Organisatorin besorgt  Jugendliche pöbeln bei Demokratie-Demo in Emden

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 17.06.2025 12:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schwer erkennbar im kurzen Gerangel, das in einem Video aufgenommen wurde: Eine schwarz gekleidete Person wird von Demo-Teilnehmern verfolgt. Die Person, offenbar ein Jugendlicher, soll vorher gerempelt, gepöbelt und ein Antifa-Schild zerstört haben. Foto: Screenshot aus Privat-Video
Schwer erkennbar im kurzen Gerangel, das in einem Video aufgenommen wurde: Eine schwarz gekleidete Person wird von Demo-Teilnehmern verfolgt. Die Person, offenbar ein Jugendlicher, soll vorher gerempelt, gepöbelt und ein Antifa-Schild zerstört haben. Foto: Screenshot aus Privat-Video
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Zu einer Kundgebung für die Demokratie kamen am Sonntag rund 30 Interessierte in Emden zusammen. Wegen vier Jugendlichen riefen die Organisatorinnen die Polizei.

Emden - Sie wollten auf politische Missstände hinweisen und darüber ins Gespräch kommen: Sonja Gosch aus Suurhusen und Darinka Herrmann aus Emden hatten für Sonntag, 15. Juni 2025, zu einer Kundgebung in der Emder Fußgängerzone Zwischen Beiden Sielen eingeladen. Aber: Es kamen laut Sonja Gosch nicht nur rund 30 Interessierte, sondern auch pöbelnde Jugendliche.

Auf etwa 16 Jahre und jünger schätzt sie die männlichen Jugendlichen, die teilweise vermummt gewesen seien. Der allem Anschein nach Älteste der Gruppe habe Demo-Teilnehmer geschubst und angerempelt. Eine Antifa-Fahne sei zerbrochen, eine andere gestohlen worden. Sie hätten die Polizei gerufen, die schnell da gewesen sei.

Gosch: „Das hat mir schon Angst gemacht“

Polizeisprecher Eduard Dingis bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass ihnen vier Personen gemeldet worden seien, die die Demo stören würden. Sie hätten die Jugendlichen auch noch angetroffen, aber – nach einem Gespräch mit den Demo-Teilnehmenden – keine Anzeige aufgenommen. Es könne noch Anzeige erstattet werden, so Dingis. Sie hätten ja die Personalien der Jugendlichen aufgenommen.

Warum keine Anzeige erstattet wurde, haben wir bei Sonja Gosch nachgefragt. Sie erklärt: Vor Ort habe die Polizei sie gefragt, ob Straftaten begangen worden seien. Das hätten sie so nicht bestätigen können. Es sei eben störend und auch beängstigend gewesen, sagt sie. „Es waren so junge Menschen. Das hat mir schon Angst gemacht“, sagt sie. Die Jüngeren – auf etwa zwölf Jahre schätzt sie sie – hätten den etwa 16-Jährigen angefeuert. War es eine Mutprobe?, fragt sich die Aktivistin.

Video zeigt kurze Szene des Gerangels

In einem Video, das dieser Zeitung vorliegt, sieht man, wie Darinka Herrmann spricht und dann ein Mann durchs Video rennt. „Ich glaube, wir brauchen hier kurz Hilfe“, sagt sie. Die Kamera schwenkt auf eine hektische Szene, die nur Sekundenbruchteile dauert. Erkennbar ist eine kleinere, schwarz vermummte Person, die sich von Demo-Teilnehmern losreißt und wegrennt.

Ob sie noch mal bei der Polizei anrufen wegen der Sache, wollen sie überlegen. Für sie gibt es auch Parallelen zum Angriff auf einen Teilnehmer des Emder Christopher-Street-Days am Vorabend. Ein Mann aus der „Puppy“-Szene war durch Faustschläge verletzt worden, sein Partner zu Boden gestoßen worden. Auch hier soll es sich bei dem Täter um einen sehr jungen Mann gehandelt haben. Ob es sich um dieselbe Person gehandelt hat, ist offen.

Sonja Gosch und Darinka Herrmann organisieren seit fast eineinhalb Jahren – teilweise im Verbund mit dem Verein „Ostfriesland Demokratisch“ (ehemals Emden Demokratisch) – Demonstrationen und Kundgebungen in Emden. Zur ersten Spontan-Demo im Januar 2024 kamen rund 500 Menschen, zur bislang größten in dem Jahr rund 5000 Leute. Zu einer „Wir sind die Brandmauer“-Demo der beiden kamen im Januar 2025 mehr als 1000 Teilnehmer.

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