Organisiertes Verbrechen  So will die Auricher Polizei Clankriminalität bekämpfen

| | 27.06.2025 10:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im November fand eine große Aktion seitens der Polizei gegen das organisierte Verbrechen statt. Damals beschlagnahmten sie unter anderem Glücksspielautomaten. Foto: Thomas Dirks
Im November fand eine große Aktion seitens der Polizei gegen das organisierte Verbrechen statt. Damals beschlagnahmten sie unter anderem Glücksspielautomaten. Foto: Thomas Dirks
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Die Zahl der Straftaten aus dem Bereich der organisierten Kriminalität ist weiter gestiegen. Aber Polizeirat Dirk Oidtmann ist trotzdem zuversichtlich.

Aurich - Die Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit Clankriminalität in den Landkreisen Aurich und Wittmund ist deutlich angestiegen. Waren es 2020 noch 52 Taten, so wurden 2023 bereits 102 Fälle gezählt. Das zeigt eine Statistik, die Dirk Oidtmann von der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund im Betriebsausschuss Rettungsdienst des Landkreises Aurich präsentierte. Die Fraktion der Freien Wählergemeinschaft hatte entsprechende Informationen angefordert. Der Anstieg sei allerdings nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen, betonte Oidtmann. Dieser Trend sei eine Folge davon, dass die Polizei es geschafft habe, „einen Fuß in die Tür zu kriegen“, sagt er. Es gelte nun, den Zugang nicht wieder zu verlieren.

Besonders drastisch ist laut Statistik der Anstieg der Vermögens- und Fälschungsdelikte im Zusammenhang mit Clans. Sie sind von 2020 bis 2023 von drei auf 26 Fälle angestiegen. Ebenso gab es eine starke Mehrung bei den „Sonstigen Straftatbeständen“. Sie stiegen von neun auf 27. Sogenannte „Straftaten gegen das Leben“ gab es demnach bislang im Kreis Aurich nicht im Zusammenhang mit Clans. Am häufigsten stellte die Polizei „Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit“ fest. 2023 sind davon 37 begangen worden. In den vier Jahren machen sie 115 von insgesamt 248 der Polizei bekannten Delikte aus.

Drogen und Geldwäsche

Häufig spielten Drogen und Geldwäsche eine Rolle. „Allerdings muss man diese Zahlen auch interpretieren“, gibt Oidtmann zu bedenken. Denn das Dunkelfeld der Straftaten, die tatsächlich in Verbindung zu Clans stehen, sei höher. Man habe sie mutmaßlich nicht alle zuordnen können.

In den Jahren 2023/24 habe es mehrere größere Kontrollen und Razzien gegeben – in Zusammenarbeit mit Zoll, Steuerfahndung, Landkreis und Stadt Aurich. Ziele waren unter anderem Shishabars, Gastronomien und Spielotheken. Laut Polizei wurden mehr als 30 Glücksspielgeräte, hohe Bargeldsummen und mehrere Fahrzeuge beschlagnahmt.

Einschränkungen im Kampf gegen Clans

Problematisch in dem Kampf gegen organisierte Kriminalität sei, dass nicht alle notwendigen Mittel eingesetzt werden könnten, so Oidtmann. Das liege daran, dass es keine einheitliche Definition gebe, ab wann es sich bei einer Organisation um einen Clan handelt. Man spreche lediglich von clanähnlichen Strukturen, was rechtlich die Grundlage für einige Maßnahmen nehme. In Niedersachsen ist ein Clan als „eine Gruppe von Personen, die durch eine gemeinsame Herkunft, überwiegend auch durch verwandtschaftliche Beziehungen, verbunden ist“, definiert.

Die Welt der Clans werde verherrlicht, erklärte die ebenfalls im Ausschuss anwesende Ansprechpartnerin für Clankriminalität bei der Polizei Aurich. Serien wie „4 Blocks“, oder Musiker wie Bushido, die ihre Nähe zu Clans besingen ließen Jugendliche glauben, dass diese Gruppen nicht so schlimm seien.

Bestimmte Verhaltensmuster geben Hinweise

Typisch für Clanmitglieder ist laut der Ansprechpartnerin für Clankriminalität bei der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, dass sie gegenüber der Polizei versuchen, Situationen eskalieren zu lassen. Dann würden die Personen in der Regel eine ganze Gruppe von Unterstützern herbeiholen. Sie seien besonders gewaltbereit. In ihr Verhalten spiele außerdem ein anderes Rechtsbewusstsein: Die Werte der Familie stünden bei ihnen über den deutschen Gesetzen. Außerdem komme es zu Versuchen, Beamte gezielt einzuschüchtern. Damit sollen bestimmte Maßnahmen und Aktionen verhindert werden, so die Polizistin. So ein Verhalten lasse schnell die Vermutung einer clanähnlichen Struktur im Hintergrund aufkommen.

Auf den zweiten Blick gebe es noch weitere Faktoren, die die Polizei auf mögliche Clans aufmerksam machen würden. Unter anderem benutzen sie „Strohmänner“. Auf sie sind unter anderem Geschäfte oder auch Fahrzeuge zugelassen, sodass keine Rückschlüsse auf die Clans schließbar sind. „Das macht unsere Arbeit natürlich sehr schwer.“ Dazu komme, dass bei Clans häufig Zeugen ihre Aussagen verweigerten oder zurückziehen.

Doch der Auricher Polizeirat Dirk Oidtmann zeigt sich zuversichtlich: „Wir werden die Clankriminalität nicht ganz beenden können, aber wir können sie ärgern. Und das werden wir auch tun. Wir haben den Einstieg geschafft.“

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