Appell für mehr Sicherheit Radeln mit Risiko – ADFC geht mit Aurich hart ins Gericht
Im Vorfeld des Weltfahrradtages am 3. Juni hat der ADFC eine kritische Bilanz der Radverkehrssituation in Aurich gezogen. Was er sich wünscht, wo er Probleme sieht.
Aurich - Fehlende Radwege, mehr Unfälle, aggressive Autofahrer: Besorgt und mit deutlicher Kritik hat sich der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) zum Radverkehr in Aurich geäußert. Zwar gebe es mit dem Masterplan Radverkehr eine gute Grundlage. Aber dieser werde nur stückweise umgesetzt, bemängelt der Vorsitzende des ADFC Aurich, Albert Herresthal. „So fehlt jegliche strategische Planung, die Pendlerströme aus den Ortsteilen mittels Radschnellwegen oder Vorrangrouten ins Zentrum zu führen, wie im Masterplan vorgesehen.“ Herresthal forderte angesichts des Weltfahrradtages am 3. Juni konkrete Maßnahmen für eine sichere Fahrradinfrastruktur in der Stadt.
Besonders beim Pendeln zur Arbeit sieht der ADFC großes Potenzial: Jede zweite Autofahrt sei kürzer als fünf Kilometer. Wenn nur die Hälfte davon mit dem Fahrrad zurückgelegt würde, könnten Staus und Stress auf den Straßen deutlich reduziert werden.
Mehr Unfälle und Aggressivität
Trotz 88,7 Millionen Fahrrädern in Deutschland – darunter 15,7 Millionen E-Bikes – nutzen viele Menschen das Rad im Alltag nicht regelmäßig. Hauptgrund sind laut ADFC fehlende oder unsichere Radwege. Hinzu kommt die Sorge um die eigene Sicherheit: Nach Angaben der Polizeidirektion Aurich-Wittmund wurden im Jahr 2024 insgesamt 514 Radfahrende bei Unfällen verletzt, ein Anstieg um fast 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vier Radfahrende kamen bei Unfällen ums Leben.
Als weitere Hürden für den Radverkehr nennt der ADFC die zunehmende Rücksichtslosigkeit und Aggressivität im Straßenverkehr. Die Polizei sieht als Hauptunfallursachen unzureichenden Sicherheitsabstand, zu hohe Geschwindigkeit und Missachtung der Vorfahrt. Die mangelhafte Infrastruktur führt zudem dazu, dass Radfahrende häufig gezwungen sind, auf Gehwegen oder auf der falschen Straßenseite zu fahren.
Was der ADFC fordert
Der ADFC fordert daher den Ausbau eigenständiger, ausreichend breiter Radwege mit guter Oberflächenqualität sowie die Einrichtung von Fahrradstraßen und Fahrradstreifen auf der Fahrbahn. Wo Radverkehr auf der Fahrbahn vorgesehen ist, seien flankierende Maßnahmen wie Tempolimits und die Einhaltung der Überholabstände notwendig. Auch Fahrradpiktogramme könnten die Sicherheit erhöhen.
„Radfahren in Aurich und Ostfriesland sollte komfortabel, intuitiv und sicher sein“, so der ADFC. Der „Tag des Fahrrads“ dürfe nicht nur ein Tag schöner Worte bleiben, sondern müsse der Auftakt zu entschlossenem Handeln sein. Der vom Stadtrat beschlossene „Masterplan Radverkehr 2030“ biete eine gute Grundlage, werde bislang aber nur unvollständig umgesetzt.