Schulentwicklung  Nordens Innenstadt-Grundschulen am Limit

| | 05.06.2025 10:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nirgendwo in Norden gehen so viele Grundschüler zur Schule wie in der Grundschule Im Spiet. Foto: Rebecca Kresse
Nirgendwo in Norden gehen so viele Grundschüler zur Schule wie in der Grundschule Im Spiet. Foto: Rebecca Kresse
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Die Innenstadt-Grundschulen in Norden sind überlastet. Neue Baugebiete verschärfen die Lage. Die Stadt sucht dringend nach Lösungen, schließt Schulschließungen aber aus.

Norden - Rund drei Viertel aller Grundschüler in Norden werden an den beiden Innenstadt-Grundschulen Lintel und Im Spiet unterrichtet. Das restliche Viertel teilt sich auf die drei Grundschulen in Süderneuland, Norddeich und Leybuchtpolder auf. Wegen neuer Baugebiete kommen auf die beiden großen Schulen künftig noch mehr Schüler und damit eine noch größere Belastung zu. Die Stadt sucht jetzt nach Wegen, die Innenstadtschulen zu entlasten, schließt aber gleichzeitig Schulschließungen aus.

Wie berichtet, sind in Norden zurzeit 907 Schüler auf 47 Klassen verteilt. Im Schnitt beträgt die Klassenstärke 19,23 Schüler. In der Realität sitzen in der Spietschule aber rund 21 Kinder in jeder Klasse, in Leybuchtpolder aber nur elf.

Klientel verschärft die Lage zusätzlich

Nico de Vries, Leiter des Fachdienstes Jugend, Schule, Sport und Kultur, betonte in einer öffentlichen Ausschusssitzung: Neben den reinen Schülerzahlen gibt es einen weiteren Grund für die übermäßige Belastung der beiden Innenstadtgrundschulen. So hätten die Grundschule Im Spiet und die Grundschule Lintel eine andere Klientel, als die übrigen Grundschulen der Stadt, sagte de Vries. Diese seien eher ländlich geprägt, mit einem Einzugsgebiet mit vielen Einfamilienhäusern und häufig landwirtschaftlicher Nutzung. Im Gegensatz zum Spiet und Lintel: Hier sind die Einzugsgebiete städtischer Natur, teils mit Wohnblöcken – und mit den sozialen Brennpunkten der Stadt, so de Vries.

Die Folge: In den beiden großen, innerstädtischen Grundschulen gebe es mehr Schüler mit Förderbedarf als in den ländlich Schulen. Das in Verbindung mit den hohen Schülerzahlen führe zu einer besonders starken Belastung für Lehrkräfte und pädagogisches Personal, sagte de Vries.

Die Grundschule Lintel zählt gemeinsam mit ihrer Außenstelle Wiesenweg zur größten Grundschule in Norden. Foto: Rebecca Kresse
Die Grundschule Lintel zählt gemeinsam mit ihrer Außenstelle Wiesenweg zur größten Grundschule in Norden. Foto: Rebecca Kresse

Baugebiete bringen noch mehr Kinder

Und als wäre das nicht alles genug, zeigt die Zukunft ein keinesfalls besseres Bild. Neubaugebiete im Bereich der innerstädtischen Grundschulen werden noch mehr Schüler in diese Schulen spülen. Allein im derzeit begonnenen Neubaugebiet südlich der Hamburger Straße werden nach Angaben der Stadt künftig rund 180 Menschen wohnen – ein Teil davon schulpflichtige Kinder. Anders als in einem normalen Entwicklungszeitraum für Geburten werden die dortigen Kinder mit Fertigstellung des Baugebietes alle auf einmal in das Gebiet drängen und damit auch in die Grundschule Im Spiet. Schon jetzt sind die Jahrgänge in dieser Grundschule mindestens dreizügig, meist vierzügig. Zusätzliche Räume stehen bisher nicht zur Verfügung.

Trotz der wie bereits berichtet ungleichen Verteilung der Schüler, schließt die Stadt Norden derzeit allerdings eine Schließung der kleineren Grundschulen aus. So ist es zumindest in der Beschlussvorlage der Verwaltung zu lesen. Dabei gibt es bei manchen Schulen auch noch grundsätzliche Probleme mit dem baulichen Zustand der Gebäude. Die Grundschule Süderneuland soll deshalb durch einen Neubau ersetzt werden. Aber auch der Zustand der Grundschule Norddeich wird von der Stadt als „nicht zukunftsfähig“ eingestuft. Auch dort sei ein Ersatzneubau notwendig. Angesichts der geringen Schülerzahlen dürfte das allerdings nur schwer vermittelbar sein. Weil es keine Möglichkeit für eine Mittagessenausgabe gibt, führt das verpflichtende Ganztagsangebot ab 2026/2027 laut de Vries ebenfalls zu Problemen – an zwei der fünf Grundschulen – Leybuchtpolder und Norddeich lasse sich das Angebot nicht umsetzen.

Jetzt wollen die Ausschussmitglieder Maßnahmen erarbeiten, um eine ausgewogenere Verteilung der Schüler zu erreichen. Wie genau das geschehen soll, ist derzeit noch unklar. Eine Möglichkeit sehen die Politiker in der Veränderung der Schuleinzugsgebiete. Ob das allerdings die Lösung sein kann, muss sich zeigen. Der Grund nämlich, warum die kleineren Schulen derzeit nicht geschlossen werden sollen, sind die dann längeren Schulwege, wenn Kinder aus ländlichen Gebieten in die Stadt Norden fahren müssten. Wenn aber durch veränderte Schuleinzugsgebiete künftig innerstädtische Kinder zu den Kleinstschulen fahren müssten, nur um diese zu erhalten und die beiden großen Schulen zu entlasten, würde das Argument nicht greifen. Vielleicht – auch darüber wird in der Politik debattiert – muss auch eine weitere innerstädtische Grundschule her.

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