Hamburg  Missbrauchsbeauftragte fordert Reform des Sexualstrafrechts

Marie Busse
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Von Marie Busse
| 19.06.2025 19:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Kerstin Claus ist seit 2022 Missbrauchsbeauftragte des Bundes. Foto: IMAGO/Reiner Zensen
Kerstin Claus ist seit 2022 Missbrauchsbeauftragte des Bundes. Foto: IMAGO/Reiner Zensen
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Nach einem schweren Missbrauchsfall in Hamburg fordert die Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus eine Reform des Sexualstrafrechts. Sie warnt vor einfachen Lösungen und erklärt, was sie von einem Social-Media-Verbot hält.

Nach der Festnahme eines mutmaßlichen Sexualtäters in Hamburg fordert die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Kerstin Claus, eine Reform des Sexualstrafrechts. „Das Sexualstrafrecht muss systematisch für den digitalen Raum angepasst werden“, sagte Claus unserer Redaktion.

In Hamburg soll ein 20-Jähriger Kinder im Internet dazu gebracht haben, sich selbst zu verletzen und sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen – in einem Fall soll er ein Kind zum Suizid gedrängt haben. Aufnahmen davon teilte er im Netz. „Taten wie sexualisierte Gewalt via Livestream stellen die Strafverfolgung ebenso wie die Justiz vor immer neue Herausforderungen“, sagt Claus.

Das Sexualstrafrecht weist im Bereich der Jugendlichen Schutzlücken auf. So seien nicht alle Abhängigkeitsverhältnisse geschützt, in denen junge Menschen sich befinden. Das könne zum Beispiel im Sport genauso zutreffen wie im digitalen Raum. „Im Netz haben Täter rund um die Uhr Zugriff auf Jugendliche, ohne dass es hierzu Kontakt auch in der analogen Welt geben muss – im Netz stößt so das Strafrecht an seine Grenzen“, erklärte sie.

Claus kritisierte außerdem, dass Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren rechtlich kaum geschützt seien. „Unter 14 ist klar: Das ist Kindesmissbrauch. Ab 18 beginnt die MeToo-Debatte – dazwischen klafft eine Leerstelle“, sagte sie.

Ein pauschales Social-Media-Verbot angesichts der Gefahren für Minderjährige lehnt sie ab. „Das ist kein aktiver Kinderschutz“, betonte Claus. Stattdessen fordert sie sichere digitale Räume mit Altersbeschränkungen und damit „safe spaces“, die Erwachsene ausschließen und in denen aktiv Kinder- und Jugendschutz umgesetzt wird.

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