Abgang mit Kritik  Upgant-Schottjer Ratsherr rechnet zum Abschied ab

| | 09.07.2025 18:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Upgant-Schotts Bürgermeister Günter Winter (SPD, rechts) überreichte seinem Ratskollegen Albert Janssen als Abschiedsgeschenk eine Gemäldereproduktion mit Landschaftsmotiv. Foto: Thomas Dirks
Upgant-Schotts Bürgermeister Günter Winter (SPD, rechts) überreichte seinem Ratskollegen Albert Janssen als Abschiedsgeschenk eine Gemäldereproduktion mit Landschaftsmotiv. Foto: Thomas Dirks
Artikel teilen:

Albert Janssen verließ die Politik in Upgant-Schott nach 30 Jahren. Zum Abschluss gab es Kritik und eine überraschende Ankündigung.

Upgant-Schott - Er trat ab, wie man ihn kannte: Zum endgültigen Rückzug aus der Kommunalpolitik fand Ratsherr Albert Janssen (Brookmer Wählergemeinschaft, BWG) wie so häufig zuvor deutliche Worte. Seine Verabschiedung im Rat seiner Heimatgemeinde Upgant-Schott am Dienstagabend nutzte der 66-Jährige zu einer Abrechnung, zu Kritik und für eine überraschende Ankündigung.

Janssen gehörte dem Schottjer Gemeinderat seit 1996 nahezu ununterbrochen an. Bis Ende 2020 war er zudem Mitglied des Samtgemeinderats. 2021 feierte Janssen nach gut einjähriger Politikpause ein beachtliches Comeback in Upgant-Schott, erreichte dort die mit Abstand meisten Stimmen (400). Alles in allem habe er die ehrenamtliche politische Arbeit gerne gemacht, so Janssen. Leicht sei das aber häufig nicht gefallen. Mit dem plattdeutschen Satz „Dat was een hart Freten“ erinnerte Janssen daran, dass er überwiegend aus einer Ratsminderheit heraus agierte. Es sei frustrierend, wenn man kein Gehör finde. Das sei oft der Fall gewesen. „Das enttäuscht mich“, sagte Janssen. Nicht nur im Gemeinderat in Upgant-Schott gebe eine „gewisse Lagerbildung“, die eine Kommunikation nicht zulasse. Hinzu komme ein Mangel an Transparenz.

Warnung vor gefährlichen Kräften

Künftig könne sich das noch stärker als bisher rächen, warnte der scheidende Ratsherr. „Kräfte, die unsere Demokratie gefährden, leben von solcher Intransparenz“, spielte Janssen unter anderem auf das Erstarken der AfD im Brookmerland an, ohne diese namentlich zu nennen.

Aus seinen zahlreichen Gesprächen mit Bürgern der Gemeinde wisse er, dass der Rat häufig auf dem verkehrten Weg unterwegs gewesen sei. Janssen empfahl, die Anzahl der Ratssitzungen zu erhöhen. „Es kann nicht sein, dass der Rat einer 3000-Einwohner-Gemeinde nur zweimal pro Jahr tagt“, sagte er. Denen, die künftig politisch Verantwortung tragen, wünsche er alles Gute. „Gebt nicht auf“, rief er. Ein erneutes Comeback bei der Kommunalwahl 2026 schließt Janssen definitiv aus. Für ihn sei die Zeit vorbei. „Das hier ist nicht mehr die richtige Umgebung für mich“, so der pensionierte Grundschullehrer. Seine Interessenschwerpunkte seien inzwischen andere, hatte er dieser Redaktion schon im April gesagt. Künftig will sich Janssen mehr auf seine Familie konzentrieren und sich mit Regionalgeschichte befassen. Janssen gilt als Experte für Mühlengeschichte, engagiert sich in zwei Mühlenvereinen und ist einer der Autoren der Ortschronik Upgant-Schott.

Überraschende Ankündigung

Dann ließ er mit einer überraschenden Ankündigung aufhorchen. Er sei in Upgant-Schott geboren, dort aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe dort gearbeitet und lebe dort heute noch. „Ich hoffe, dass ich noch einiges zum Wohl der Gemeinde beitragen kann“, sagte Janssen. Er überlege, die Zeit von 1996 bis heute „aufs Papier zu bringen“. Windkraft, Feuerwehren, IGS – sowohl in Upgant-Schott als auch brookmerlandweit gebe es „viele Themen, die uns bis heute auf dem Herzen liegen“, stellte Janssen fest.

Während Janssens Verabschiedung seitens des Rates und der Verwaltung insgesamt eher nüchtern ausfiel und nur Winter sich bemühte, ein paar lobende Worte zu finden, dankte der ebenfalls aus dem Rat ausgeschiedene Fabian Roolfs (BWG) Janssen mit einer persönlich-emotionalen Ansprache. Dieser und der verstorbene frühere BWG-Co-Chef Winfried Dunkel hätten ihn in die Kommunalpolitik gebracht. „Ohne Euch hätte ich den Weg nie eingeschlagen“, sagte der frühere Brookmerlander Jugendsamtgemeindebürgermeister. „Es war mir eine Freude, mich für die Gemeinde einzusetzen. Danke für eine schöne Zeit“, sagte Roolfs.

Upgant-Schotts Bürgermeister Günter Winter (rechts) mit seinem neuen Stellvertreter Volker Vienna. Foto: Thomas Dirks
Upgant-Schotts Bürgermeister Günter Winter (rechts) mit seinem neuen Stellvertreter Volker Vienna. Foto: Thomas Dirks

Die Gemeinde Upgant-Schott hat künftig nur noch zwei stellvertretende Bürgermeister. Neben Ewald Arends (SPD) wird Volker Vienna (CDU) SPD-Bürgermeister Günther Winter bei Bedarf vertreten. Bisher leistete sich die Gemeinde Upgant-Schott drei stellvertretende Bürgermeister. Neben Arends hatten Fabian Roolfs (BWG) und Heiko Poppinga (CDU) Vize-Posten inne. Beide jedoch mussten ihr Ratsmandat aufgeben, da sie ihren Wohnsitz nicht mehr in Upgant-Schott haben. Zur Erinnerung: Poppinga zog nach Marienhafe um, Roolfs jetzt nach Leezdorf. Für sie Nachfolger zu finden, gestaltete sich offenbar schwieriger als angenommen. Wie Bürgermeister Winter in der Ratssitzung am Dienstag berichtete, lehnten sowohl Mine Neumann (BWG) als auch der frühere Gemeindebürgermeister Gundolf Harms (BfB) aus nicht näher bezeichneten Gründen ab.

Zwei Stellvertreter aber seien notwendig, betonte Winter, der neben Heinrich Ubben (Wählergruppe „Moin“, Leezdorf) auf Samtgemeindeebene zweiter ehrenamtlicher Stellvertreter von Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) ist. Winter zeigte sich erfreut und erleichtert, dass Vienna einstimmig gewählt wurde und das Amt annahm. Neu in dem 15-köpfigen Rat der Gemeinde Upgant-Schott sind Lennart Focken, Leon Neumann und Henry Koopmans. Alle wurden in der Ratssitzung am Dienstag von Bürgermeister Günter Winter (SPD) verpflichtet.

Lennart Focken. Foto: Thomas Dirks
Lennart Focken. Foto: Thomas Dirks

Focken, der aus dem Ortsteil Siegelsum kommt, rückt für Kerstin Poppinga (CDU) nach, die gemeinsam mit ihrem Mann Heiko den Schottjer Rat im vergangenen Herbst verlassen musste, weil das Paar nach Marienhafe umzog. Für Heiko Poppinga kam Holger Vienna, der bereits seit Dezember verpflichtet ist. Focken nahm damals an der Sitzung nicht teil.

Die Nachfolge von Albert Janssen (BWG) trat Leon Neumann an, der künftig auch Vize-Sprecher der BWG/BfB-Gruppe und damit Stellvertreter von Gundolf Harms (BfB) sein wird. Janssens Sitz im Verwaltungsausschuss übernimmt Mine Neumann (BWG).

Leon Neumann. Foto: Thomas Dirks
Leon Neumann. Foto: Thomas Dirks

Für Fabian Roolfs (BWG), der wegen eines Wohnortswechsels den Rat verlassen musste, rückte Henry Koopmans nach. Roolfs zieht nach Leezdorf, wo er bei der nächsten Wahl kandidieren will (wir berichteten).

Henri Koopmans. Foto: Thomas Dirks
Henri Koopmans. Foto: Thomas Dirks

Die Fluktuation im Rat seiner Gemeinde sei zuletzt „leider sehr groß“ gewesen, stellte Bürgermeister Günter Winter fest. „Ich hoffe, dass wir bis zum Ende dieser Ratsperiode in dieser Zusammensetzung zusammenbleiben können“, sagte er.

Ähnliche Artikel