Grünes Licht aus dem Sozialausschuss  Neues Personal soll gefährdeten Kindern in Aurich helfen

| | 11.06.2025 15:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Um die Karrieren von kriminellen Jugendlichen zu stoppen, bedarf es klarer und niedrigschwelliger Prävention. Foto: dpa
Um die Karrieren von kriminellen Jugendlichen zu stoppen, bedarf es klarer und niedrigschwelliger Prävention. Foto: dpa
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Zwei Sozialpädagogen sollen sich bald gezielt um Kinder- und Jugendliche kümmern. Der Bedarf ist groß, neue soziale Brennpunkte entstehen. Der Polizei-Chef findet klare Worte.

Aurich - Grünes Licht hat der Ausschuss für Kinder, Jugend und Soziales für die finanzielle Unterstützung des Vereins Prävention für Aurich - kurz „Pfau“ – gegeben. In ihrer Sitzung am Dienstagabend stimmten die Politiker parteiübergreifend und einstimmig der Beschlussvorlage zu und machten damit den Weg frei für mehr Prävention in der Stadt. Jährlich sollen nun 90.000 Euro in den Haushalt der Stadt eingestellt werden. Sie dienen als Defizitausgleich, falls geplante Fördergelder entfallen oder nicht akquiriert werden können. Mit dem Budget will der Präventionsverein zwei Stellen für Sozialpädagogen schaffen, die gezielt und außerhalb des Schulkontextes mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.

Kinder stärken, Straftaten verhindern

Wie notwendig diese Präventionsarbeit ist, und zwar auf vielen Ebenen, veranschaulichte der der Abstimmung vorangegangene Appell von Stefan Zwerg, Leiter der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund und 2. Vorsitzender des „Pfau“. „Wir wollen Kinder stark machen und ich sehe derzeit in der Stadt Aurich keine Institution, die das gezielt in die Hand nimmt“, sagte Zwerg. Der Polizeichef wies die Ausschussmitglieder eindringlich auf die Notwendigkeit einer neu aufgestellten und intensiveren Prävention im Bereich der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden hin.

Totales Versagen bei Intensivtätern

„In den vergangenen zwei bis drei Jahren haben wir vor allem im Stadtgebiet Aurich eine bedenkliche Entwicklung beobachtet“, so Zwerg und meinte damit die steigenden Zahlen jugendlicher Straftäter. 30 Prozent aller aufgeklärter Straftaten gingen aktuell auf das Konto von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden, so der Inspektions-Leiter. Im Jahr 2024 seien Strafverfahren gegen 337 Jugendliche eingeleitet worden. „Und das ist nur das Hellfeld“, so Zwerg und meint damit die Straftaten, die zur Anzeige gebracht wurden.

Die Polizeiinspektion Aurich verzeichnete eine steigende Zahl straffälliger Jugendlicher. Der Präventionsverein „Pfau“ will nun gezielt gegensteuern. Foto: dpa
Die Polizeiinspektion Aurich verzeichnete eine steigende Zahl straffälliger Jugendlicher. Der Präventionsverein „Pfau“ will nun gezielt gegensteuern. Foto: dpa

Unter den jungen Straftätern befänden sich oftmals Intensivtäter, wie bei der größeren Gruppierung von jugendlichen Straftätern, die 2023 hochgenommen worden sei, nachdem sie monatelang in der Innenstadt ihr Unwesen getrieben hatte. Sechs Jugendliche kamen damals in Untersuchungshaft. Für diese Altersgruppe laut Zwerg ein eher untypisches Vorgehen, aber eines, das zeige, welches Ausmaß das Problem der Jugendkriminalität rasch annehmen könne. Und es zeige, dass schon viel früher angesetzt werden müsse. „Diese Intensivtäterkarrieren hätten verhindert werden können“, ist Zwerg sicher und weiter: „Das war totales Versagen.“

Das ist geplant

Im vergangenen Jahr stand der Verein Prävention für Aurich e. V. noch vorstandslos da und blickte der Auflösung entgegen. Doch der Anstieg der Jugend- und Gewaltkriminalität in Aurich hat die Verantwortlichen bei der Stadt, der Polizei und aus Vereinen und Verbänden wieder an einen Tisch gebracht. Ende Januar 2025 wurde ein neuer Vorstand gewählt. Der Pfau will sich durch Spenden und Fördergelder finanzieren, vielfältige Projekte und Initiativen ehrenamtlich leisten. Für einige Projekte, wie die gezielte Kriminalitätsprävention, sei es aber erforderlich, Sozialpädagogen und damit Fachkräfte unbefristet einzustellen, heißt es in der Beschlussvorlage. Die entstehenden Personalkosten sollen über Fördergelder gedeckt werden. Werden Fördergelder nicht bewilligt, springt die Stadt Aurich mit maximal 90.000 Euro pro Jahr ein.

Gefahren aus dem Internet

Neben der Kriminalitätsprävention nimmt der Pfau noch weitere Themen in den Fokus, die die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gefährden und beeinflussen, darunter die Gefahren, die vom Internet ausgehen könnten. Schon Kinder seien online mit Mobbing, Datenklau, Falschinformationen, Trollen, Sexting, Internetpornografie oder KI-Fallen konfrontiert. Deshalb müsse es aus seiner Sicht in Aurich Experten geben, die schon in Grundschulklassen gehen können, um über die Algorithmen, die Gefahren und Schutzmöglichkeiten zu sprechen. „Wir bringen Kindern seit Jahrzehnten bei, wie sie sich möglichst sicher im Verkehr bewegen. Aber wer zeigt ihnen eigentlich, wie sie sich im Internet sicher bewegen können?“, fragte Zwerg. Hinzu kämen die Präventionsfelder Cannabis und Alkohol, psychische Erkrankungen, häusliche Gewalt und politische Radikalisierung.

Neue Brennpunkte erfordern neue Konzepte

Während sich die Politik in der vergangenen Sitzung des Sozialausschusses Mitte Mai noch skeptisch gezeigt hatte, war davon in der Sitzung am Dienstagabend nur noch wenig zu spüren. Fragen aus den Reihen der Politiker beantwortete Stefan Zwerg im direkten Gespräch. So hinterfragte die CDU-/FDP-Gruppe im Ausschuss erneut die Notwendigkeit des zusätzlichen Personals. Immerhin gäbe es über 30 Institutionen in der Stadt, die sich der Sache verschrieben hätten, wie dem Weißen Ring, die Drogenberatung oder die Malteser und Awo. „Pfau“-Vorsitzender Zwerg betonte vor allem den Bedarf hinsichtlich der Kriminalitätsprävention, die werde bislang von keiner Einrichtung wahrgenommen. „Derzeit bilden sich in einigen Auricher Stadtteilen neue Brennpunkte“, sagte er. Man müsse jetzt investieren, um diese Entwicklung zu stoppen.

Der Präventionsverein „Pfau“ will auch die Gefahren des Internets ins Visier nehmen und Kinder und Jugendliche bestmöglich darüber aufklären. Foto: dpa
Der Präventionsverein „Pfau“ will auch die Gefahren des Internets ins Visier nehmen und Kinder und Jugendliche bestmöglich darüber aufklären. Foto: dpa

Die SPD brachte zudem die Frage nach der Kooperation mit Beratungslehrern der Schulen ins Gespräch. „Uns ist es wichtig, dass das Angebot vom Schulkontext losgelöst ist“, so Zwerg. Auf diese Weise solle das Präventionsangebot für die Kinder und Jugendlichen möglichst niedrigschwellig und offen sein.

Mit kleinen Änderungen, wie unter anderem eine jährliche Evaluierung der Arbeit des „Pfau“, passierte die Vorlage den Sozialausschuss und steht nun in der Ratssitzung am Donnerstag, 19 Juni, zur endgültigen Entscheidung.

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