Hannover Gewalt in Fußballstadien sinkt – Innenministerin trotzdem von Vereinen „enttäuscht“
Gewalt und Straftaten in niedersächsischen Fußballstadien gehen deutlich zurück – dank der Polizei, sagt Innenministerin Daniela Behrens – und schiebt eine warnende Drohung an die Vereine hinterher.
Profi-Fußballspiele werden in Niedersachsen immer sicherer. Fußballfans verübten in der vergangenen Saison nur noch halb so viele Straftaten, wie im Jahr zuvor. Auch die Zahl der Verletzten halbierte sich fast. Für Innenministerin Daniela Behrens (SPD) ist klar: Das ist das Ergebnis „intensiver präventiv-polizeilicher Maßnahmen und einer konsequenten Fantrennung“. Auch die reduzierten Gästefan-Kontingente erhöhten demnach die Sicherheit.
Weil es seltener zu Gewalt komme, habe die Polizei in der abgelaufenen Saison durchschnittlich nur noch 219 Beamte pro Spiel eingesetzt, ein Viertel weniger als im Jahr zuvor.
Eine besondere Herausforderung für die öffentliche Sicherheit bleibt jedoch das Niedersachsenderby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig. In der vergangenen Saison kam es beim Hinspiel zu einem Angriff von Hannoveranern auf Anhänger von Eintracht Braunschweig in einer Gaststätte im Landkreis Gifhorn. Beim Rückspiel in Hannover führten massive Störungen durch die Heimszene zu Polizeieinsätzen. Deshalb waren bei beiden Spielen jeweils rund 1.300 Polizisten im Einsatz.
Insgesamt kam es in der Saison 2024/25 bei jedem dritten Spiel zu Störungen oder Gewalt. Das mache deutlich, „dass wir noch nicht am Ziel sind“, warnte Innenministerin Behrens. Ein Problem bleibe der Einsatz von Pyrotechnik in den Stadien: In der vergangenen Saison zündeten Fans diese bei 27 Spielen; das sind drei mehr, als im Jahr zuvor.
Deshalb sollten die Vereine wieder mehr Stadionverbote aussprechen, fordert Behrens. Während in der vorletzten Saison noch 36 Personen neu von den Spielen ausgeschlossen wurden, waren es im letzten Jahr nur noch 20. Außerdem findet es die Innenministerin „enttäuschend zu sehen“, dass die Vereine bei Spielen im Schnitt 50 Ordner weniger einsetzen. „Die Vereine müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und aktiv zur Sicherheit beitragen.“
Dazu hat die Polizei Niedersachsen für Hochrisikospiele ein Handlungskonzept entwickelt, das die Vereine stärker in die Pflicht nimmt, Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern und präventive Maßnahmen zu intensivieren. „Die Vereine müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und mehr tun, um Gewalt in den Stadien zu verhindern“, fordert Innenministerin Behrens.
„Wir erwarten von den Vereinen, dass sie aus den Erfahrungen der vergangenen Saison lernen und ihre Sicherheitskonzepte entsprechend anpassen. Wenn die Polizei vor Ort zu der fachlichen Einschätzung gelangt, dass dies nicht in ausreichendem Maße geschieht, bleiben alle Instrumente wie die Anordnung eines personalisierten Ticketings oder einer Reduzierung des Gästefan-Kontingents auch für die kommenden Derbys auf dem Tisch.“