Osnabrück  Boomer-Bashing – bitte nicht!

Louisa Riepe
|
Von Louisa Riepe
| 14.07.2025 09:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Viele jüngere Menschen nehmen den „Boomer-Vorwurf“ zum Anlass, der älteren Generation gar nicht mehr zuzuhören. Das kann Folgen für alle haben. Foto: IMAGO/U. Grabowsky
Viele jüngere Menschen nehmen den „Boomer-Vorwurf“ zum Anlass, der älteren Generation gar nicht mehr zuzuhören. Das kann Folgen für alle haben. Foto: IMAGO/U. Grabowsky
Artikel teilen:

Insbesondere im Internet werden Vorbehalte gegen die sogenannte „Boomer-Generation“ von jüngeren Menschen immer wieder reproduziert. Warum das am Ende schlecht für alle ist – und was es wirklich braucht, erläutert Chefredakteurin Louisa Riepe.

Sie wurden zwischen 1946 und 1964 geboren. Sie haben das Wirtschaftswunder, die 68er-Bewegung und den Kalten Krieg erlebt. Und es sind viele: In Deutschland gehört fast jeder fünfte zu dieser Gruppe. Sie ja vielleicht auch? Dann stößt es Ihnen womöglich genauso sauer auf, wie mir, wie teilweise über die Babyboomer gesprochen wird.

Die Vorwürfe an diese Generation sind vielfältig:

„Boomer“ kennzeichnet also längst nicht mehr nur die Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe. Der Begriff ist zum Schimpfwort geworden. „OK Boomer“ wird im Netz millionenfach für Memes, Videos und Kommentare genutzt, als eine Art abschätzige Zurückweisung im Sinne von: „Ich höre dir nicht mehr zu – du verstehst meine Realität nicht.“

Der Begriff „Boomer Remover“ tauchte während der Corona-Pandemie auf und bezeichnete das Virus – teils ironisch, teils bewusst provokant – als ein „Entfernungsmittel“ für eine ganze Generation. Manche sprechen aufgrund dieser pauschalen Abwertung gar vom „Boomer-Bashing“.

Die Soziologie kennt den Begriff „Ageism“, der Vorurteile, Stereotypen oder Diskriminierung aufgrund des Alters beschreibt – in der Regel gegenüber älteren Menschen, aber auch gegenüber sehr jungen Menschen. Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2023 beschreibt den Konflikt „Millennials Versus Boomers“ wie folgt:

Ich meine: Wir können uns solche Spannungen als Gesellschaft nicht leisten. Denn der demografische Wandel wird sich weiter fortsetzen: Die Zahl der Rentner steigt rapide, der Anteil der Erwerbstätigen sinkt, die Bevölkerung wird insgesamt wohl sogar leicht schrumpfen.

Wir werden Millennials und Boomer brauchen, um die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen zu meistern, die vor uns liegen. Wie sagte mir neulich eine Vertreterin der Boomer-Generation: „Wir können ja nichts dafür, dass wir so viele sind.“ Das stimmt. Und die Millennials können nichts dafür, dass sie so wenige sind. Zusammenhalt ist geboten.

Ähnliche Artikel