E-Autos in der Krise VW Emden sieht sich auf Kurs – trotz aktueller Rückschläge
VW Emden hat in unruhigen Zeiten am Freitag eine Betriebsversammlung abgehalten. Für die Azubis gab es eine gute Nachricht. Von einem prominenten Gast aus Wolfsburg folgten eher mahnende Worte.
Emden - Der Betriebsrat von VW Emden hat die Belegschaft am Freitag auf herausfordernde Zeiten vorbereitet. Dessen Vorsitzender Manfred Wulff ging in der nicht öffentlichen Betriebsversammlung auch auf die verlängerten Werksferien, die Situation der Auszubildenden und kursierende Gerüchte ein. Zu Gast war Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Marke Volkswagen.
„Wir sind auf Kurs, aber wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns und müssen zur Erreichung weiterhin alle an einem Strang ziehen“, sagte Wulff laut einer Mitteilung des Betriebsrates. „In dem Zuge ist es nicht von Vorteil, dass die Auftragslage aktuell nicht für die gewünschten Stückzahlen sorgt. Das hat Auswirkungen auf die Fahrweise und somit auf den jetzt verlängerten Werksurlaub.“
Betriebsrat offenbar um Ruhe bemüht
Wulff spielte damit auf die um neun Tage ergänzten Werksferien in diesem Sommer an. „Eine Anpassung des aktuellen Produktionsprogramms führt dazu, dass der dreiwöchige Werkurlaub im Werk Emden in diesem Jahr um insgesamt neun Arbeitstage verlängert wird“, hatte das Werk Emden erst am Dienstag dieser Woche mitteilen müssen. Die Produktion ruht somit von Donnerstag, 10. Juli, bis einschließlich Dienstag, 12. August. Eigentlich dauert der Werksurlaub bei VW drei Wochen. Nun sind es fast fünf. Als Grund nannte das Unternehmen Absatzprobleme. „Die Anpassung des Produktionsprogramms ist der aktuellen Vertriebssituation des ID.4 in einigen internationalen Märkten, etwa Italien, Belgien und Südkorea, geschuldet“, so ein Unternehmenssprecher am Dienstag. Zuvor hatte die Produktion bereits in der Himmelfahrtswoche stillgestanden.
Der Betriebsrat war am Freitag offenbar bemüht, ein wenig Ruhe ins Werk zu bekommen. Zuversicht gebe es aus Sicht des Betriebsrates weiterhin angesichts dessen, dass der ID.7 viele Preise gewinne und Vergleichstests sehr oft für sich entscheiden könne, hieß es. Mit den neuen Förderungen der Bundesregierung würden zusätzliche Anreize geschaffen. Auf ähnlichem Niveau werde auch der ID.4 Nachfolger ab 2026 hoffentlich für einen Auftragsboom sorgen. Mit den künftigen Modellen ID.1 und ID.2 investiere Volkswagen außerhalb von Emden in eine Preisklasse, welche die E-Mobilität für alle bezahlbar mache. Der ID.1 war als Concept Car auf der Betriebsversammlung ausgestellt.
Nun geht es bei VW Emden um die Effektivität
Wulff ging der Mitteilung zufolge auch auf die Personalsituation bei VW Emden ein, um die Produktivitätsziele zu erreichen. Unter anderem kursierten immer wieder Gerüchte um mögliche Verleihungen an andere Standorte, so der Betriebsrat. „Es wird nochmal deutlich gemacht, dass Stabilität am Standort Emden und klare Regelungen Voraussetzung dafür sind“, hieß es am Freitag. „Wichtigste Botschaft an der Stelle war, dass alle Auszubildenden, die in diesem Monat auslernen, am Standort Emden eingesetzt werden.“
Laut Betriebsrat berichtete Personalvorstand Meiswinkel über die aktuelle Lage der Marke und betonte das „herausfordernde Marktumfeld“ in dem sich Volkswagen befindet. Weiter heißt es in der Mitteilung: „Zudem wies er nochmal darauf hin, dass Folgemodelle für den Standort Emden und auch die Beschäftigungssicherung über 2030 hinaus abhängig von der Zielerreichung der Fabrikkosten sind. Aber auch er sieht genau wie Wulff den Standort auf dem richtigen Weg.“
Die Marke Volkswagen und der Betriebsrat hatten sich kurz vor Weihnachten darauf geeinigt, bis Ende 2030 rund 35.000 von insgesamt 130.000 Stellen abzubauen. Das entspricht 27 Prozent der Arbeitsplätze. Als Gegenleistung gab es unter anderem eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. Voraussetzung ist allerdings, dass die VW-Werke in den nächsten Jahren die Fabrikkosten senken und die Gewinnmarge spürbar steigt. Dafür wiederum müssen deutlich mehr E-Autos verkauft werden.