Neumünster  Nach Klassenfahrt auf Sylt: Verbrennungen im Gesicht – Vater zeigt Lehrer an

Benjamin Steinhausen, Alexandra von Fragstein
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Von Benjamin Steinhausen, Alexandra von Fragstein
| 09.07.2025 16:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eltern erheben schwere Vorwürfe: Einige Schüler sollen mit starken Sonnenbränden mit Blasenbildung von ihrer Sylt-Klassenfahrt zurückgekehrt sein. Das Foto ist ein Beispiel und zeigt keines der betroffenen Kinder. Foto: www.imago-images.de
Eltern erheben schwere Vorwürfe: Einige Schüler sollen mit starken Sonnenbränden mit Blasenbildung von ihrer Sylt-Klassenfahrt zurückgekehrt sein. Das Foto ist ein Beispiel und zeigt keines der betroffenen Kinder. Foto: www.imago-images.de
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Nach einer Klassenfahrt auf Sylt mussten mehrere Kinder wegen schwerer Sonnenbrände ärztlich versorgt werden. Ein Vater erhebt nun schwere Vorwürfe.

Nach der Klassenfahrt einer dritten Klasse auf die nordfriesische Insel Sylt kehrten einige der Kinder mit schweren Sonnenbränden zurück. Der Vater eines Mädchens (9), der lieber anonym bleiben möchte, erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen die Schule und die begleitenden Lehrer.

„Wir haben gar nichts von den schweren Sonnenbränden erfahren. Meine Frau hat es erst gesehen, als sie unsere Tochter vom Bahnhof abgeholt hat“, berichtet er. Das Gesicht des Mädchens sei knallrot gewesen, unter den Augen hätten sich schon Blasen gebildet. Bereits auf Sylt sollen die Lehrer mit einigen der Kinder einen Arzt aufgesucht haben. „Auch meine Tochter wollte mit. Eine Lehrerin soll es laut meiner Tochter verneint haben, mit den Worten, das sei bei ihr noch nicht so schlimm, sie könne zu Hause Quark draufschmieren.“

Dass es schon auf Sylt einen Arztbesuch gab, bestätigt auch das Bildungsministerium. Drei Kinder seien von Sonnenbränden betroffen gewesen. Der Arzt hätte aber Entwarnung gegeben, teilt Pressesprecherin Dörte de Graaf mit. Wie es sein konnte, dass nach der Klassenfahrt dennoch ein Kind mit Verbrennungen zweiten Grades ins Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck eingeliefert werden musste, konnte das Bildungsministerium auf Nachfrage unserer Redaktion nicht beantworten.

„Die Lehrkräfte haben die Kinder die ganze Zeit betreut“, sagt de Graaf. Auch sei zusätzliche Sonnencreme an die Kinder ausgegeben worden. Die Eltern seien außerdem bei einem Elternabend im Vorfeld der Klassenfahrt darüber informiert worden, dass sie selbst für ihre Kinder ausreichende Schutzmaßnahmen in Form von Sonnencreme und Kleidung ergreifen müssen.

Zu Hause hätten die Eltern des Mädchens die Verbrennungen zunächst mit Salben behandelt. Der Vater sagt: „Sie hatte jedoch so starke Schmerzen, dass wir am Sonntag in die Notaufnahme (...) gefahren sind. Dort sagte uns ein Arzt, wir seien nicht die Einzigen.“

Laut dem Vater diagnostizierten die Ärzte im Gesicht des Mädchens oberflächliche Verbrennungen zweiten Grades (2a) und jeweils Verbrennungen ersten Grades auf dem Rücken und im Dekolleté-Bereich. Aus dem FEK sei ein Bericht ans Jugendamt gegangen, die Eltern hätten ebenfalls das Jugendamt informiert.

Der Vater ärgert sich insbesondere darüber, dass sich niemand bei ihm oder seiner Frau gemeldet oder erkundigt habe, wie es der Tochter geht. „Wir haben der Schule eine E-Mail geschrieben, mit der Information, dass wir mit unserem Kind in die Notaufnahme mussten. Wir haben lediglich eine Antwort mit Genesungswünschen bekommen. Weiter hat sich niemand bei uns gemeldet, auch das Schulamt nicht.“ Er und seine Frau haben jetzt eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die vier Lehrer eingereicht, die die Klassenfahrt begleiteten, bei der Polizei haben sie Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung erstattet. Auf Nachfrage bei der Polizeidirektion Neumünster bestätigte Pressesprecher Kai Kröger den Eingang der Anzeige wegen des Verdachts der Körperverletzung sowie der fahrlässigen Körperverletzung.

Auch eine weitere Angehörige eines betroffenen Grundschulkindes hat sich bei unserer Redaktion gemeldet. Sie berichtet, das Kind sei mit einer Brandblase in der Größe einer Handfläche auf dem Rücken von Sylt zurückgekehrt. „Wir haben das aber selbst behandelt“, erzählt die aufgebrachte Angehörige. Das Kind habe erzählt, dass eine Lehrkraft gesagt hätte, die Kinder sollten sich „nicht so anstellen“. Mit den Verbrennungen hätten die Kinder an einer Wanderung mit Rucksack auf dem Rücken teilnehmen müssen. „Ich bin empört, das glauben Sie gar nicht“, sagt sie.

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