Hannover  Exzellenz-Coup im Norden? Diese Uni-Allianz will Hannover ausstechen

Stefan Idel
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Von Stefan Idel
| 05.06.2025 08:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit „Hearing4All” und „NaviSense” bringt die Universität Oldenburg zwei erfolgreiche Exzellenz-Cluster in die geplante Allianz mit Bremen ein. Foto: Sina Schuldt/dpa
Mit „Hearing4All” und „NaviSense” bringt die Universität Oldenburg zwei erfolgreiche Exzellenz-Cluster in die geplante Allianz mit Bremen ein. Foto: Sina Schuldt/dpa
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Zehn Exzellenz-Universitäten gibt es in Deutschland. Fünf sollen voraussichtlich 2027 dazu kommen. Die Unis Oldenburg und Bremen geben eine gemeinsame Bewerbung ab. Dafür gibt es gute Gründe.

Es ist der erklärte Wunsch von Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD): Niedersachsen soll ab 2027 eine Exzellenz-Universität bekommen. Gute Karten, einen der voraussichtlich 15 bundesweiten Plätze zu bekommen, hat die Universität Oldenburg.

Die Hochschule hat kürzlich alle drei eingereichten Anträge für sogenannte Exzellenz-Cluster erfolgreich durchs Ziel gebracht. Vom „Jackpot“ war im Haus von Minister Mohrs die Rede. Den Weg zur Exzellenz-Universität wollen die Oldenburger gemeinsam mit der Universität Bremen gehen.

Dafür gibt es gute Gründe.

Als einzige Uni im Norden hatte die Universität Bremen den Titel Exzellenz-Universität bereits zwischen 2012 bis 2019 inne. Unter den bundesweit 70 Exzellenz-Clustern, die von Beginn nächsten Jahres gefördert werden, sind zwei Bremer.

Erstens: das Projekt „Ocean Floor“. Erforscht wird der Ozeanboden als eine Schnittstelle, die weitreichende Funktionen für das gesamte Erdsystem bildet. Dem Forschungsverbund gehört auch das Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) an der Uni Oldenburg an.

Zweites Cluster: die Mars-Perspektive. Die Ressourcenknappheit und extremen Rahmenbedingungen auf dem roten Planeten dienen als experimentelles Setting, um ein neues Paradigma der Nachhaltigkeit zu entwickeln, das innovative ressourcen- und energieschonende Prozesse der Materialgewinnung und -verarbeitung ermöglicht. Oldenburg bringt zudem die Cluster „Hearing4All“ (Hörforschung) und das Tiernavigation-Forschungsprojekt „NaviSense“ in die „Ehe“ ein.

„Es gibt viele Brücken zwischen Oldenburg und Bremen“, sagt die Bremer Uni-Rektorin Prof. Jutta Günther. Es gebe eine lange Tradition der Kooperation, die formell 2006 besiegelt wurde. Die Gremien stimmen sich eng ab.

Auch gebe es keine doppelten Berufungen, beispielsweise im Bereich Meeresforschung. Oldenburgs Uni-Präsident Prof. Dr. Ralph Bruder verweist auf die enge Zusammenarbeit der Partner mit der Universität Groningen (Niederlande). Im Rennen um den akademischen Ritterschlag „Exzellenz-Universität“ werde Oldenburg/Bremen der einzige Verbund sein, der zwei Bundesländer, aber auch zwei Staaten miteinander verbindet.

„Die Niederländer forschen und lehren auf sehr hohem Niveau“, lobt Günther die Allianz. Als Bremen Exzellenz-Universität war, sei die Internationalität vorangetrieben worden. Außerdem wurden Servicestellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs implementiert, etwa das „Bremen Early Career Researcher Development – BYRD“.

Minister Mohrs sagt zu, die Bewerbung aus dem Nordwesten politisch zu unterstützen. Wichtig sei, dass die Universitäten die gewachsene Struktur der Zusammenarbeit plausibel darlegen und nicht als „Beute-Gemeinschaft“ auftreten.

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und die Leibniz Universität Hannover (LUH) hatten sich vor acht Jahren gemeinsam um den Titel Exzellenz-Universität bemüht, aber die Gutachter nicht überzeugen können.

„Diesmal werden wir getrennt an den Start gehen“, sagt MHH-Präsidentin Prof. Dr. Denise Hilfiker-Kleiner auf Anfrage. LUH-Präsident Volker Epping erklärt, seinerzeit habe seine Hochschule sich sehr „verbiegen“ müssen – etwa beim Thema Gesundheit.

Zukunftskonzepte müssten die Unis zuerst für sich machen. Zusammen mit der Tierärztlichen Hochschule hätten die Universitäten in der Landeshauptstadt aber ein riesiges Potenzial. Hilfiker-Kleiner kann sich auch ein Dreieck mit den Hochschulen in Braunschweig und Göttingen vorstellen.

Wie Uni-Rektorin Günther im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt, wollen die Universitäten Bremen und Oldenburg Ende Juni eine Absichtserklärung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) abgeben. Der offizielle Antrag für die Exzellenz-Universität muss im November eingereicht werden.

Die Entscheidung über neue Exzellenz-Universitäten soll im September 2026 verkündet werden. Das werde kein einfacher Weg sein, weiß Günther. „Fachlich müssen wir super super stark sein.“ Das Konzept werde nicht zum Selbstzweck erarbeitet. Es gelte, die Unis fit zu machen für die nächste Generation der Forscher und Hochschullehrer. Günther gibt sich selbstbewusst: „Aufgeben ist keine Option!“

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