Hamburg  Pro Tag verweigern vier Reservisten den Kriegsdienst – das sagt ihr Verbandschef dazu

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 27.07.2025 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Patrick Sensburg ist Chef des Reservistenverbandes. Foto: dpa/Vincent Mosch
Patrick Sensburg ist Chef des Reservistenverbandes. Foto: dpa/Vincent Mosch
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Die Anträge auf Kriegsdienstverweigerung schießen derzeit in die Höhe. Besonders viele stammen von Reservisten. So bewertet das der Chef des Reservistenverbandes.

Die Wehrpflicht ist weiter ausgesetzt, doch die Angst vor einem großen Krieg ist in Deutschland seit Jahren präsent. Einer der Effekte.:Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung steigt rasant an.

Zuständig für die Bearbeitung ist nicht die Bundeswehr selbst, sondern das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Insgesamt 2241 solcher Anträge sind 2024 dort eingegangen, berichtete das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Das sind mehr Anträge als in den Jahren 2013 bis 2021 zusammen. Der Ukraine-Krieg hat die Gefahren einer persönlichen Kriegsbeteiligung offenbar vielen ins Bewusstsein gerufen.

Auffällig: Nicht nur Ungediente wollen verweigern, sondern auch immer mehr Reservisten. Menschen also, die zumindest schon ihre Grundausbildung mitsamt dem Dienst an der Waffe geleistet haben. Ihre Zahl steigt besonders stark an, wie unsere Redaktion auf Nachfrage beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben erfuhr.

Pro Tag stellen vier Reservisten einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung. Bis zum Juni dieses Jahres waren es 722 insgesamt. Im gesamten vergangenen Jahr zählte die Bundesregierung 1029 Anträge von Reservisten, wie sie jüngst auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion offenlegte.

Patrick Sensburg, Präsident des Reservistenverbandes überrascht der Umstand der verweigernden Reservisten offenbar nicht. „Natürlich steigt die Anzahl der Kriegsdienstverweigerungen seit der Vollinvasion auf die Ukraine“, teilt der ehemalige CDU-Abgeordnete aus dem Sauerland auf Anfrage unserer Redaktion mit. Denn der Krieg in Europa bereite vielen Menschen große Sorgen. „Auch Reservistinnen und Reservisten“, betont er. Es sei auch elementar wichtig, dass man in einer freiheitlichen Gesellschaft eine Kriegsdienstverweigerung beantragen kann. Aber: „Zur gleichen Zeit entscheiden sich aber gerade viele dafür, im Notfall dieses Land zu verteidigen“, so Sensburg.

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