Kunstwerk für Ihlower Kita  Wie der Auricher Tim Write fünf Sinne an die Wand bringt

| | 13.06.2025 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Tim Write besprüht derzeit den Aufzugschacht der Ihlower Kita Meerhuuske. Foto: Romuald Banik
Tim Write besprüht derzeit den Aufzugschacht der Ihlower Kita Meerhuuske. Foto: Romuald Banik
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In Ihlow verewigt sich der Auricher Künstler Tim Write mit einem Graffiti an der Kita Meerhuuske. Wie ihm der Spagat zwischen dem Thema Sinne und weiteren Ansprüchen gelingt.

Ihlow - Ein Blumenjunge mit den Füßen im Wasser, eine Toniebox in der Hand und ein Mädchen, dass ein Eis schleckt: So sehen für den Auricher Graffiti-Künstler Tim Write die fünf Sinne aus. In Ihlowerfehn ist er seit Mitte der Woche dabei, an den alten Aufzugschacht der Kindertagesstätte Meerhuuske sein neues Kunstwerk aufzusprühen. Und das hat auch seinen besonderen Hintergrund.

Die Kita ist seit Dezember eine der Schwerpunktkitas im Landkreis Aurich. Als Thema wurden die fünf Sinne gewählt, erklärt Sarah Fleßner, stellvertretende Leiterin der Kita, im Gespräch. Die fünf Sinne spielen ohnehin in der Entwicklungsförderung bei Kindern eine wichtige Rolle. Daher habe sich das Team des Meerhuuske in internen Gesprächen dafür entschieden, diesen Schwerpunkt auszuwählen und zu einer „Kita der Sinne“ zu werden.

Wo „Schnupperhasen“ und „Fühlfüchse“ toben

Seit Monaten tüftelt das pädagogische Fachpersonal aus, wie sich das umsetzen lässt. Auch die Kinder werden beteiligt. Die Gruppen haben neue Namen zum Thema Sinne erhalten. Da gibt es etwa die „Fühlfüchse“ in der Krippe und die „Schnupperhasen“ im Kindergarten.

Was ist eine Schwerpunktkita?

Hinter dem Konzept steckt eine besondere Förderung. Zwei Jahre lang erhalten die Schwerpunktkitas im Landkreis Aurich Geld vom Landkreis. Der hatte die Kitas im Rahmen der Kitavereinbarung überprüft. Vier Kitas in Ihlow wurden besonders ausgezeichnet, darunter auch das Meerhuuske. Die Förderung liegt bei je 20.000 Euro pro Jahr. Die Summe wird laut der Gemeinde Ihlow aufgeteilt in je 15.000 Euro für Personalkosten und 5000 Euro für Sachkosten, die den Einrichtungen zugutekommen sollen. Jede Kita hat sich dabei auch einen eigenen Schwerpunkt gesetzt. Im Ihlowerfehntjer Fall sind es eben die Sinne.

Und wie werden die Sinne jetzt im Alltag als Thema eingebaut? Verschiedene Wahrnehmungsangebote spielen dabei eine Rolle. Schon im Flurbereich gibt es etwa eine „Fühlwand“, wo die Kinder verschiedene Materialien ertasten können. Im Gruppenalltag darf dann auch mit Rasierschaum gematscht oder in Kirschkernen das Spielzeug eingegraben werden. Draußen im Garten hängen am Zaun Instrumente aus Alltagsgegenständen, mit denen die Kinder Musik machen können. Eine Kräuterspirale mit Duftkräutern lädt zum Riechen ein. Im Alltag wird das Thema Sinne regelmäßig eingebunden.

Spaß mit Schleim und Sand

Die Kinder würden so zahlreiche Eindrücke sammeln, die sie verarbeiten müssen, was für die Förderung wichtig ist, erklärt Fleßner. Und die Kinder nähmen das gut an. Schließlich macht das Matschen im selbst gemachten Schleim oder das Zerfallenlassen von Türmen aus kinetischem Sand ja auch Spaß.

Dieser Spaß soll nun auch nach außen sichtbar werden. Damit eben nicht nur die Kinder und Eltern wissen, welche Arbeit hier geleistet wird, hat die Kita Tim Write beauftragt, die alte Farbe am Aufzuchtschacht mit einem Kunstwerk zu überdecken. Das verblichene Rot wird in diesen Tagen Stück für Stück von dem bunten Kunstwerk überdeckt. Tim Write hat dafür versucht, sich in die Perspektive eines Kindes zu versetzen. Denn das Bild soll ja auch für die Kleinen ansprechend sein. „Gar nicht so einfach“, sagt der Auricher im Gespräch. Drei verschiedene Skizzen habe er eingereicht. Und nun darf er sich an dem Schacht der Kita, deren Gebäude mal ein Feuerwehrhaus war, verewigen.

„Ein freundliches nettes Kinderbild, auf meine Art und Weise“, so beschreibt Write die Idee hinter dem Jungen und dem Mädchen, die alle Sinne ansprechen und das Gefühl von Heimat in sich tragen. Der Junge ist so eine Figur, die Kenner von Writes Werken eventuell wiedererkennen. Er soll so eine Art Markenzeichen für Writes Kunst sein. Denn er will noch weiter bekannt werden, über die Grenzen des Landkreises Aurich hinaus. Da ist er auch dankbar, dass er den Auftrag bekommen hat, die Ihlower Kita zu verschönern. Und die Kitakinder? Die freuen sich auch und staunen beim Bringen und Abholen. Immer wieder bleiben die Familien stehen und schauen zu Write hoch, wie er auf seiner Leiter mit den Sprühdosen die Farben verteilt oder die Linien zieht.

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