Feuerwehr-Neubau in Aurich  Standortdiskussion flackert im Rat kurz wieder auf

| | 23.06.2025 16:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Ortsfeuerwehr Aurich soll ein neues Zuhause bekommen. Nun hat der Rat der Stadt grünes Licht für den Grundstückskauf in Schirum gegeben. Foto: DPA
Die Ortsfeuerwehr Aurich soll ein neues Zuhause bekommen. Nun hat der Rat der Stadt grünes Licht für den Grundstückskauf in Schirum gegeben. Foto: DPA
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Der Neubau eines Feuerwehrhauses in Aurich hat die nächste Hürde genommen. Der Rat beauftragte die Verwaltung mit dem Grundstückskauf „In der Diere“. Doch es gibt weiter Kritik.

Aurich - Im Thema Feuerwehr stecken Emotionen, das zeigte sich bei der jüngsten Sitzung des Auricher Stadtrates. Dort stand die finale Standortentscheidung für den Neubau eines Feuerwehrhauses für die Ortsfeuerwehr Aurich auf der Tagesordnung. Das soll mit dem Ratsbeschluss nun endgültig im Schirumer Gewerbegebiet entstehen. In der Debatte, die der Abstimmung vorausging, kamen noch einmal sachliche, aber auch emotionale Argumente auf den Tisch.

Der Wunschstandort der Feuerwehr an der Egelser Straße war nicht umzusetzen. Mehrfach scheiterten laut Verwaltung die Verhandlungen mit dem Eigentümer des Grundstückes. Foto: Romuald Banik
Der Wunschstandort der Feuerwehr an der Egelser Straße war nicht umzusetzen. Mehrfach scheiterten laut Verwaltung die Verhandlungen mit dem Eigentümer des Grundstückes. Foto: Romuald Banik

Zum Hintergrund: Die Ortsfeuerwehr Aurich braucht ein neues Domizil. Der bisherige Standort an der Fockenbollwerkstraße ist nicht zukunftsgemäß. Seit Jahren ist die Verwaltung gemeinsam mit der Feuerwehr auf der Suche nach einem neuen Platz. Verschiedene Standorte waren im Gespräch, unter anderem ein von der Feuerwehr favorisiertes Grundstück an der Egelser Straße, nicht weit vom jetzigen Standort entfernt. Doch die Verhandlungen mit den jeweiligen Eigentümern der betreffenden Grundstücke scheiterten laut Verwaltung allesamt. Übrig blieb das rund ein Hektar große Grundstück „An der Diere“ im Ortsteil Schirum. Die Feuerwehrleute positionierten sich zunächst gegen das Schirumer Grundstück, präferierten stets den Standort an der Egelser Straße in der Nähe des Krankenhauses. Unter anderem die kürzeren Anfahrtswege für die Einsatzkräfte sprachen dafür. Doch inzwischen haben sich die Feuerwehrleute mit dem Standort in Schirum arrangiert, der Feuerwehrausschuss hatte Anfang Juni grünes Licht für die weiteren Planungen gegeben.

Immer noch Zweifel an der Alternativlosigkeit des Standortes

In der jüngsten Sitzung des Stadtrates am Donnerstag, 19. Juni, stand das Thema dann final auf der Tagesordnung. Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen machte Gila Altmann ihrem Ärger Luft. „Der Standort „An der Diere“ wird hier immer als alternativlos dargestellt“, sagte sie und bezweifelte, dass wirklich alle Möglichkeiten hinsichtlich des ursprünglichen Wunschgrundstückes an der Egelser Straße ausgelotet seien. „Wir haben die Diere immer aus ökologischen und aus verkehrspolitischen Gründen abgelehnt“, so Altmann, und sollte gemeinsam mit ihren Parteikollegen auch bei der Abstimmung dabei bleiben. Gunnar Ott (Bündnis 90/Die Grünen) stieß ins gleiche Horn und brachte die Möglichkeit eines Umlegungsverfahrens ins Spiel. Dabei handelt es sich um ein nach dem Baugesetzbuch (BauGB) geregeltes Verfahren zur Umverteilung von Flächen, mit dem vorhandene Flächen und Besitzrechte in einem bestimmten Gebiet neu angeordnet werden können. Die Grünen befürchten im Falle eines Neubaus auf dem Schirumer Grundstück Klagen von Naturschutzverbänden und bemängeln die fehlende Klärung der Verkehrssituation.

Bargmann spricht für die Feuerwehrkameraden

Sarah Buss (FDP) widersprach den Argumenten von Altmann und Ott, vor allem mit Blick auf die Auslotung weiterer Möglichkeiten an der Egelser Straße. „Die Verwaltung hat in ihrer Vorlage deutlich gemacht, dass alle Varianten geprüft worden sind“, so Buss. Bodo Bargmann (CDU) ergriff schließlich das Wort für die Feuerwehr. Der ehemalige Ortsbrandmeister der Feuerwehr Aurich weiß, wie seine Kollegen ticken. „Dieses Thema ist eines, das bei der Feuerwehr Emotionen auslöst“, sagte Bargmann. Bei der Ratsentscheidung vor einem Jahr, als sich die Mehrheit für den Standort an der Egelser Straße entschieden hatte, sei der Jubel groß gewesen, so Bargmann. Doch als klar geworden sei, dass diese Pläne nicht zu realisieren seien, sei die Stimmung gekippt.

Nun soll das neue Feuerwehrhaus im Gewerbegebiet Schirum „An der Diere“ entstehen. Foto: Romuald Banik
Nun soll das neue Feuerwehrhaus im Gewerbegebiet Schirum „An der Diere“ entstehen. Foto: Romuald Banik

„Die Kameraden haben damals Straßenzug für Straßenzug nach potenziellen Grundstücken abgesucht“, erinnerte Bargmann in der Ratssitzung. Schließlich sei aber nur das Grundstück „An der Diere“ übrig geblieben. „Lasst uns jetzt bitte nach vorne blicken“, sagte der CDU-Politiker, denn das täten die Feuerwehrleute nach jahrelanger Unsicherheit auch. „Der Brandschutz für Aurich kann auch an diesem Standort absolut sichergestellt werden“, so Bargmann.

Feuerwehrleute mussten Kröte schlucken

Die Feuerwehrleute hätten die Kröte mit dem Standort An der Diere geschluckt, sagte Harald Bathmann für die Ratsgruppe SPD/GAP und plädierte ebenfalls dafür, nun nach vorne zu schauen. Bathmann erinnerte zudem an die Bedeutung eines guten und schnellen Brandschutzes im Gewerbegebiet Schirum. Für Hendrik Siebolds von den Linken hat die Entscheidung des Rates einen Wermutstropfen. Ihn stört die Höhe des Kaufpreises für das betreffende Grundstück. Für einen Hektar Land soll die Stadt 150 Euro pro Quadratmeter berappen. Die so fällig werdenden 1,5 Millionen Euro gleichen denen eines voll erschlossenen Baugrundstückes. Doch das sei es „An der Diere“ nicht.

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