Hannover  Medizinische Hochschule in Osnabrück? Land ist skeptisch – und will kein Geld beisteuern

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 11.06.2025 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Stadt und Landkreis Osnabrück planen eine neue medizinische Hochschule. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und Landrätin Anna Kebschull stellten die Pläne am Dienstag in einer Pressekonferenz vor. Foto: Benjamin Beutler
Stadt und Landkreis Osnabrück planen eine neue medizinische Hochschule. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und Landrätin Anna Kebschull stellten die Pläne am Dienstag in einer Pressekonferenz vor. Foto: Benjamin Beutler
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Für die geplante Medizinische Hochschule in Osnabrück wird das zuständige Wissenschaftsministerium kein Geld geben. Aber wird die Hochschule vom Land überhaupt anerkannt?

Ärzte werden in der Region dringend gebraucht: Bis 2035 wird hier fast jeder zweite Hausarzt wegfallen, prognostiziert die Robert-Bosch-Stiftung. Über Jahrzehnte hoffte man in Osnabrück, dass das Land an der Osnabrücker Universität einen Medizinstudiengang einrichten würde. Nun hat die Geduld ein Ende: Stadt und Landkreis wollen gemeinsam kurzerhand selbst eine Hochschule für Medizin in Osnabrück (HMO) gründen.

Das sei ein „ambitioniertes, ressourcenintensives Vorhaben“, staunt man im niedersächsischen Wissenschaftsministerium. „Die Beteiligten in Osnabrück werden dies aus eigenen Mitteln leisten müssen“, stellt Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) klar. Mindestens zehn Millionen Euro wollen Stadt und Landkreis dafür in die Hand nehmen.

„Grundsätzlich spricht nichts dagegen, weitere Studiengänge anzubieten“, kommentierte eine Sprecherin des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums das Vorhaben auf Nachfrage zurückhaltend. „Aber so einfach ist das nicht.“

Das Ministerium habe aber gerade erst in Oldenburg mit viel Aufwand und 125 Millionen Euro für die kommenden Jahre 200 zusätzliche Medizin-Studienplätze geschaffen, erinnert das Wissenschaftsministerium auf Nachfrage. Zudem könne man in Hannover und Göttingen Medizin studieren.

Einen Medizinstudiengang in Osnabrück hält das Wissenschaftsministerium deshalb nicht für notwendig – und verweist mit Blick auf die Sorgen von Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) vor fehlenden Hausärzten auf seine Erfolge bei der Landarztquote.

In der Landesregierung ist man zudem skeptisch, ob das „ambitionierte, ressourcenintensive“ Vorhaben wirklich klappt. Die Gründung einer Hochschule sei ein hochkomplexes Unterfangen, hieß es dazu auch aus der Staatskanzlei. „Man unterschätzt das, da hängt eine ganze Menge dran“, warnt Regierungssprecherin Anke Pörksen. „Das ist ein dickes Brett, dass die da in Osnabrück bohren müssen.“ Dabei werde man die Region nach Kräften unterstützen. Ausgemacht sei die Sache aber noch nicht.

Denn am Ende müsste die Medizinische Hochschule in Osnabrück vom Wissenschaftsministerium auch anerkannt werden. Das Curriculum in Osnabrück müsste komplett neu aufgebaut werden. „Wir warten man ab, wie sich das jetzt in den nächsten Jahren gestaltet“, hieß es von einer Sprecherin des Hauses. „Noch liegt uns ja nichts vor, das geprüft werden könnte.“ In der Bewertung folge man einem unabhängigen Gutachten, hieß es aus dem Wissenschaftsministerium.

Ob die Prüfung wirklich wie von Stadt und Landkreis geplant bis 2027 abgeschlossen sein kann, hält man im Wissenschaftsministerium für „schwer einschätzbar“. Das Ziel werde aber nicht an der Anerkennung durch das Land scheitern, verspricht die Staatskanzlei.

Die Universität und die Hochschule Osnabrück haben bereits ihre Unterstützung beim Aufbau der Medizinischen Hochschule zugesagt. „Uni und Hochschule haben bereits gut ausgebaute Strukturen wie Hörsäle, Laboratorien und Bibliotheken, auf die dann auch die medizinische Fakultät zugreifen könnte“, erklärt Landrätin Anna Kebschull (Grüne).

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