Osnabrück  Wohnmobil für unter 60.000 Euro: Lohnt sich der Maxus-Camper „made in China“?

Matti Gerstenlauer
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Von Matti Gerstenlauer
| 10.06.2025 07:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wir zeigen, wie der Maxus-Camper im Vergleich zu anderen Modellen abschneidet. Foto: IMAGO/Sebastian Geisler
Wir zeigen, wie der Maxus-Camper im Vergleich zu anderen Modellen abschneidet. Foto: IMAGO/Sebastian Geisler
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Kann ein Camper für weniger als 60.000 Euro mit europäischen Marken mithalten? Der SAIC Maxus RV 9 punktet mit Preis und Ausstattung – doch wo sind die Haken?

Der SAIC Maxus RV 9 sorgt für Aufsehen: Mit einem Einstiegspreis von 59.900 Euro tritt der chinesische Campervan gegen etablierte europäische Marken wie Hymer, Bürstner oder Sunlight an. Doch kann ein Kastenwagen aus China in puncto Qualität, Ausstattung und Fahrkomfort mithalten und eine echte Alternative für preisbewusste Camper sein?

Mit 59.900 Euro ist der Maxus RV 9 deutlich günstiger als viele europäische Konkurrenten, deren Preise oft bei 70.000 Euro starten. Der Camper basiert auf dem Maxus Deliver 9, einem 5,94 Meter langen Kastenwagen mit einem 2,0-Liter-Turbodieselmotor.

Bemerkenswert ist hierbei laut den Wohnmobil-Experten von „Promobil“ die Serienausstattung: In Serie bekommen die Maxus-Mobile ein Smart-TV, eine Lithium-Batterie und ein Hochdach-Feature, die bei Modellen wie dem Sunlight Cliff oder Chausson Twist in dieser Preisklasse oft Aufpreise kosten würden. Wer es autark mag, sei mit der gasfreien Induktionsküche ebenfalls gut beraten, beschreibt die Fachzeitschrift „Reisemobil International“.

Doch wie steht es um die Verarbeitung? Die Sorge um die Qualität chinesischer Produkte ist weit verbreitet, doch die Einrichtung des RV 9 zeigt sich laut „Reisemobil International“ robust. Das bestätigt auch Karl Schlössl von „La Marca Wohnmobile“ auf Nachfrage: „Die Möbel sind solide verarbeitet und zeigen auch auf schlechten Straßen keine Klappergeräusche“. Besonders die Luxury-Version mit Hochglanz-Carbon-Look, Klimaanlage, Notbremsassistent und Spurhalteassistenten sei überzeugend.

Dennoch bemängeln die Experten von „Reisemobil International“, dass der Wohnraum im hinteren Bereich, insbesondere bei Betten und Bad, beengt wirkt. Frühe Prototypen hätten zudem scharfe Kanten an Schrankklappen und einen chemischen Geruch der Matratzen aufgewiesen.

Dazu erklärt Schlössl: „Die Materialien wurden getauscht und die Matratzen sind nun auch auf europäische Maße angepasst.“ Langzeiterfahrungen aus Australien, wo der RV 9 unter harten Bedingungen getestet wurde, deuten laut Schlössl auf gute Haltbarkeit hin.

Aber wie fährt sich das Wohnmobil „made in China“? Der 2,0-Liter-Diesel des RV 9 hat Schwächen: Tester der „Autozeitung“ kritisieren eine Durchzugsschwäche bei niedrigen Drehzahlen und ein knochiges Schaltgetriebe, was im Vergleich zu europäischen Modellen wie dem Fiat Ducato mit 9-Gang-Automatik spürbar sei.

Eine 8-Gang-Automatik ist für das erste Quartal 2026 geplant. Diese soll laut Schlössl den Fahrkomfort verbessern. Bis dahin könnte das manuelle Getriebe ein Nachteil sein, auch wenn ein „POWER Boost“-Fahrprogramm die Kritik mildert.

Die Wohnmobilexperten von „Promobil“ sehen im RV 9 viel Potenzial, eine starke Alternative zu Einsteigermodellen wie dem Sunlight Cliff zu werden, besonders für Kurzreisen und autarkes Camping. Die serienmäßige Technik macht ihn für preisbewusste Camper attraktiv, doch für Langzeitreisen könnten die eingeschränkte Raumaufteilung und die noch geringe Markenbekanntheit abschrecken.

Die Tester von „CamperVans Magazin“ betonen indes, dass das wachsende Händlernetz mit fast 500 Maxus-Partnern und Kooperationen mit großen Autovermietungen die Wartung erleichtert. Den Wiederverkaufswert schätzt Händler Schlössl zudem optimistisch ein: „Der Secondhand-Preis wird sich im europäischen Markt sehr schnell nach oben orientieren.“ Letzten Endes kommt es allerdings immer auf die individuellen Umstände an, ob sich der Camper „made in China“ für die eigenen Campingausflüge lohnt.