100 Hektar für Freiflächen Nicht nur auf der Markthalle – Aurich setzt auf Solar
Auf Schulen, der Markthalle und dem Rathaus – Photovoltaik-Anlagen stehen auf vielen Dächern in Aurich. Bis 2033 muss die Stadt außerdem 100 Hektar für Freiflächen-Solar ausweisen. Das ist der Stand.
Aurich - Zwölf Mal der Leipziger Hauptbahnhof, mehr als die doppelte Fläche des Vatikans oder auch die Größe des Europaparks: 100 Hektar muss die Stadt Aurich bis 2033 für Freiflächen-Photovoltaik (FFPV) ausweisen – also für Anlagen, die nicht auf Dächern, sondern auf offenen Flächen am Boden aufgestellt sind. So schreibt es das Niedersächsische Klimagesetz (NKlimaG) vor.
„Hier ist die Stadt Aurich sehr gut im Zeitplan, da durch laufende Bebauungsplanverfahren schon circa 50 Hektar in der Planung sind“, schreibt der Klimaschutzmanager der Stadt, Tjarko Tjaden, auf Anfrage dieser Zeitung. Die Verfahren umfassen bislang vier Projekte, die in der Planung sind. Aus einer Recherche einer Kooperation von CORRECTIV.Lokal und dem Verein Klimadashboard.de zeigt sich, dass die Freiflächenleistung in Aurich seit 2021 kaum gestiegen ist, von 25.846 Kilowatt-Peak auf 27.936 Kilowatt-Peak. Im Gegensatz zu den Freiflächen geht es bei den Dächern voran: In demselben Zeitraum hat sich die Leistung von Dachanlagen mehr als verdoppelt.
Rolle in Klimaschutzkonzept
Solarenergie spiele eine große Rolle im Klimaschutzkonzept der Stadt Aurich – vor allem Photovoltaik, so Tjaden. Die FFPV-Potenzialstudie der Stadt Aurich von 2023 fasst er so zusammen: „Es gibt in jedem Fall ausreichend Fläche zur Erreichung der Ziele und noch weit darüber hinaus.“ In der Studie steht auch, wie viel Potenzial bisher in Aurich ausgenutzt wurde. 2019 seien nur 2.184 Megawattstunden Strom aus FFPV-Anlagen genutzt worden. Das entspreche einer Potenzialausschöpfung von weniger als drei Prozent, hieß es in dem Bericht.
Auch auf die Dachanlagen hatte die Stadt einen Blick geworfen. Das Fazit: Etwa fünf Prozent des Potenzials sind ausgenutzt. Aber die Zahl der Anlagen steigt ebenfalls, denn: „Für die Bürger, Unternehmen und auch die kommunalen Dächer gilt weiterhin, dass das NKlimaG auch die Pflicht zur Nutzung der Dachflächen für Photovoltaik regelt, insofern ein Dach neu gebaut oder umfassend saniert wird“, so Tjaden.
Auf Schulen und im Gewerbegebiet
Die Gewerbegebiete Schirum und Aurich-Nord werden erweitert, weshalb weitere große Aufdachanlagen dort für 2026 und 2027 dazukommen. Der Klimaschutzmanager zählt außerdem die kommunalen Dächer auf, auf denen Photovoltaik bereits installiert ist, beziehungsweise installiert werden soll.
Dazu gehört die Markthalle, auf der die Anlage kurz vor dem Netzanschluss stehe. Gleiches gelte für den Neubau der Realschule. Auf den Grundschulen Finkenburg, Lamberti und Middels sind auch Anlagen geplant.
Netzanschluss und Speicherkapazitäten
Hürden gebe es bei dem Ausbau von Dachanlagen kaum, so Tjaden. Eine Schwierigkeit, die jedoch bei FFPV, sehr großen Dachanlagen und Parkplatz-Photovoltaik besteht, ist das Thema Netzanschluss. Das könne die Projekte verzögern.
Um den erzeugten Strom auch nutzen zu können, wenn die Sonne nicht scheint, braucht es genügend Speicherkapazitäten. In acht von zehn Fällen werde bei Dachanlagen bereits ein Batteriespeicher mit eingebaut, teilt Tjaden mit. „Zudem entsteht am Umspannwerk in den kommenden Monaten auch ein großer Batteriespeicher zur Stabilisierung des Strommarkts. Weitere Großspeicher-Projekte sind bereits in Anbahnung“, blickt der Klimaschutzmanager in die Zukunft.