotenen Weiterfahrt. Das habe eine Profi-Firma übernommen. Tatsächlich weisen schon an der Lindenhof-Kreuzung (Nordertorstraße/Zwischen Beiden Bleichen/Philosophenweg) Schilder auf die Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße aus der Fahrtrichtung hin. An der Kreuzung zur Osterstraße stehen „Einfahrt verboten in 70 Metern“-Schilder. Es sei leider ihr täglich Brot, dass Verkehrsschilder ignoriert würden, sagt Hinrich Post. Nun sei die neue Verkehrsführung aber ja auch erst seit ein paar Stunden eingerichtet. Er hoffe, dass es sich in den kommenden Tagen beruhigt. Bei Navigations-Diensten wie Google Maps oder der Karten-App beim iPhone ist die halbseitige Sperrung noch nicht vermerkt (Stand 4. August, 14 Uhr).
So lange bleibt die Baustelle in der Brückstraße
Die Sanierungsarbeiten sollen planmäßig bis zum 12. September 2025 abgeschlossen werden. Dass der Kirchturm gerade jetzt saniert werden muss, während die Friedrich-Ebert-Straße schon stärker durch Verkehr belastet wird, weil die Martin-Faber-Straße saniert wird und die Neutorstraße eine Einbahnstraße geworden ist, erklären die Kirchen-Verantwortlichen. Zum einen sei der sogenannte Dachreiter nicht mehr standfähig. Die Gefährdung durch einen Absturz sei nicht auszuschließen.
Zum anderen könnten aus statischen Gründen die Arbeiten nur im Sommer erledigt werden, weil Wind das Vorhaben riskanter machen würde. Und: Fördermittel in Höhe von 114.000 Euro seien nur noch bis Jahresende abrufbar. Andernfalls ginge das Geld verloren, die ganze Sanierung stünde auf der Kippe. Die Gesamtkosten werden auf 300.000 Euro geschätzt. Der Bauverein der Kirche hat den Großteil dieser Kosten durch Spenden und Aktionen gesammelt.