Osnabrück „Das Wochenende meines Lebens“: Osnabrücker Luca Höcker gewinnt DFB-Pokal mit Werder
Der SV Werder Bremen ist U19-DFB-Pokalsieger. Gegen den Karlsruher SC setzte sich der SVW mit 2:0 durch. Mittendrin: der Osnabrücker Luca Höcker. Und für das Fußball-Toptalent war es längst nicht das einzige Highlight an einem denkwürdigen Wochenende.
Der DFB-Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze, die Schulpflicht aber gilt auch für seine Sieger. Am vergangenen Montag musste Luca Höcker das schmerzlich erfahren. Tags zuvor war der 17-jährige Osnabrücker mit seinem Team vom SV Werder Bremen aus Berlin zurückgekehrt. Dort – genauer: nebenan in Potsdam – hatte er am vergangenen Freitag erst den U19-DFB-Pokal gewonnen und wurde am Samstag auf der Bühne der Profis im Berliner Olympiastadion geehrt. Höckers simples Fazit: „Das war das Wochenende meines Lebens. Das beste, das ich je hatte.“ Und dann hielt wieder der Ernst des Lebens Einzug.
Doch der Reihe nach. Parallel zu einer guten Spielzeit in der Meisterschaft hatte Werders U19, trainiert von Ex-Profi und Chefcoach Cédric Makiadi sowie Co-Trainer Daniel Flottmann, eine recht souveräne Pokalsaison gespielt. Der rechte Außenverteidiger Höcker, früher bei der TSG Burg Gretesch und dem VfL Osnabrück aktiv, war in beiden Wettbewerben in jedem Spiel mit dabei, größtenteils über die volle Spielzeit.
„Luca ist hochtalentiert. Ihm fliegen die Dinge scheinbar zu und trotzdem ackert er im Stillen unheimlich viel“, bescheinigt Flottmann seinem Schützling. „Er erinnert mich an Omar Traoré (früher VfL Osnabrück, jetzt in Heidenheim, d. Red.). Einfach ein guter Junge.“ Und auf so einen konnte das SVW-Trainerteam auch im Pokalfinale gegen den Karlsruher SC natürlich nicht verzichten.
Hier tat sich Werder, sonst mit Hurra-Fußball „wie zu Zeiten von Diego oder Johan Micoud“ (Zitat Flottmann) erfolgreich, schwer. Nach 90 Minuten stand es 0:0, erst kurz vor Schluss (114. und 120.+4) fielen beide Bremer Tore zum 2:0-Endstand durch Patrice Covic und Salim Musah. Der Jubel war riesig – bei Spielern, Trainern wie bei den Fans. Tausende Bremer begleiteten ihre Nachwuchskicker, auch die Werder-Fanszene supportete aktiv mit. „Ich komme da aus dem Tunnel, höre die Fans und sehe diese krasse Choreo“, erinnert sich Höcker. „Da habe ich Gänsehaut bekommen.“
Gemeinsam mit Freunden und Familie, die extra aus Osnabrück angereist waren, feierte Höcker. Erst gab es laut Flottmann Sekt und Bier im Karl-Liebknecht-Stadion, dann ging es zur After-Party ins Potsdamer Hotel. „Und dann ging es rein nach Berlin, obwohl die Hälfte der Mannschaft ja erst 17 Jahre alt ist.“ Das wurde auch Höcker zum Verhängnis: „In den Club bin ich nicht reingekommen, nein“, berichtet er.
Sei es drum, umso besser sogar für den nächsten Tag. Denn da stand bereits das nächste Highlight auf dem Programm. Im Vorfeld des Profi-Pokalfinales wurden die jungen Bremer noch mal geehrt – im großen Olympiastadion diesmal. Auf der Bühne, exakt dort, wo sich ein paar Stunden später auch die Profis des VfB Stuttgart nach ihrem Pokalsieg feiern ließen. Das hatten sich Höcker und Kollegen als VIP-Gäste auf Einladung des DFB anschauen dürfen.
Ein kluger Schachzug des Verbands, um Motivation und Lust zu wecken beim Nachwuchs, selbst einmal das ‚große‘ Finale spielen zu dürfen. Und es funktioniert: „Es war jetzt schön, dieses krasses Wochenende zu haben und auch zu feiern. Aber wichtig ist, daran anzuknüpfen. Ich habe Bock auf mehr“, so Höcker, der seit Kurzem zum Werder-Toptalente-Programm gehört, in dem die Jugendspieler noch einmal besonders gefördert werden.
Auch bei den Profis durfte Höcker nun schon mittrainieren. Aber die erste Mannschaft ist noch Zukunftsmusik, vorerst will Höcker noch ein Jahr in der U19, Fußball spielen. „Wichtig ist, dass man Profi wird und nicht, wann“, weiß er und hat vorher noch ein anderes Ziel. „Ich möchte mir das nächste Jahr noch nehmen und mein Abitur schaffen.“ Und keine Frage: Auch als DFB-Pokalsieger drückt man dafür besser die Schulbank als die Ersatzbank der Profis.