Hannover  Meyer Werft: Sanierer Ralf Schmitz bezeichnet den Standort Papenburg als Problem

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 01.06.2025 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Stammsitz der Meyer Werft ist Papenburg, aber das Unternehmen hat Probleme, Spitzenpersonal ins Emsland zu lotsen. Foto: Sina Schuldt/dpa
Stammsitz der Meyer Werft ist Papenburg, aber das Unternehmen hat Probleme, Spitzenpersonal ins Emsland zu lotsen. Foto: Sina Schuldt/dpa
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Ist Papenburg ein Standortnachteil für die Meyer Werft? Sanierer Ralf Schmitz hat sich zu Überlegungen geäußert, außerhalb Niedersachsens Unternehmensteile anzusiedeln. Wohin die Reise gehen könnte und was das Land Niedersachsen sagt, dem 40 Prozent am Unternehmen gehören.

Sanierer Ralf Schmitz hat den Führungskräften der Meyer Werft öffentlich ein schlechtes Zeugnis ausgestellt und den Standort Papenburg zum Problem erklärt. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ sagte er: „Wenn Sie mich nach den für das Gelingen der Sanierung kritischen Themen fragen, dann sehen wir neben den Prozessen die Qualität der Führungskräfte.“ In deren Ausbildung und Schulung sei in der Vergangenheit zu wenig investiert worden, betonte Schmitz.

Offenbar vertraut er nicht darauf, das Führungsproblem kurzfristig vor Ort in den Griff bekommen zu können. Schmitz weiter: „Neben der manchmal nicht ausreichenden fachlichen Qualifizierung ist ein weiteres Problem der Standort Papenburg.“ Im Wettbewerb um Spitzenkräfte sei es zunehmend schwieriger, „qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten für einen Umzug nach Papenburg zu gewinnen. Der Standort kann mit anderen nicht mithalten”.

Daher lässt das Unternehmen die Einrichtung von Büro-Standorten fernab des Heimathafens in Niedersachsen prüfen. Unsere Redaktion hatte darüber bereits im März berichtet. Damals hieß es von der Werft noch auf die Frage, ob eine entsprechende Prüfung erfolge: „Nein, das ist aktuell kein relevantes Thema für uns.“ Im Interview klingt Schmitz nun anders. Er bestätigt vollumfänglich die entsprechenden Recherchen.

Laut Schmitz wird analysiert, ob ein neuer Standort – Schmitz spricht von einem „Corporate Center“ – in Hamburg, Bremen oder möglicherweise Warnemünde „aufgebaut werden muss“. Warnemünde ist Sitz der Neptun Werft, die zur Meyer Werft gehört. „Das sind attraktive Standorte, um auch Top-Führungskräfte zu gewinnen“, sagte Schmitz in dem Interview.

Nach Informationen unserer Redaktion ist die Analyse weit fortgeschritten. Hamburg hat dabei dem Vernehmen nach die Nase vorn. Dabei scheint zweitrangig, dass in Hamburg tendenziell deutlich höhere Gehälter gezahlt werden müssten als beispielsweise in Papenburg. Denkbar soll grundsätzlich aber auch Bremen als Standort sein.

In beiden Fällen befänden sich die neuen Büroräume des Unternehmens außerhalb Niedersachsens. Das Bundesland hält nach der staatlichen Rettung 2024 allerdings 40 Prozent der Unternehmensanteile. Der damalige Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hatte sich für den Staatseinstieg starkgemacht, mittlerweile ist Lies Ministerpräsident und Aufsichtsrat der Meyer Werft.

Ob er einer entsprechenden Verlagerung zustimmen würde? Regierungssprecher Christian Budde erklärt auf Anfrage: „Es ist nicht in unserem Interesse und es ist nicht unser Ziel, Teile oder die komplette Konzernzentrale in ein anderes Bundesland zu verlagern. Papenburg ist und bleibt der Sitz der Meyer Werft.“ An anderer Stelle im Interview betont Sanierer Schmitz allerdings auch: „Am Schluss werden auch das Land und der Bund immer unternehmerisch entscheiden.“

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