Osnabrück  Kinder als Müllschlucker: Das Elend mit der Kinderkarte in vielen Restaurants

Christian Ströhl
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Von Christian Ströhl
| 31.05.2025 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Blöd für Kinder: In den allermeisten Restaurants in Deutschland stehen auf der Kinderkarte Pommes, Schnitzel und Chicken Nuggets. Foto: IMAGO/imagebroker
Blöd für Kinder: In den allermeisten Restaurants in Deutschland stehen auf der Kinderkarte Pommes, Schnitzel und Chicken Nuggets. Foto: IMAGO/imagebroker
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Pommes, Nuggets, Ketchup – fertig ist das Kindermenü. Klingt nach Fast Food? Ist in vielen Restaurants Standard. Eine neue Untersuchung zeigt: Kinderteller sind oft fantasielos, fettig und ohne Gemüse. Warum Restaurants Kindern mehr zumuten sollten.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen abends ins italienische Restaurant. Das Licht ist gedimmt, im Hintergrund dudelt entspannte Klaviermusik, der Kellner begrüßt Sie mit einem herzlichen „Buonasera“ und zeigt Ihnen den Tisch. Dort brennt schon eine Kerze. Ein Glas für den Hauswein steht bereit, die Serviette liegt akkurat gefaltet an Ihrem Platz.

Die Speisekarte kommt – und es gibt: Pommes, Chicken-Nuggets, Schnitzel und Nudeln mit Ketchup. Klingt absurd? Ist aber für Kinder in Restaurants Alltag.

Viele Restaurants machen es sich wirklich einfach. Die meisten bieten Kindern ausschließlich wenige Standardgerichte an – egal ob im deutschen Wirtshaus, im spanischen Tapas-Lokal, beim Italiener oder im Asia-Restaurant. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Verbraucherzentrale.

100 Restaurants, 456 Kindergerichte. Das Ergebnis ist … frittiert. Ganze 63 Restaurants servieren Kindern Schnitzel – fast immer mit Pommes. Nuggets stehen in 41 Prozent der Lokale auf der Karte. Und Gemüse? Fehlanzeige. Nur jedes zehnte Kindergericht enthielt überhaupt irgendeine Form von Gemüse.

Einige Restaurants stechen positiv hervor: In neun der untersuchten Lokale gibt es einen sogenannten „Räuberteller“ – einen leeren, kostenlosen Teller, auf dem Kinder bei den Eltern mitessen können. Außerdem bot nur ein einziges Restaurant die Möglichkeit, alle regulären Gerichte auch in kindgerechter Portion zu bestellen. Dabei wäre das so einfach – und so sinnvoll.

Das Untersuchungsergebnis ist so frustrierend. Dabei könnte ein Restaurantbesuch mit Kindern ein tolles Erlebnis sein – für Familien und für Gastgeber. Warum nicht die Gelegenheit nutzen, Kindern die regionale Küche näherzubringen? Die Esskultur, die Aromen, die Vielfalt eines Landes?

Ich behaupte: Keine italienische Nonna frittiert ihrem Enkelkind abends „mit ganz viel Liebe“ Pommes. Da gibt’s die beste Pasta der Welt. Warum bleibt Kindern in Restaurants in Deutschland dieses Erlebnis verwehrt?

Uns Eltern stellt das alles vor ein weiteres Dilemma: Entweder wir werden zu Spielverderbern ("Nein, heute gibt's keine Chicken-Nuggets") oder zu Komplizen der Fritteuse-Verschwörung. Es bleiben zwei Optionen.

Option 1: Der Kompromiss-Ansatz: „Ausnahmsweise gibt’s heute mal Nuggets!“ Nur wird diese Ausnahme schnell zur Regel – weil jede Kinderkarte gleich aussieht. Und weil Essen als Belohnung plötzlich doch ganz gut funktioniert; obwohl das der völlig falsche Weg ist.

Option 2: Der Gesundheits-Kreuzzug: „Wir bestellen dir die Pasta mit Lachs.“ Das kostet dann 18 Euro, das Kind isst drei Happen. Der Rest wandert in die Tupperdose. Oder – realistischer – auf den eigenen Teller.

Mehr Gemüse, weniger Frittiertes, kleinere Portionen von den normalen Gerichten auf der Karte, die Möglichkeit zum Räubern. Klingt revolutionär – ist aber eigentlich nur logisch.

Es wäre schön, wenn Restaurants Kinder nicht nur als Pommes-Junkies, sondern als kleine Menschen mit großem Geschmackspotenzial behandeln würden. Stell dir vor: Ein Lokal, in dem Kinder zwischen (Vollkorn-)Pasta mit Gemüse, gegrilltem Hähnchen mit Süßkartoffeln oder einem bunten Salat wählen können.

Es gibt sie – die Lichtblicke. Restaurants, die verstanden haben, dass Kinder mehr verdienen als frittierte Pappe. Die Gemüsesticks zum Knabbern reichen, während die Eltern bestellen. Die Soßen extra servieren, weil sie wissen: Viele Kinder mögen kein „Vermischtes“.

Kinder haben keinen kleineren Anspruch – sie brauchen nur kleinere Portionen. Höchste Zeit, dass die Gastronomie das endlich versteht.

PS: Was sind Ihre Erfahrungen mit Kinderkarten? Haben Sie Geheimtipps für kinderfreundliche Restaurants, die tatsächlich mehr als Frittiertes anbieten? Lassen Sie es mich wissen!

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