Tel Aviv Reporterin berichtet live aus Israel: Beim Raketenalarm spricht plötzlich die Mutter aus ihr
Die Kamera läuft, als der Raketenalarm einsetzt. Eine Auslandsreporterin berichtet aus Israel – und gibt einen selten persönlichen Einblick in ihr Leben als Mutter im Krisengebiet.
Ein Raketenalarm unterbricht eine Live-Schalte der Nachrichtensendung von ntv – mitten im Bericht über die angespannte Sicherheitslage in Israel. Die Journalistin vor Ort reagiert professionell, ist aber in Gedanken bei ihrer Familie. Ein Moment, der viel über die Realität des Lebens in einem dauerhaften Spannungsgebiet verrät.
Während die Auslandsreporterin über die aktuelle Situation zwischen Israel und dem Iran berichtet, heulen die Sirenen auf. Die Reporterin steht im Zentrum von Tel Aviv, das Mikrofon in der Hand, die Kamera läuft weiter. Der geplante Beitrag muss abgebrochen werden, die Journalistin informiert die Zuschauer kurz über die Gefahrensituation: „In diesen Minuten hieß es Raketenalarm, wir sollen uns in den Bunker begeben. (...) Und so schnell kann sich das hier ändern. Das ist genau das, was hier passiert.“
Der Raketenalarm durchbricht den Live-Bericht und mit ihm tritt eine andere Realität zutage: die der Mutter in der Reporterin. Als die Moderatorin im Studio fragt, wie Familien in Israel mit solchen Alarmen umgehen, weicht der Blick der Reporterin einen Moment lang von der Kamera ab. Ihre Antwort: „Es gibt viele Familien (...), die ihre Taschen gepackt haben und sich einen öffentlichen Bunker gesucht haben und da jetzt erstmal übernachten. Unter anderem auch meine Kinder mit dem Papa, weil wir bei uns Zuhause nur ein ganz altes Haus haben und da gibt es überhaupt keinen Bunker.“
Auch die Familie der Reporterin hat sich für den Ernstfall eines Raketenangriffs gewappnet: „Ich habe für meine Kinder Wasser eingepackt, etwas zu Essen, natürlich einen Teddybären, eine Decke und Hörspiele und die dürfen heute auch am Handy gucken, so viel sie wollen.
Die Situation in dem Bunker, in dem sich die Familie der Reporterin befindet, sei zu dem Zeitpunkt ruhig gewesen: „Mein Mann hat mir gerade Videos geschickt. Die Stimmung ist bisher gut, auch weil man lange aufbleiben darf und da ganz viele andere Familien und Kinder sind.“ Dennoch vermutet die Reporterin, dass die Kinder oft „nicht so genau verstehen“, was da eigentlich passiert.
Auf die Frage, ob sie mit ihren Kindern über die Gefahr spricht, antwortet sie offen: „Ich mache das nicht. (...) Ich weiß nicht, wie man mit den Kindern über sowas redet. Ich bin oft teilweise selber überfordert.“ Ihr fünfjähriger Sohn stelle Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gebe: „Mama sind das jetzt die Bösen? Ist das Hamas? Ist das der Iran? Töten die uns jetzt? Dramatische Fragen und ich habe keine Ahnung, wie man darauf reagieren soll“, gesteht die Reporterin und Mutter.
Es ist eine spontane Antwort auf die Bedrohungslage aus der Perspektive einer Mutter – und gerade dadurch wird der Zwischenfall zu einem aufschlussreichen Moment. Denn er verdeutlicht, wie stark der Alltag in Israel von der Bedrohung durch Raketen geprägt ist.