Fertigbau im Schwimmbad  Innovative Technik für neues Freibad in Norddeich

| | 11.07.2025 09:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mit dieser neuen Grafik hat der Tourismus-Service Norden-Norddeich das neue Freibad visualisiert. Im oberen Teil (nicht im Bild zu sehen) ist zusätzlich noch ein Meerblick-Sichtfenster geplant. Grafik: Tourismus-Service
Mit dieser neuen Grafik hat der Tourismus-Service Norden-Norddeich das neue Freibad visualisiert. Im oberen Teil (nicht im Bild zu sehen) ist zusätzlich noch ein Meerblick-Sichtfenster geplant. Grafik: Tourismus-Service
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Bauherr setzt beim Schwimmbad im Deichvorland auf Fertigbauweise. Das hat es bisher noch nicht gegeben. Die neue Technik soll Bauzeit sparen und den Betrieb besonders langlebig machen.

Norden - Einen solchen Freibadbau hat es noch nicht gegeben: Die Becken des neuen Freibades in Norddeich entstehen in Fertigbauweise. Zwar ist das System der Firma Steuler aus Beton mit Kunststoffverkleidung seit einigen Jahren auf dem Markt – im Deichvorland wurde es laut der zuständigen Architekten Janßen und Bär (JBP) aus Bad Zwischenahn aber noch nie realisiert.

Warum die Wirtschaftsbetriebe trotzdem auf diese Technik setzen, erklärte die Sprecherin des Tourismus-Service Julia Mühlenbrock auf Anfrage so: „Im Küstenbereich und bei Meerwasser zeichnet sich vor allem die Kunststoffoberfläche durch eine chemische Widerstandsfähigkeit aus – vor allem gegen Chloride und Salze.“ Außerdem gilt die Oberfläche als frostsicher, UV-stabil und dauerhaft rutschfest. Auch die fugenlose Bauweise nach dem Verschweißen der einzelnen Teile ist ein weiterer Vorteil des Systems.

Kürzere Bauzeit durch neue Technik

Neben den positiven Stoffeigenschaften der Fertigwände kommt noch ein entscheidender Faktor hinzu: Die Wände werden in der Produktionshalle des Fertigwerkes in großen Teilen vorgefertigt. Das verkürzt nach Auskunft der Architekten die Bauzeit auf der Baustelle erheblich. Dadurch werde der Ablauf vor Ort „besser beherrschbar“. So werde auch die Schnittstelle zu anderen Gewerken auf der Baustelle auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt, da die fertige Oberfläche schon mitgeliefert wird. Dies beuge Fehlern und Verzögerungen im Bauablauf vor, so Mühlenbrock. Da jeweils nur von Mitte April bis maximal Ende September im Deichvorland gebaut werden darf, haben die Planer und der Bauherr diese Lösung gewählt.

Die Anfänge der Baustelle für das neue Freibad Norddeich von oben. Bagger begannen damit, die alten Becken zu entschlammen und die Fläche freizuräumen. Foto: Rebecca Kresse
Die Anfänge der Baustelle für das neue Freibad Norddeich von oben. Bagger begannen damit, die alten Becken zu entschlammen und die Fläche freizuräumen. Foto: Rebecca Kresse

Laut der Firma Steuler sind die Technikbestandteile für die Becken, wie Zu- und Überläufe oder Einbauten, bereits in den Fertigteilen integriert. Auch Wand- und Bodenelemente sowie Überlaufrinnen und Beckenköpfe sind passgenau vorbereitet und müssen vor Ort nur noch angeschlossen werden. Das modulare System sorgt dafür, dass alle Teile genau zusammenpassen. „Darüber hinaus werden die fortlaufenden Wartungskosten im Vergleich zu herkömmlichen Betonbecken – speziell bei Pools im Außenbereich – deutlich reduziert“, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.

Becken sollen schon bald geliefert werden

Bis die Außenbecken in Norddeich ankommen, solle es gar nicht mehr so lange dauern. „Derzeit liegen die Arbeiten im Zeitplan“, teilte Julia Mühlenbrock mit. Es habe allerdings aufgrund der stürmischen Winde im Deichvorland auch schon stunden- oder tageweise Unterbrechungen der Bauarbeiten gegeben. Dafür seien andere Arbeiten schneller vorangegangen, so dass der Zeitplan insgesamt eingehalten werden konnte.

Diese Pläne des neuen Norddeicher Freibades wurden 2022 im Norder Stadtrat präsentiert. Grafik: Archiv/Stadt Norden
Diese Pläne des neuen Norddeicher Freibades wurden 2022 im Norder Stadtrat präsentiert. Grafik: Archiv/Stadt Norden

Konkret sind die Pfähle des Technikgebäudes bereits hergestellt. Seit Anfang der Woche werden die Pfähle im Bereich des Bahnenbeckens gesetzt sowie die Erdarbeiten am Technikgebäude. In Kürze soll das Gewerk Rohbau mit der Bodenplatte des Technikgebäudes beginnen und die Firma Steuler soll mit den Außenbecken beginnen, zunächst mit den Bahnenbecken. Ab Mitte September wird die Baustelle in jedem Fall winterfest gemacht und geräumt.

Rohrleitungen und Außenanlagen im kommenden Jahr

Der weitere Zeitplan sieht vor, im kommenden Jahr die Rohrleitungen und Außenanlagen zu beginnen. Das Technikgebäude soll weitergebaut und ausgebaut werden. Im Jahr 2027 sollen dann alle Arbeiten abgeschlossen werden, so dass der Badebetrieb im Frühjahr 2028 starten kann.

Wie berichtet sollen ein 20 mal 25 Meter großes Schwimmbecken mit acht Bahnen, ein Nichtschwimmerbecken, ein Kinderbecken überdacht mit einem Sonnensegel und Liegewiesen entstehen. „Und es wird ein Bad für alle: barrierefrei geplant, mit Rampen, einem mobilen Versehrtenlift, Podestflächen und viel Liebe zum Detail – damit Menschen mit und ohne Einschränkungen gleichermaßen teilhaben können“, hatte Bürgermeister Florian Eiben beim obligatorischen ersten Spatenstich für das Freibad erklärt. Eiben war es, der sich maßgeblich dafür eingesetzt hatte, dass das neue Freibad gebaut wird und es zu einem seiner Themen im Wahlkampf für das Bürgermeisteramt gemacht hatte.

Die besondere Herausforderung in Norddeich: Im Deichvorland darf wegen der Gefahr von Sturmfluten nur in der Zeit vom 15. April bis zum 15. September gebaut werden. Deshalb beträgt die geplante Bauzeit auch drei Jahre. Läuft nach Baubeginn alles nach Plan, soll das neue Freibad Ende September 2027 fertig sein. Eröffnet werden soll es dann im April oder Mai 2028.

Wer möchte, kann den Bauarbeiten am Freibad zuschauen. Unter www.norddeich.de/service/live-webcams/webcam-freibad ist die Baustelle per Live-Webcam zu sehen.

So sah das alte Freibad in Norddeich aus, das im Jahr 2015 geschlossen wurde. Foto: Rebecca Kresse
So sah das alte Freibad in Norddeich aus, das im Jahr 2015 geschlossen wurde. Foto: Rebecca Kresse

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