Gehrde  Christlich leben und AfD wählen – warum das ein Widerspruch ist

Raphael Steffen
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Von Raphael Steffen
| 15.07.2025 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die AfD ist in der Region Osnabrück bislang wenig erfolgreich. Eine Wählergruppe aber hält zu der Rechtsaußenpartei. Foto: Michael Gründel
Die AfD ist in der Region Osnabrück bislang wenig erfolgreich. Eine Wählergruppe aber hält zu der Rechtsaußenpartei. Foto: Michael Gründel
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Im Osnabrücker Land wählen auffällig viele freikirchlich geprägte Russlanddeutsche die AfD. Dabei widerspricht die Programmatik der Partei in zentralen Punkten christlichen Werten. Ein Kommentar.

Die AfD hat sich Zeit ihres Bestehens immer weiter radikalisiert und ist damit in Zeiten zahlreicher Krisen überaus erfolgreich. Die Partei hat sich eine große Stammwählerschaft erarbeitet, die nicht aus Protest, sondern aus Überzeugung ihr Kreuz bei der AfD macht.

Dazu gehören offenbar –  bei weitem nicht alle, aber auffällig viele – freikirchlich geprägte Russlanddeutsche aus dem Osnabrücker Land. Ihre Wohngegenden stimmen mit den Wahlbezirken mit besonders hohem AfD-Anteil überein. Der Zusammenhang ist gerade in kleinen Orten wie Gehrde und Bersenbrück kaum zu übersehen.

Um das einmal deutlich zu betonen: Es geht nicht darum, einen Sündenbock ausfindig zu machen. Gleichwohl darf man nicht die Augen vor den Realitäten verschließen. Während die katholische und die evangelische Kirche klar gegen die AfD Position beziehen, ist das evangelikale Milieu besonders anfällig für die radikalen Parolen der Partei. Das reaktionäre Weltbild, das in manchen freikirchlichen Gemeinden vorherrscht, spielt den Rechten in die Hände.

Dabei sagen selbst konservative Hardliner wie die Bibelgemeinde Ankum: Es sei nicht Begeisterung über die AfD, die „bibeltreue“ Christen bei ihrer Wahlentscheidung bewege, sondern Verzweiflung über eine angebliche „Alternativlosigkeit“. Demnach wäre diese Wählergruppe für andere Parteien nicht grundsätzlich verloren.

Wer aus Politik und Zivilgesellschaft den Dialog sucht, sollte jedoch klarmachen, dass bestimmte gesellschaftliche Errungenschaften nicht verhandelbar sind. Insbesondere die mühsam erkämpften Rechte von Frauen und queeren Menschen dürfen nicht angetastet, sondern müssen gerade heute geschützt werden. Der Verweis auf angeblich eindeutige Bibelstellen kann in einer säkularen Gesellschaft keine Diskriminierung Homosexueller rechtfertigen.

Die AfD bedient mit ihrem Populismus niedere Instinkte, arbeitet mit Ausgrenzung, Härte, Häme, Neid, Dünkel und Angst. Damit steht sie gegen Offenheit, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, die Unantastbarkeit der Menschenwürde – kurz: alle zentralen Werte, die ein modernes, aufgeklärtes Christentum ausmachen.

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