Insgesamt 35.000 Jobs weniger Betriebsrat reagiert auf angekündigten Stellenabbau bei VW
Der Personalvorstand von VW hatte sich jüngst damit gerühmt, den Abbau von 20.000 Stellen bereits eingetütet zu haben. Der Betriebsrat rückt die Zahl nun zurecht – in einem internen Schreiben.
Emden/Wolfsburg - Die Pläne sind bekannt: Volkswagen will bis Ende 2030 rund 35.000 von insgesamt 130.000 Stellen abbauen. Das entspricht 27 Prozent der Belegschaft – also mehr als jede vierte Stelle. Doch wer ist wie betroffen? Und wie kommt der Standort Emden mit seinen noch 8000 Mitarbeitern dabei weg?
VW-Personalvorstand Gunnar Kilian hatte bereits Anfang Juni bei einer Betriebsversammlung mitgeteilt, von den geplanten 35.000 abzubauenden Stellen seien bereits 20.000 fest vereinbart. „Rund 20.000 Austritte aus dem Unternehmen bis 2030 sind bereits vertraglich fixiert“, sagte Kilian damals in Wolfsburg. Man sollte dazu wissen: Die Zahl 35.000 bezieht sich auf alle sechs westdeutschen Standorte der Volkswagen AG (inklusive Emden) plus die drei sächsischen VW-Werke plus Osnabrück, also auf alle zehn deutschen VW-Standorte.
Das meiste läuft über Altersteilzeit
Am Donnerstag reagierte nun der Gesamtbetriebsrat in einem internen Schreiben auf die Äußerung des Personalvorstands. Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor. „Was klingen kann, als würden uns plötzlich Heerscharen verlassen, schaut wie folgt aus: Der Löwenanteil läuft wie gewohnt über die beliebte Altersteilzeit (ATZ). Über sie werden nach und nach rund 14.000 der 20.000 aktuell schon beschlossenen Abgänge bis 2030 realisiert“, schreibt der Gesamtbetriebsrat. ATZ mache also fast drei Viertel aus. Besonders die Jahre 2025 bis 2027 seien große ATZ-Hebel für den Vorruhestand. Aber: In den 20.000 seien auch ganz normale Renteneintritte drin. Und zwar fast 5000 bis 2030, also knapp ein Viertel der Gesamtzahl.
Die Tarifeinigung zwischen Konzernspitze sowie IG Metall und Betriebsräten hatte im Dezember vergangenen Jahres den Abbau der genannten 35.000 Stellen festgeschrieben – inklusive einer Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. Es war auch eine Abfindungsregelung vereinbart worden, die aber bislang offenbar nur in einem geringen Umfang angenommen wird. Dazu schreibt der Gesamtbetriebsrat: „Klar in der Minderheit sind die Aufhebungsverträge (AHV), die bisher knapp 1300 Beschäftigte unterschrieben haben – mehr als 700 davon schon im vergangenen Jahr.“ Wichtig sei: Kilians 20.000 würden sich nur auf die VW AG mit ihren sechs westdeutschen Standorten beziehen. Für sie gelte ein Abbauziel von rund 30.000 Stellen (35.000 seien es für alle zehn deutschen VW-Standorte). „Größtenteils läuft der Abbau, wie es VW seit dem Zukunftspakt 2016 macht: über ATZ und Rente“, so der Gesamtbetriebsrat. Ergänzend gebe es Aufhebungsverträge – bisher nur für den indirekten Bereich und laut Kilian frühestens ab Sommer 2026 auch im direkten Bereich.
ID.4 und ID.7 ein Erfolg für Emder Beschäftigte
Für VW Emden bedeutet dies, dass im Prinzip alles nach Plan läuft. Eine genaue Zahl der Altersteilzeiten, der Renteneintritte und der freiwilligen Abgänge in der Verwaltung wollte das Emder Werk auf Nachfrage unserer Redaktion nicht mitteilen. Das ist auch bei anderen Autobauern nicht üblich.
Klar ist aber nun, dass den Kollegen an der Linie erst ab Sommer nächsten Jahres ebenfalls solche Aufhebungsverträge angeboten werden könnten. Wohlgemerkt: könnten. Anders als bei den meisten anderen VW-Standorten ist in Emden nach jetzigem Stand kein Kapazitätsabbau, also keine nennenswerte Reduzierung der Produktionszahlen bekannt. Zum Vergleich: Nach Medienberichten sollen etwa in Wolfsburg pro Jahr 500.000 Autos weniger gebaut werden. In Emden werden der relativ gut laufende vollelektrische SUV ID.4, die ID.7 Limousine und der ID.7 Tourer gebaut. Der ID.7 steht seit Anfang des Jahres bei den in Deutschland neu zugelassenen E-Autos unangefochten auf Platz 1.