Streit um Feuerwehrfahrzeug Politiker fühlen sich von Marienhafer Feuerwehr erpresst
Die Mehrheitsgruppe im Brookmerlander Rat verlangt von den Marienhafer Feuerwehrleuten die Rücknahme der Austrittsdrohung. Die Politik ist aber auch zu Zugeständnissen bereit.
Marienhafe - Im Streit um die geplante Stationierung eines ursprünglich für die Feuerwehr Marienhafe bestimmten neuen Einsatzfahrzeugs in Osteel hat sich die aus SPD und der Wählergruppe „Moin“ bestehende Mehrheitsgruppe im Brookmerlander Samtgemeinderat positioniert. Wie ihr Sprecher Johann Tjaden (SPD) auf Anfrage sagte, sei man trotz der „Erpressung“ zu Zugeständnissen bereit. Ob diese allerdings im Sinne der Feuerwehr sind, bleibt fraglich.
Zur Erinnerung: Laut Feuerwehrbedarfsplan soll die Freiwillige Feuerwehr Marienhafe ein neues Löschgruppenfahrzeug des Typs LF 20 erhalten. Dieses ist in Kürze beim Hersteller abholbereit. Das Problem: Das neue Fahrzeug ist für das alte Feuerwehrhaus an der Marienhafer Kirchstraße zu groß. Das Gebäude baulich entsprechend zu verändern wäre mit großem, vor allem finanziellen Aufwand verbunden. Die Rede ist von bis zu 40.000 Euro, die in ein Gebäude investiert werden müssten, das in ein paar Jahren ohnehin abgerissen werden soll.
Stationierung in Osteel
Um das zu umgehen, ist geplant, das rund eine halbe Million Euro teure LF 20 zunächst im neuen Feuerwehrgerätehaus (Nord) Osteel unterzubringen, das in diesem Sommer fertiggestellt werden soll. Nach Fertigstellung ihres neuen an der Kirchstraße in Osterupgant geplanten Standorts (Ost) in ein paar Jahren soll ein weiteres LF 20 für Marienhafe angeschafft werden.
Die Marienhafer Brandbekämpfer sind damit nicht einverstanden. Sie sehen diese Entscheidung als „weder fachlich noch kameradschaftlich nachvollziehbar und nicht akzeptabel“ und haben dies in einem Schreiben an die Verwaltung deutlich gemacht (wir berichteten ausführlich). Wenn das neue, ihnen versprochene und speziell für ihre Belange geplante Gefährt nicht in Marienhafe stationiert werde, könne es besser gleich nach außerhalb verkauft werden, schreiben sie. Für den Fall, dass das Fahrzeug tatsächlich an die Feuerwehr Osteel gehen sollte, wollen sie geschlossen hinwerfen. Diese Drohung sei ernst gemeint, bestätigte Marienhafes Ortsbrandmeister Uwe de Vries auf ON-Anfrage. Trotz des am 7. Juni ablaufenden Ultimatums, das sie Verwaltung und Politik für eine Antwort gesetzt haben, bleiben die Marienhafer Wehrleute gesprächsbereit.
Wie Tjaden berichtete, sei das Schreiben der Marienhafer Feuerwehrleute als Erpressung aufgefasst worden. „Das kam nicht gut an“, sagte Tjaden. SPD und „Moin“ seien bereit, das Geld, das für einen Umbau notwendig würde, in ein zweites LF 20 zu investieren. Damit hätten künftig sowohl Osteel als auch Marienhafe je ein LF 20. Ursprünglich war geplant, nur ein LF 20 für Marienhafe und ein kleineres LF 10 für Osteel zu beschaffen. „Wir machen das mit“, sagte Tjaden, der Bürgermeister von Marienhafe und selbst (passives) Mitglied der Marienhafer Feuerwehr ist. Dies aber nur unter der Bedingung, dass die Feuerwehr Marienhafe ihre Austrittsandrohung schriftlich und öffentlich zurücknehme. In diesem Fall wäre es laut Tjaden möglich, dass der Samtgemeindeausschuss schon in seiner Sitzung am morgigen Donnerstag, spätestens aber in einer Sondersitzung nach Pfingsten grünes Licht für die Bestellung eines zweiten LF 20 gebe. Jetzt sei die Feuerwehr Marienhafe wieder am Zug. „Sie hat es in der Hand. Sie muss sagen, was sie will“, so Tjaden.
Auf Austritt vorbereitet
Verstreicht das Ultimatum und komme es zum Austritt von bis zu 40 aktiven Marienhafer Wehrleuten, wäre man auch auf dieses Szenario vorbereitet und der Brandschutz auch dann weiter gesichert. Laut Tjaden würde in diesem Fall der Feuerwehrbedarfsplan entsprechend schnell „umgestrickt“ und in Abstimmung mit der Leitstelle auf die Hilfe von Nachbarwehren zurückgegriffen. „Es würde auch ohne Marienhafe gehen“, stellte Tjaden klar. Der Neubau des Feuerwehrhauses Ost wäre dann nicht mehr notwendig und die dafür eingeplanten rund 3,5 Millionen Euro könnten beispielsweise in Kindergärten investiert werden.