Berlin  Labubus für Kinder verbieten? Ärger über die Blind Boxes

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 31.07.2025 10:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Labubu-Verkaufsmasche „Blind Box“: Man sieht nicht, was man kriegt. Foto: IMAGO/ANP
Labubu-Verkaufsmasche „Blind Box“: Man sieht nicht, was man kriegt. Foto: IMAGO/ANP
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Die Dubai-Schokolade ist kaum verdaut, da schwappt schon der nächste Konsum-Hype in die Geschäfte: Mit den Labubus werden gruselige Kuschelmonster zum Statussymbol. Ist das lustig? Oder gefährden die zahnigen Wesen sogar die Kinder?

Auf einmal sind sie überall: Labubus baumeln an den Taschen von Pop-Sängerinnen. Auf Fashion-Magazine haben die Spielfiguren es auch schon geschafft. Der Louvre verkauft Sammler-Editionen, und thailändische Buddhisten sollen die Labubus sogar in ihren religiösen Bilderschatz übernommen haben. Nicht schlecht für ein Kuschelmonster.

Die Flauschwesen mit dem dämonischen Lächeln gelten als „creepy-cute“ – als gruselig und süß zugleich. Gern werden sie als Abwehrzauber der Polykrise erklärt: als Angstsymbol und Trostspender in einem. Vor allem ist „creepy-cute“ aber ein ehrliches Wort für das, was seit Jahren im Kinderzimmer passiert. Immer neue Sammelfiguren lösen hier nämlich sehr gemischte Gefühle aus. Und zwar, weil die oft wirklich tollen Fantasiewelten mit gewissenlosen Verkaufsstrategien verbunden sind.

Das Labubu-Marketing folgt dem Prinzip der künstlichen Verknappung. Die begehrtesten Figuren sind selten. Wer eine der Überraschungsboxen kauft, spürt deshalb erst die Glückshormone – und dann höchstwahrscheinlich Frust über eine falsche Figur, der ihn gleich noch eine Box kaufen lässt. Experten sehen eine Nähe zum Glücksspiel. In China, wo die Labubus herkommen, ist der Verkauf der „Blind Boxes“ an Kinder unter 8 Jahren sogar verboten. Der Hersteller empfiehlt die Figuren für Kunden ab 15.

Unboxing-Videos, in denen Influencer Labubus vor laufender Kamera auspacken befeuern den Hype:

Das hindert Kinder natürlich nicht daran, sich für all das Sammlerspielzeug zu begeistern – von den Labubus über die Pokémon-Karten bis hin zur Ü-Ei-Figur, die trotz des biederen Designs ja auch mal als wertig galt. Jeder Grundschüler kann Vorträge über die fantastischen Wertsteigerungen der Sammelfiguren halten. Eltern tun gut daran, auf der Botschaft zu beharren: Taschengeld, das in Labubus fließt, ist erstmal weg.

Die eigentliche Grunderfahrung der Sammel-Spielsachen ist schließlich der Wertverlust. Die Mehrzahl der Karten und Figuren ist ab Werk als Füllmasse konzipiert, die seltene Stücke glänzen lässt. Dazu kommt ein ewiger Fake-Verdacht, mit dem sich Kinder selbst originalverpackte Stücke verderben. Das Netz ist voller Erklärvideos, mit denen man die Echtheit der Figuren prüfen kann. Viele davon sind ihrerseits Fake und animieren böswillig zur Zerstörung: Wenn sich der Kopf abreißen lässt, war der Labubu echt.

Wenn die Blind-Box-Spielzeuge für etwas stehen, dann für eine Wirtschaft, die mehr verkaufen will, als man braucht. Beim Labubu-Hype passiert allerdings etwas Bemerkenswertes: Den Produktfälschungen, die tatsächlich massenhaft in der Welt sind, haben Fans einen eigenen Namen gegeben. Als Lafufus werden sie in den Monsterkosmos eingemeindet. Es soll sogar Sammler für besonders gute Fakes geben. Die Liebhaber emanzipieren sich von ihrem Hersteller! Vielleicht haben die thailändischen Buddhisten also recht – und in den Labubus steckt wirklich ein guter Geist.

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