Prozess in Aurich  Kokainhandel auf Norderney – mutmaßlicher Dealer schweigt

Bettina Keller
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Von Bettina Keller
| 29.07.2025 14:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit einem zusammengerollten 50-Euro-Schein wird ein weißes Pulver, das Kokain darstellen soll, symbolisch konsumiert. Foto: David Ebener/dpa
Mit einem zusammengerollten 50-Euro-Schein wird ein weißes Pulver, das Kokain darstellen soll, symbolisch konsumiert. Foto: David Ebener/dpa
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Ein 34-Jähriger soll auf Norderney mit Kokain und Cannabis gehandelt haben. Er schweigt vor Gericht zu den Vorwürfen. Dennoch kamen interessante Details zum Drogenhandel auf der Insel ans Licht.

Aurich/Norderney - Ein 34-Jähriger ohne festen Wohnsitz soll auf Norderney einen schwunghaften Handel mit Kokain und Cannabis betrieben haben. Wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen mit Waffen wird dem Mann seit Montag, 28. Juli 2025, vor dem Landgericht Aurich der Prozess gemacht.

Im Oktober 2024 wurden bei der Durchsuchung seines Zimmers zur Untermiete rund ein Kilo Kokain und sieben Gramm Cannabis sowie zwei geladene Schreckschusswaffen, zwei Feinwaagen, ein Zerkleinerer, zwei Smartphones und 350 Euro in bar gefunden. Der Stoff, die Pistole und der Revolver wurden in einem Kulturbeutel auf einer Kommode entdeckt. Der Kokain-Block war in Frischhaltefolie gewickelt. Die Menge entsprach ungefähr 18.000 Konsumeinheiten.

Per internationalem Haftbefehl gesucht

Die Polizei traf den Angeklagten damals nicht an. Erst im Februar 2025 wurde er aufgrund eines internationalen Haftbefehls an der Grenze zwischen Griechenland und Albanien festgenommen. Im März wurde er ausgeliefert. Seither sitzt der 34-Jährige in Oldenburg in Untersuchungshaft.

Vor Gericht wollte der albanische Staatsbürger weder zu den Tatvorwürfen noch zu seiner Person Angaben machen. Die Spurenlage ist bescheiden. Die Ermittler konnten weder isolierte DNA des Angeklagten auf der Frischhaltefolie sicherstellen, noch wurden brauchbare Fingerabdrücke an den Schreckschusswaffen festgestellt.

Anonymer Hinweis rief die Polizei auf den Plan

„Wir erhielten Anfang 2024 ein anonymes Hinweisschreiben auf eine Person, die auf Norderney mit Betäubungsmitteln handeln soll“, berichtete ein Polizeibeamter im Zeugenstand über die Entstehung des Verfahrens. In einem gesonderten Ermittlungsverfahren sei ein Betäubungsmittelkonsument vernommen worden. Er habe auf den Angeklagten verwiesen und ihn bei einer Wahllichtbildvorlage identifiziert. Der 34-Jährige halte sich seit 2019 widerrechtlich in der Bundesrepublik auf.

Ein damals auf Norderney eingesetzter Polizist schilderte, er sei auf dem Heimweg von einem Konsumenten angesprochen worden. „Ich konnte offenkundig sehen, dass er ein Problem hat“, berichtete der Zeuge. Dem Konsumenten sei es damals primär darum gegangen, Hilfe zu bekommen. Er habe ihm den Kontakt zur Drogenberatungsstelle Drobs mitgegeben und ihm ans Herz gelegt, zur Dienststelle zu kommen. „Personen, die Betäubungsmittel verkaufen, machen Menschen kaputt“, tat er seine Meinung kund.

Zeuge hat panische Angst vor dem Angeklagten

Schon am Folgetag sei der junge Mann erschienen. Bei seiner Vernehmung habe er ausschließlich von Marihuana gesprochen und den Dealer nur mit dem Vornamen gekannt. Per WhatsApp habe er bei ihm die Droge bestellt.

Der Konsument selbst war zu seiner gerichtlichen Zeugenvernehmung am Montag nicht pünktlich aus dem Bett gekommen. Er erschien eineinhalb Stunden zu spät – und hatte panische Angst vor dem Angeklagten. Eine schwarze spanische Wand wurde aufgestellt, um den Sichtkontakt zu verhindern.

Auf Norderney ist angeblich leicht an Drogen zu kommen

Er habe auf Norderney im Frühjahr 2024 auf dem Rückweg von einem Kollegen, bei dem sie etwas geraucht hätten, einen Polizeibeamten angesprochen, berichtete der schmächtige 22-Jährige. „Da war diese Stimme in meinem Kopf, ich solle ihn ansprechen“, sagte er. Bei ihm sei eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden, die mit dem Betäubungsmittelkonsum zusammenhänge. Damals habe er sich mit seiner Arbeit überfordert gefühlt.

Geraucht habe er zwischen zwei und vier Gramm Cannabis pro Tag: „Man kann überall was bekommen.“ Nicht nur beim Angeklagten – „es gibt 100 andere auf der Insel“, erklärte der Zeuge. Von der ehemaligen Freundin des Angeklagten habe er Näheres über den 34-Jährigen erfahren. Sie habe ihn „zugelabert“, so der Zeuge. Unter anderem habe sie gesagt, „dass sie körperlich misshandelt worden ist“.

Für 600 Euro im Monat Cannabis konsumiert

Jede Woche habe er sich Marihuana besorgt. Den Vorgang umriss der 22-Jährige folgendermaßen: „Man bestellt, bekommt einen Standort, und dann ist man da hin.“ Für 50 Euro habe er dreieinhalb Gramm bekommen. „Überraschend wenig“, befand der Vorsitzende Richter Jan-Patrick Klein. „Inselkurs“, meinte der Zeuge. Die Übergabe sei auf der Straße in der Nähe zweier Restaurants erfolgt. Seine Sucht nach Marihuana sei immer größer geworden, bis er bis zu 600 Euro monatlich investiert habe. Von einem Kokainangebot des Angeklagten habe er nichts gehört.

Der Prozess wird am Montag, 4. August 2025, um 9 Uhr in Saal 003 mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Zwei weitere Termine sind am 11. August und am 21. August angesetzt.

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