Nach tödlichem Unfall Auricher Verkehrsausschuss empfiehlt Tempo 30 vor dem Ulricianum
Rund 70 Schüler, Lehrer und Eltern kamen zur Sitzung des Auricher Verkehrsausschusses – und sie hatten eine klare Botschaft für die Politik.
Aurich - Der Verkehrsausschuss hat dem Eilantrag für die Einrichtung einer Tempo-30-Zone vor dem Gymnasium Ulricianum zugestimmt. Er empfiehlt einstimmig, Tempo 30 auf der Bundesstraße vor dem Ulricianum einzurichten. Der Zuschauerbereich war am Donnerstag um 17 Uhr gut besetzt. Rund 70 Menschen waren ins EEZ gekommen, darunter Schüler, Eltern und Lehrer verschiedener Schulen.
Der Grund für das rege Interesse an dieser Sitzung war die Einwohnerfragestunde und ein neuer Tagesordnungspunkt. Dort brachte der Schulelternratsvorsitzende des Gymnasiums Ulricianum Alwin Müller erneut die Forderung nach einer Tempo-30-Zone vor dem Gymnasium zur Sprache. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Eltern eine Lösung für die B72 gefordert, die direkt vor dem Schulgelände verläuft – zweispurig in beiden Richtungen. Damals hieß es, der Schulelternrat sehe dringenden Handlungsbedarf, um die Schüler mehrerer Schulen, die im Schulverkehr dort zu Hunderten unterwegs seien, zu schützen.
2024 erteilte die Verwaltung eine Absage an Tempo-30
Im Oktober 2024 wurde daraufhin im Verkehrsausschuss darüber diskutiert, der Sachverhalt aber an die Verwaltung verwiesen, da diese zuständig ist. Laut der Auricher Stadtverwaltung und der Polizei sei nach mehrmaliger Prüfung kein Bedarf für ein Tempolimit zu erkennen, hieß es damals. Es gebe weder einen Unfallschwerpunkt noch auffällig viele Geschwindigkeitsverstöße. Eine Geschwindigkeitsreduzierung werde keinen Sicherheitsgewinn erzielen, hieß es, da der Verkehrsfluss durch die vielen Ampeln auf dem Abschnitt gebremst sei. Der Ausschuss beschloss einstimmig eine Verkehrszählung, um die Notwendigkeit einer Blitzeranlage gegenüber dem Landkreis begründen zu können.
Durch den tödlichen Unfall am 26. Mai hat die Diskussion nun deutlich an Brisanz gewonnen. Ein 16-jähriger Schüler war morgens beim Überqueren der Fahrbahn an der Ampel Höhe Krähennestergang von einem Lastwagen erfasst worden und gestorben. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Lkw-Fahrer die für ihn rote Ampel übersehen.
Elternrat und Grüne fordern deutliche Maßnahmen
Der tödliche Unfall hatte die Menschen in Aurich und Umgebung schockiert und schwer betroffen gemacht. Die Anteilnahme war groß. Hunderte kamen zur Beisetzung des Schülers am vergangenen Dienstag. Wohl auch dieses schreckliche Ereignis hat die Menschen zu einem Besuch des Verkehrsausschusses mobilisiert. Denn bei dessen Sitzung hatte die Fraktion Bündnis90/Die Grünen den erneuten und mit Dringlichkeit versehenen Antrag des Elternrates des Gymnasiums eingebracht.
Darin fordern die Grünen Tempo 30 auf der Von-Jhering-Straße im Bereich des Gymnasiums Ulricianum und zwar zwischen den Einmündungen des Krähennesterganges und des Extumer Weges. Als Zeitfenster nennt die Fraktion mindestens die Haupt-Schulwegzeiten von 7.30 bis 8.30 Uhr sowie von 12.30 bis 14 Uhr. Unterstützt werden soll die Maßnahme durch Ampeln und/oder digitale Anzeigen.
Im Ausschuss machten die Einwohner deutlich, wie besorgt sie um die Sicherheit der Schüler und Schülerinnen sind. „Welche Anliegen sind wichtiger als die Sicherheit unserer Kinder?“, fragte eine Mutter. Und ein Lehrer des Gymnasiums fragte danach, wann Aurich den Mut aufbringe, konsequent Tempo 30 in sensiblen Bereichen umzusetzen.