Osnabrück  Nachtragende Nation: Warum gönnt keiner Annalena Baerbock ihren neuen Job?

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 03.06.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bietet politische Angriffsflächen: die frühere grüne Außenministerin Annalena Baerbock. Foto: imago/Dominik Butzmann
Bietet politische Angriffsflächen: die frühere grüne Außenministerin Annalena Baerbock. Foto: imago/Dominik Butzmann
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Annalena Baerbock bekommt einen Spitzenposten bei den Vereinten Nationen – und Deutschland regt sich auf. Offensichtlich gönnen ihr viele auch keinen beruflichen Neuanfang mehr. Egal, wie man politisch zu Baerbock steht: Das hat sie nicht verdient.

Man würde ja meinen, es wäre eine gute Nachricht für Deutschland, das mit diplomatischen Achtungserfolgen nicht gerade gesegnet ist: Mit Annalena Baerbock hat es eine Deutsche an die Spitze eines der wichtigsten internationalen Gremien überhaupt geschafft. Wir sind Präsidentin der UN-Vollversammlung, ließe sich da sagen. Aber das sagt natürlich niemand. Dazu müsste man ja aufhören mit dem Schimpfen. 

Es ist und bleibt eine merkwürdige Sache mit den Deutschen und Annalena Baerbock. Die grüne Politikerin, die eine zeitlang laut Umfragen sogar Chancen auf das Kanzleramt hatte, ist im Laufe ihrer Amtszeit als Außenministerin in so krasse Ungnade gefallen, dass ihr viele nun offensichtlich nicht einmal mehr einen beruflichen Neustart gönnen wollen, selbst wenn damit auch ein Prestigeerfolg für das ganze Land verbunden ist. Wie auch immer Baerbocks politische Bilanz in der Ampel zu bewerten ist: So viel Missgunst hat sie nicht verdient.

Aber hat sie nicht für den Job extra eine Konkurrentin ausgestochen? Bestimmt, aber einen robusten Machtwillen sollen vor ihr ja durchaus auch schon andere Politiker an den Tag gelegt haben, ohne dass die Nation gleich den Stab über sie gebrochen hätte. 

Und was ist mit Baerbocks Beteuerung nach der Bundestagswahl, sie wolle nun „einen Schritt aus dem Scheinwerferlicht“ machen? Nun, wenn das geflunkert war, wovon mittlerweile auszugehen ist, ist das so ungeschickt wie ärgerlich. Aber dass man sich in laufenden Job-Sondierungen auch nicht vorzeitig in die Karten schauen lassen will, kann ja vielleicht sogar nachvollziehen, wer nicht in der Spitzenpolitik arbeitet.

Annalena Baerbock bietet politische Angriffsflächen (was, bitte, ist jetzt noch mal „feministische Außenpolitik“?), setzt zum eigenen Fortkommen notfalls ihre Ellenbogen ein und sagt heute bisweilen etwas anders als gestern, wenn es ihr hilft. Damit ist sie nicht besser, aber auch nicht schlechter als viele ihrer Kollegen. Insofern ist nicht einzusehen, warum man ihr – und der Weltgemeinschaft, in deren Dienst sie stehen wird – nicht für die neue Aufgabe erst einmal alles erdenklich Gute wünschen sollte.

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