Osnabrück  Eugen Block will Enkel sehen – Anwalt: Antrag dient allein der PR

Michael Clasen
|
Von Michael Clasen
| 08.06.2025 08:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eugen Block mit seiner Tochter Christina Block. Foto: IMAGO/BREUEL-BILD
Eugen Block mit seiner Tochter Christina Block. Foto: IMAGO/BREUEL-BILD
Artikel teilen:

Wenige Wochen vor dem Prozess gegen Christina Block wegen des Verdachts der Kindesentführung drängt Eugen Block, 84, seine Enkel wiederzusehen. Was der Anwalt der Opferfamilie von Stephan Hensel in dem Sorgerechtsdrama dazu sagt, bringt brisante Informationen zutage.

In dem langjährigen Sorgerechtsstreit um die Kinder von Block-House-Erbin Christina Block hat sich Eugen Block an ein dänisches Familiengericht gewandt, um ein Besuchsrecht für zwei seiner Enkelkinder zu erlangen.

Der Gründer der Steakhaus-Kette Block House und des Fünf-Sterne-Hotels Grand Elysée Hamburg appelliert an das Familiengericht, ihm den Umgang zu ermöglichen, da er aufgrund seines Alters möglicherweise nicht mehr viel Zeit hat, seine Enkelkinder zu sehen.

Wenige Tage zuvor hatte sich der 84-Jährige in einem emotionalen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. Viele würden ihn kennen, „als Gründer der Block Gruppe, als Unternehmer mit Herz und klaren Werten. Heute schreibe ich als Großvater. Und als Mensch, dem mit das Liebste genommen wurde: seine Enkelkinder“, heißt es in dem Brief. Er schreibe, weil er „oft um meine Enkel weine“.

Blocks Vorstoß erfolgt wenige Wochen vor dem Beginn des Prozesses gegen Christina Block und sechs weitere Beschuldigte vor dem Landgericht Hamburg. Die Block-House-Erbin wird von der Staatsanwaltschaft der schweren Entziehung Minderjähriger in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung beschuldigt.

Es wird ihr laut Anklageschrift vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden eigenen Kinder in der Neujahrsnacht von 2023 auf 2024 in Dänemark geplant und in Auftrag gegeben zu haben. Christina Block weist die Vorwürfe zurück und beschuldigt stattdessen über ihren Rechtsanwalt die Großmutter der Kinder, Christa Block. Die Ehefrau von Eugen Block war im Juli 2023 im Alter von 82 Jahren gestorben, also fast ein halbes Jahr vor der Entführung. 

Vor Gericht verantworten müssen sich auch der Lebensgefährte von Christina Block, der frühere ARD-Sportmoderator Gerhard Delling sowie ein enger Vertrauter von Firmenpatriarch Eugen Block.   

Gerd Uecker, der Anwalt von Christina Blocks Ex-Ehemann Stephan Hensel, stuft die Erfolgsaussichten für Eugen Block als gering ein. „Der Großvater appelliert an ein zwischenmenschliches Verständnis, dass Großeltern ihre Enkelkinder sehen dürfen. Das dürfte jeder auch verstehen. Eugen Block übersieht dabei aber die schreckliche Realität“, sagt der Familienrechtler.

Die beiden Kinder hielten sich aus Sicherheitsgründen weiterhin an einem unbekannten Ort auf und seien in einem Opferschutzprogramm der dänischen Behörden. „Der Junge und das Mädchen befinden sich in psychotherapeutischen Behandlung. Sie sind durch die furchtbare Entführung weiterhin traumatisiert“, erklärte Uecker. Die Kinder wollten ohnehin weder die Mutter noch den Großvater sehen.

„Herr Block weiß, dass die Anschrift der Kinder nicht bekannt gegeben werden kann, weil sie nach wie vor wegen ihrer hohen Gefährdung anonym an einem unbekannten Ort wohnen. Der Antrag dient daher allein der PR. Es geht nicht um die Kinder“, erklärte Uecker. „Herr Block soll übrigens die Kinder nach deren Entführung nach Hamburg nicht ein einziges Mal im Haus ihrer Mutter, seiner Tochter Christina, besucht haben. Angebliche Weihnachtspakete sind den Kindern über Detektive überbracht worden, deren Aufgabe darin bestand, das Haus der Familie Hensel auszuspähen“, erklärte der Rechtsanwalt.

Er vermute, dass die Blockfamilie eine erneute PR-Kampagne lostreten möchte, um im Zusammenhang mit dem Strafprozess Stimmung zugunsten der Angeklagten zu machen. „Die Opfer sind aber die Kinder, Stephan Hensel und seine Familie“, so der Rechtsanwalt. „Es ist kaum vorstellbar, was der zusammengeschlagene und von den Tätern gewaltsam am Boden festgehaltene Vater psychisch erlitten hat, als er im Augenwinkel miterleben musste, wie seine um Hilfe schreienden Kinder entführt wurden. Auch der durch Veröffentlichungen und der durch zahllose gerichtliche Verfahren auf die Familie Hensel durch die übermächtigen Blocks ausgeübter Druck ist nur schwer vorstellbar. Die Familie Hensel hat diesem Druck bis heute widerstanden, weil es ihnen um das Wohl der Kinder geht”, sagte Uecker. 

Eugen Block wollte sich auf Anfrage nicht zu den Vorgängen weiter äußern. 

Erst im Mai hatte das Amtsgericht Sonderburg Hensel das alleinige elterliche Sorgerecht für die 14-jährige Tochter und den elfjährigen Sohn zugesprochen. Die Erbin der berühmten Steakhaus-Kette „Block House“ soll keinen Kontakt zu den beiden Kindern haben. Gegen die Entscheidung kann Christina Block in Berufung gehen. 

Ähnliche Artikel