Schleswig Entsetzen in Kleingartenkolonie: Verwahrloste Kaninchen und Tauben aus Laube gerettet
Dunkel, dreckig, stinkend: In einer völlig heruntergekommenen Kleingartenlaube in Schleswig sind mehrere verhungerte oder auch verwahrloste Kaninchen und Tauben gefunden worden. Der Tierschutzverein reagiert entsetzt – wundert sich allerdings nicht.
Es dauert einen Moment, bis Yvonne Wiegers-von Wegner die richtigen Worte findet. Dann aber sagt sie diesen Satz gleich zweimal: „Das ist einfach nur krank!“ Was die Vorsitzende des Schleswiger Tierschutzvereins damit meint? Kürzlich haben sie und ihre Mitstreiter vom Schleswiger Tierheim so dermaßen verwahrloste und teils bereits tote Kaninchen und Tauben aufgefunden, dass sie mit dem Kopfschütteln eigentlich gar nicht mehr aufhören konnten.
Gemeinsam mit Polizei und Kreis-Veterinäramt waren sie, nachdem eine Passantin Alarm geschlagen hatte, in eine Schleswiger Kleingartenkolonie gerufen worden. Dort, in der hintersten Ecke, steht eine ungepflegte und heruntergekommene Laube, die nun in ihrem Innern ein echtes Drama offenbarte. „Es war unvorstellbar. Dort lagen kreuz und quer überall Käfige, als ob sie jemand einfach nur hineingeworfen hatte“, erzählt die erfahrene Tierschützerin. In manchen seien Kaninchen oder Tauben gewesen, auch mehrere Kadaver habe man gefunden, teils zwischen den Käfigen eingeklemmt.
„Man kann sich gar nicht vorstellen, wie schlimm das aussah und wie beißend es in der Hütte gerochen hat“, sagt Yvonne Wiegers-von Wegner und spricht von einer „Mischung aus Kot, Staub und Verwesung“. Noch etliche Stunden später, als sie wieder zu Hause war, habe sie Atemprobleme gehabt. Dass in der Laube überhaupt noch lebende Tiere gewesen seien, grenze an ein Wunder. „Es gab weder frisches Wasser noch Futter, stattdessen waren die Käfige teilweise mehr als Dreiviertel hoch gefüllt mit Mist und ohne echte Kraftanstrengungen gar nicht mehr zu öffnen.“
Am Ende konnten die Tierschützer immerhin eine Taube und sechs Kaninchen retten, von denen zwei Weibchen trächtig waren. Das Problem: Sie waren so krank, wiesen Augenentzündungen und Darmparasiten auf, dass man sie dringend behandeln musste. Bei den trächtigen Kaninchen aber ging das erst, nachdem sie im Tierheim ihren Nachwuchs bekommen hatten.
Dort sind die Alttiere und die dazugekommenen insgesamt acht Kaninchenjungen noch immer, werden behandelt, gepflegt und möglichst steril gehalten. Erst wenn sie zu 100 Prozent gesund sind, können sie an neue Besitzer vermittelt werden.
Was Yvonne Wiegers-von Wegner bei dieser Geschichte besonders schockt: Der Halter sei für sie und ihre Kollegen ein „alter Bekannter“. Schon in der Vergangenheit habe man ihm wegen „extrem schlechter Tierhaltung“ Kaninchen wegnehmen müssen. Nun werde erneut gegen ihn ermittelt. „Ich kann solche Menschen nicht verstehen. Offenbar muss da jemand über Jahre immer wieder seine tierquälerischen Gelüste befriedigen“, vermutet sie und sagt dann noch einmal diesen Satz: „Das ist einfach nur krank!“
Kaum hat sie das ausgesprochen, kommt eine Mitarbeiterin des Tierheims zu der Vereinsvorsitzenden. Man müsse schnell los. Eine Katze und zwei aggressive Hunde müssten abgeholt werden. „Aus schlechter Haltung“, wie es heißt. „Es ist unfassbar“, sagt Yvonne Wiegers-von Wegner. Trauriger, aber normaler Alltag in der Einrichtung am Schleswiger Ratsteich.