MTV-Mädchen glänzen bei Turnfest Turnen mit Leidenschaft
Beim größten Turnfest der Welt zeigten Auricher Turnerinnen ihr Können. Was sie in Leipzig erlebt haben und warum der Zusammenhalt wichtiger war als Medaillen.
Aurich - Obwohl in der altehrwürdigen Zingelhalle rund 30 Kinder und Jugendliche Sport treiben, ist der Geräuschpegel erstaunlich niedrig. Die Mädchen sind konzentriert und üben an den verschiedenen Turngeräten. Ein eleganter Abgang am Stufenbarren und weiter hinten zeigt ein Mädchen, wie sicher und präzise sie auf dem Schwebebalken unterwegs ist. Auf einem kleinen Kasten sitzt Trainer Arne Gleich und schaut zufrieden zu. Seit zwei Jahren ist der gebürtige Auricher für den Turnnachwuchs beim MTV Aurich verantwortlich, seitdem hat sich einiges getan. Nicht nur, dass die insgesamt fünf Mannschaften erfolgreich in verschiedenen Ligen turnen. Kürzlich war Gleich mit seinem Trainerteam und einigen Sportlerinnen beim Deutschen Turnfest in Leipzig. 80 000 Menschen trafen sich dort zur weltweit größten Wettkampf- und Breitensportveranstaltung. Die Auricherinnen Amke Bolten und Leja Schellschmidt schafften in ihren Kürklassen die hervorragenden Plätze fünf und zehn.
Für Trainer Arne Gleich war der sportliche Erfolg jedoch nicht das vorrangige Erlebnis der tollen Tage in Leipzig. „Es war das erste Turnfest seit Jahren und die Mädchen waren zum ersten Mal dort. Es war ein einmaliges Erlebnis. Die Mädchen haben den Verein repräsentiert und sind als Gemeinschaft aufgetreten“, erzählt Gleich. Zusammen mit Turnerinnen aus Wittmund und Emden übernachtete die MTV-Delegation in einem Leipziger Klassenzimmer. Höhepunkt war dann die große Abschlussgala im gut gefüllten Stadion vom Fußball-Bundesligisten RB Leipzig.
Der Anschluss an diegroßen Turnzentren fehlt
Mit großen Augen hatten sie zuvor die Wettkämpfe verfolgt und die Turnkünste der Turnerinnen von größeren Vereinen oder aus den Leistungszentren bewundert. Für große Leistungssprünge müssen sich die MTV-Turnerinnen gewaltig strecken. „Uns fehlt einfach der Anschluss an ein solches Leistungszentrum“, sagt Arne Gleich. Dort würden die Sportlerinnen ganz andere Trainingsbedingungen vorfinden. Die nächsten Stützpunkte sind laut Gleich in Melle und Hannover, dort gibt es gleich drei Turnzentren. „Wir versuchen uns im Ostfriesischen Turnkreis selbst zu organisieren, aber der Turnsport hat keine Lobby“, erzählt der 43-Jährige. Sponsoren zu finden, sei schwer und die Geräte teuer. „Schon hier in der Halle stehen Turngeräte und Zubehör für rund 30 000 Euro“, so Gleich.
Mit den Bedingungen beim MTV Aurich ist er hoch zufrieden. Die Halle sei sehr gut ausgestattet. Kein Wunder: Denn auch MTV-Chef Wilfried Theessen, der selbstverständlich auch mit nach Leipzig gefahren ist, ist seit Jahrzehnten begeisterter Turner.
Eine MTV-Mannschaft turnt in der Landesliga
Auch Arne Gleich turnt seit seiner Kindheit – natürlich beim MTV Aurich. „Albert Meyer war damals mein erster Trainer“, sagt Gleich. In seiner Jugendzeit trainiert der Auricher dann die kleinen Turner, ehe es ihn beruflich in die Ferne verschlägt. Seit zwei Jahren ist Arne Gleich wieder zurück, abgelöst hat er übrigens den legendären Übungsleiter Herbert Söhn. „Das ist schon kurios. Damals hat er mich beerbt und dann habe ich ihn Jahre später wieder abgelöst“, erzählt Gleich. Er wohnt zwar mit seiner Familie in Zetel, doch für seine Leidenschaft fährt er regelmäßig in die Zingelstraße. Um die Mädchen optimal zu fördern, müssten laut Gleich fünf Mädchen von einem Trainer betreut werden, beim MTV Aurich kümmern sich drei Trainerinnen und Trainer um die Turntalente. „Die Übungsleiter fehlen, wir können nur zweimal in der Woche Training anbieten, mehr geht nicht“, sagt Gleich.
Die Mannschaft mit den älteren Mädchen hat sich dennoch in die Landesliga hochgeturnt. „Das war ein großer Erfolg nach einem wahren Aufstiegskrimi“, sagt Gleich. In diesem Jahr soll der Aufstieg in die nächst höhere Landesliga gelingen. Die MTV-Mädchen haben nur wenige Möglichkeiten, sich mit anderen Turnerinnen zu messen. Sechs bis acht Wettkämpfe, davon zwei in der Liga, kommen laut Gleich in einer Saison zusammen.
Deshalb haben Gleich und die MTV-Turnerinnen noch ein anderes Tätigkeitsfeld für sich entdeckt. Im Mehrkampf müssen die Turnerinnen auch noch ihr Können in der Leichtathletik beweisen. Eine gute Sache, denkt Gleich. „So können sie über den Tellerrand hinausschauen und man kann auch mal etwas gewinnen“, sagt Gleich. Das ist zum Beispiel Amke Bolten gelungen. Die Auricherin ist neben ihrem Können an den Turngeräten auch auf der Leichtathletikbahn ein Ass. Bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften holte die junge Auricherin Bronze. Die Mädchen haben sich ein Stück weit nach vorne geturnt, doch was ist mit den Jungs? „Im Moment haben wir keine, obwohl die Nachfrage da ist. Wir haben einfach zu wenig Übungsleiter“, sagt Gleich.