Osnabrück  Alle wollten die „Eiskönigin“ tot sehen: Doch wer war's im „Polizeiruf 110: Spiel gegen den Ball“?

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 22.06.2025 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Kevin Jankowski (Franz Ferdinand Krause, re.) und sein Freund Robert Sobinski (Lauri Kröck) spielen gemeinsam in der Amateurliga eines Fußballvereins in Küstrin, in der Hoffnung während des Turniers von Profi-Scouts entdeckt zu werden. Foto: bb/Oliver Feist
Kevin Jankowski (Franz Ferdinand Krause, re.) und sein Freund Robert Sobinski (Lauri Kröck) spielen gemeinsam in der Amateurliga eines Fußballvereins in Küstrin, in der Hoffnung während des Turniers von Profi-Scouts entdeckt zu werden. Foto: bb/Oliver Feist
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Mit dem äußerst sehenswerten „Polizeiruf 110: Spiel gegen den Ball“ verabschieden sich die Sonntagskrimis in die Sommerpause. Die Ermittler Ross und Luschke stehen vor einem komplexen Fall, als eine deutsch-polnische Unternehmerin brutal ermordet aufgefunden wird. Zwischen Fußballträumen, zerrütteten Beziehungen und dunklen Geheimnissen geraten vor allem drei Nachwuchskicker in den Fokus der Ermittlungen.

In Kostrzyn (Küstrin) auf der polnischen Seite der Oder wird die Leiche der deutschen Firmenchefin Olivia Briegel gefunden. Mit 20 bis 30 Schlägen totgeprügelt und in Müllsäcken verpackt, liegt sie auf dem LKW einer Gerüstbaufirma. Ein klarer Fall von Overkill, wie die herbeigerufenen Ermittler Vincent Ross (André Kaczmarczyk) und Alexandra Luschke (Gisa Flake) vom deutsch-polnischen Kommissariat zweifelsfrei feststellen. Eine Beziehungstat?

Patryk Dobosz (Albert Tallski), der Fahrer des LKW, der die Leiche gefunden hat, beschuldigt umgehend seinen Kollegen Jakub Sobinski (Adrian Topol). Aber eine handfeste Auseinandersetzung später ist Ross und Luschke klar, dass die beiden Männer eher Kontrahenten als Kollegen sind und auf Dobosz‘ Verdacht kein allzu großer Wert zu legen ist.

Auch die Ermittlung des Todeszeitpunkts ist keine allzu große Hilfe. Der Mord muss während des Fußball-EM-Viertelfinales begangen worden sein, als die deutsche Mannschaft unglücklich nach Verlängerung ausscheiden musste. Da waren doch alle beim Public Viewing in der Kaschemme des ehemaligen Jugend-Fußballtrainers Pawel (Ivan Shvedoff), oder?

Pawel hätte zwar ein Motiv gehabt, weil Briegel auch als Präsidentin des örtlichen deutsch-polnischen Amateur-Fußballvereins tätig war und Pawels Rauswurf veranlasst hat. Aber ein Motiv, so finden Ross und Luschke schnell heraus, lässt sich eigentlich bei fast jedem finden, der die herzlose Geschäftsfrau kannte. Nicht ganz zufällig hatte Briegel den Spitznamen „Eiskönigin“ weg.

Im Mittelpunkt des neuen „Polizeiruf 110: Spiel gegen den Ball“ stehen die drei Nachwuchskicker Robert Sobinski (Lauri Kröck), Kevin Jankowski (Franz Ferdinand Krause) und Marco „Pittbull“ Briegel (Len Blankenberg), der 13-jährige Sohn der Toten. Die drei bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie alle treibt der bedingungslose Wunsch nach einer Profi-Karriere voran. Insbesondere Kevin steht kurz vor seinem Durchbruch. In ein paar Tagen findet ein Turnier statt, zu dem sich auch ein Talentscout angekündigt hat. Da kann man doch nicht das Training aussetzen, nur weil Marcos Mutter ermordet wurde!

Regisseur und Coautor Christian Werner (gemeinsam mit Michael Fetter Nathansky und Daniel Bickermann) erweitert seinen zunächst als Whodunnit-Krimi angelegten „Polizeiruf“ zu einem eindringlichen Drama. Es geht um die Hoffnungen junger Spieler, um kaputte Beziehungen in alle Richtungen, um Macht und Machtmissbrauch sowie um die deutsch-polnischen Beziehungen und „deutschen Größenwahn“, den der Ex-Trainer der ermordeten Geschäftsfrau unterstellt.

Insbesondere Marco als gar nicht so sehr trauernder Sohn der Toten gerät dabei in den Mittelpunkt des Interesses. Kommissarin Luschke kümmert sich mehr als nötig um den völlig verschlossenen Jugendlichen, dessen Vater vor langer Zeit verschwunden ist und unauffindbar bleibt. Und dann rückt auch noch ein anderes Thema in den Mittelpunkt, das es im Fußball, erst recht auf polnischer Seite, überhaupt nicht geben darf.

Regisseur Werner gelingt bei aller äußerer Zurückhaltung eine spannende und dramaturgisch mitreißende Inszenierung, die gleich mehrere heikle Themenkomplexe anspricht, ohne jemals überfrachtet zu wirken. Dabei überrascht diese letzte Sonntagskrimi-Erstausstrahlung mit frischen, talentierten Jungdarstellern, von denen insbesondere Krause in der Rolle des aggressiv-übermotivierten Nachwuchskickers Kevin in Erinnerung bleibt.

„Polizeiruf 110: Spiel gegen den Ball“. Das Erste, Sonntag, 22. Juni, 20.15 Uhr und in der ARD Mediathek.

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