Hannover  Millionen-Abweichung auf der Meyer Werft: Untersuchung zu Konsequenzen abgeschlossen

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 02.07.2025 05:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Meyer Werft in Papenburg wurde im vergangenen Jahr durch den Bund und das Land Niedersachsen gerettet. Foto: Lars Schröer
Die Meyer Werft in Papenburg wurde im vergangenen Jahr durch den Bund und das Land Niedersachsen gerettet. Foto: Lars Schröer
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Die Politik hatte gerade erst beschlossen, die Meyer Werft in Papenburg mit sehr viel Steuergeld zu retten, da tauchte ein Millionen-Problem auf. Wurde dieses vorher verschwiegen? Der Bund und das Land Niedersachsen ließen mögliche rechtliche Konsequenzen prüfen. Jetzt liegt das Ergebnis vor.

185 Millionen Euro – so hoch war die negative Planabweichung, die auf der Meyer Werft in Papenburg zu einem heiklen Zeitpunkt entdeckt wurde: Der Bund und das Land Niedersachsen hatten im Herbst 2024 kurz zuvor den Staatseinstieg beschlossen. Von dem Millionen-Problem ahnte die Politik da noch nichts. Umso größer war die Empörung, als unsere Redaktion den Vorgang öffentlich machte.

Der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) musste im Haushaltsausschuss des Bundestages Rede und Antwort stehen. Mögliche Haftungs- und Schadenersatzfragen standen im Raum. Ebenso die Frage, welche Auswirkungen die Abweichung auf die Sanierungsfähigkeit des Unternehmens hat.

Die hatten die Wirtschaftsprüfer von Deloitte kurz zuvor attestiert und damit den Weg für den Staatseinstieg frei gemacht. Das Millionen-Problem hatten die Prüfer wohl nicht entdeckt. Ihre Annahmen waren in der Folge also zu positiv. Bund, Land und Unternehmen stellten schnell klar, dass die Sanierung trotzdem nicht gefährdet sei.

Aber wie konnte die Abweichung nun passieren und wer trägt Verantwortung? Die neuen staatlichen Eigentümer schickten eine renommierte Anwaltskanzlei los, um die Vorgänge aufzuklären und mögliche rechtliche Konsequenzen zu prüfen. Nach Informationen unserer Redaktion ist die Untersuchung mittlerweile abgeschlossen.

Im Ergebnis sollen sich demnach keine Hinweise darauf ergeben haben, dass die Verkäufer – die bisherigen Eigentümer der Familie Meyer – oder die Geschäftsführung entweder von den Abweichungen gewusst oder fahrlässig gehandelt haben.

Wäre das der Fall gewesen, hätte neben Schadenersatz-Ansprüchen eine Rückabwicklung des Kaufes – also der Rücktritt vom Staatseinstieg – geprüft werden können. Denkbar wäre auch eine Nachjustierung bei den Geschäftsanteilen. Bund und Land halten jeweils etwas mehr als 40 Prozent an der Meyer Werft, bei Familie Meyer verblieben etwas weniger als 20 Prozent. Juristische Schritte erscheinen aus Sicht der staatlichen Rechtsberater aber wohl nicht aussichtsreich. Entsprechend soll die Angelegenheit für Bund und Land damit auch erledigt sein.

Die Meyer Werft wollte sich auf Anfrage mit Verweis auf „interne geschäftliche Angelegenheiten“ nicht zu den Vorgängen äußern. 

Die Abweichungen zum damaligen Zeitpunkt waren vor allem durch ein Projekt verursacht: Die Werft baut im Auftrag des Unternehmens Dragados Teile für Konverterplattformen, muss sich dabei aber massiv verkalkuliert haben. Personal- und Materialaufwand waren deutlich höher als angenommen, um die Anforderungen der Auftraggeber zu erfüllen.

Aber auch im Kreuzfahrtbereich, dem Kerngeschäft der Werft, soll es Probleme gegeben haben. In welchem Ausmaß legte kürzlich ein Rechtsberater der Werft in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ offen. Er sagte: „Nur zwei Tage, nachdem der Bund und das Land Niedersachsen eingestiegen waren, musste ein erheblicher Ergebnisbeitrag abgemeldet werden. Beim Neubau waren schlicht und einfach fast 200 Kilometer Kabel zu wenig kalkuliert und ein ganzer Schiffsteil bei einem Angebot vergessen worden.“

Der Eindruck, der auch in dem Interview bestätigt wurde: Aufgrund mangelnder Transparenz bei Kosten und Projekten fielen Probleme zumindest in der Vergangenheit zu spät auf. Am Ende standen die Abweichungen von 185 Millionen Euro.

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