Sanierung des Südewegs  Schlechte Sicht an der „heimlichen Ostumgehung“

| | 30.05.2025 07:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Reinhold Mohr und Gunnar Ott stimmten gegen die Sanierung des Südewegs. Foto: Lasse Paulsen
Reinhold Mohr und Gunnar Ott stimmten gegen die Sanierung des Südewegs. Foto: Lasse Paulsen
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Eine abbiegende Vorfahrtsstraße soll vom Südeweg auf die Sandhorster Allee führen. Einige Ratsleute machen sich Sorgen um die Sicherheit für Radfahrer.

Aurich - Der Südeweg soll für rund 700.000 Euro saniert werden. Davon sollen 60 Prozent aus Fördergeldern kommen. Das haben 26 der 34 am Donnerstagabend anwesenden Ratsmitglieder beschlossen. Die Grünen stimmten zu viert dagegen, Linke und GfA/Specken enthielten sich.

Die Finanzierung sei noch nicht sicher, merkten die Grünen-Vertreter vor der Abstimmung an. Grund dafür seien Sicherheitsbedenken für den Radverkehr. Eine abknickende Vorfahrtsstraße wird laut der Vorlage vom Südeweg auf die Sandhorster Allee führen. Außerdem wird die Fahrbahn verbreitert und ihr Verlauf leicht angepasst. Die Änderungen sollen den Verkehr schneller durch den Abschnitt leiten. Zur Überprüfung haben sie die Vorlage bereits an das zuständige Ministerium geschickt, sagt Reinhold Mohr von den Grünen, der der Vorsitzende des Verkehrsausschusses ist. Bislang habe es noch keine Rückmeldung gegeben.

Kritik hagelte es vor der Abstimmung und auch im Nachhinein von der Grünen-Fraktion. Gunnar Ott und Mohr sehen die Sicherheit des Radverkehrs gefährdet. Außerdem seien die Kriterien für die geplante Förderung nicht erfüllt, gibt Mohr zu bedenken. Mit ihren Gedanken stehen Mohr und Ott nicht alleine da. Eine Bürgerin meldete sich zu Wort und hinterfragte ebenfalls die Sicherheit der Radfahrer und Fußgänger. Besonders die Schüler, die dort täglich die Straße queren würden, müsse man besonders schützen.

Gunnar Ott sieht in Aussicht stehendes Fördergeld nicht als Kriterium für Entscheidungen. Er vergleicht die Finanzierung mit dem Kauf einer Jacht: „Das wäre so, als ob man eine Jacht für 25 Millionen kauft, die eigentlich 250 Millionen kosten würde. Wer die 25 Millionen nicht hat, macht kein Schnäppchen, sondern Schulden“, so Ott. „Doch es ist nun mal beschlossen.“

Die ursprünglich von der Stadt geplante Aufpflasterung an der Stelle wurde vom Land als Fördergeber abgelehnt. Die hätte Autofahrer auf den Radverkehr aufmerksam machen und abbremsen und die Radfahrer und Fußgänger so schützen sollen. „Ich weiß nicht, was sich der Bearbeiter in Oldenburg gedacht hat. Der hat ausschließlich die Situation der Autofahrer begutachtet. An den Radverkehr hat er nicht einmal gedacht“, unterstellt Mohr den Behörden. „Kennt der die Voraussetzungen für Förderungen nicht?“ Gemeint ist damit die Vorgabe, dass ein Bauvorhaben den Fuß- und Radverkehr nicht negativ beeinflussen darf, damit es für eine Förderung in Betracht kommen kann. Und das ist aus Sicht von Ott und Mohr in diesem Fall nicht gegeben.

Förderung des Landes auf wackeligen Beinen

Sollte Mohrs Einschätzung zur Gefährdung des Radverkehrs stimmen, stünde die Förderung des Landes Niedersachsen auf wackeligen Beinen. Das machte er vor der Abstimmung über die Sanierung im Rat deutlich. Hauptgrund für die Annahme, dass der Radverkehr negativ beeinflusst wird, ist das Zusammenspiel aus durch ein Gebäude eingeschränkter Sicht und steigenden Geschwindigkeiten an der Stelle. Für Fahrradfahrer ist direkt neben dem Landwirtschaftlichen Hauptverein (LHV) eine definierte Stelle zum Überqueren der Straße geplant. Die soll mit abgesenkten Bordsteinen gekennzeichnet werden, erklärte der Stadtbaurat Mirko Wento vor der Abstimmung.

Radfahrer können erst direkt an der Straße sehen, ob Autos ankommen. Foto: Lasse Paulsen
Radfahrer können erst direkt an der Straße sehen, ob Autos ankommen. Foto: Lasse Paulsen

Doch herannahende Autos sind für die Radfahrer an der Stelle erst spät zu sehen. Und das gilt umgekehrt auch für die Sicht der Autofahrer auf die Radfahrer.

Der vorgelegte Lageplan erzeugte beim kurzen Hinsehen den Eindruck, dass zwischen den Gebäuden des LHV und der Straße mehr als zehn Meter Platz seien. Das ist jedoch nicht der Fall. Erst bei genauem Hinsehen ist das Gebäude erkennbar gewesen. Stadtbaurat Mirko Wento erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass ein Teil des Gebäudes ausgeblendet gewesen sei, weil in der Bauplanung dort etwas drüber geschrieben worden sei. „Wir sind uns bewusst, dass das Gebäude da an der Straße steht. Und keine Sorge, die Straße passt daran vorbei.“

Anders als in der Planzeichnung auf den ersten Blick erkennbar, steht das Gebäude des LHV nur knapp drei Meter von der Straße entfernt. Die Sicht auf herannahende Autos aus der Sandhorster Allee ist eingeschränkt. Foto: Lasse Paulsen
Anders als in der Planzeichnung auf den ersten Blick erkennbar, steht das Gebäude des LHV nur knapp drei Meter von der Straße entfernt. Die Sicht auf herannahende Autos aus der Sandhorster Allee ist eingeschränkt. Foto: Lasse Paulsen

Problematisch ist laut Ott jedoch die Sichtachse, die Autofahrer und Radfahrer an der Stelle haben. Durch das Gebäude des LHV könne keiner die Überquerung gut einsehen. Radfahrer sähen Autos nicht rechtzeitig und andersherum sei das genauso. In Kombination mit höheren Geschwindigkeiten auf der Straße gefährde das die Menschen.

Zustimmung für die Vorlage

Richard Rokicki von der Auricher Wählergemeinschaft sprach sich für die Sanierung aus. Man müsse „Nägel mit Köpfen machen“ argumentierte er. Es sei unsinnig, eine Förderung nicht in Anspruch zu nehmen. Aus den Reihen der CDU kam ebenfalls Zustimmung für die Vorlage. Bodo Bargmann argumentierte, dass durch die abgesenkten Bordsteine das Überqueren der Straße zwar nicht sicherer werde, aber es gebe dadurch immerhin eine definierte Stelle zur Überquerung.

Die SPD/GAP stimmte geschlossen für die Vorlage.

Hendrik Siebolds von den Linken warf ein, dass der Verkehr derzeit durch eine „Nase“ gebremst werde. Damit ist eine Verengung in der Abbiegung gemeint, die den Verkehrsfluss dort bislang verlangsamt. Der Sandhorster Ortsbürgermeister Rolf-Werner Blesene (SPD) erklärte, dass der Vorlage im Ortsrat einstimmig zugestimmt worden sei. Man habe sich Gedanken über den Plan gemacht und ihn für gut befunden.

Lösungen müssen nicht teuer sein

Das reicht den Grünen jedoch nicht. Eine Lösung müsse nicht teuer sein, so Ott. Ein entsprechendes Warnschild wäre in seinen Augen das Mindeste, was getan werden müsse. „Die wollen mir erzählen, dass bei einer Investition von mehr als einer Viertelmillion keine 1000 Euro für die Sicherheit der Radfahrer drin sei?“ Man könne auch einen Zebrastreifen auftragen, schlägt er vor. Oder andere Warnhinweise aufstellen. Eine Ampel, die zeitweise im Gespräch war, hält er für unwahrscheinlich. „Dafür sehe ich an dieser Stelle einfach die Frequentierung nicht. Es käme höchstens eine Druckampel infrage.“ Möglich seien auch weiße Querstreifen auf der Fahrbahn, die die Autofahrer aufmerksam machen sollen.

Die Sicht an der Mündung der Sandhorster Allee ist nicht optimal. Radfahrer sind bei der Anfahrt schlecht erkennbar. Foto: Lasse Paulsen
Die Sicht an der Mündung der Sandhorster Allee ist nicht optimal. Radfahrer sind bei der Anfahrt schlecht erkennbar. Foto: Lasse Paulsen

Gunnar Ott findet, „Verkehrssicherheit hat keine Parteifarbe. Das geht uns alle was an“. Er habe das Gefühl, dass teilweise aus Prinzip gegen die Meinung einiger Parteien im Auricher Rat gestimmt werde. „Wobei wir gerade bei einem solchen Thema doch eigentlich alle an einem Strang ziehen müssten.“

Mohr sieht einen bestimmten Grund, weshalb für die Vorlage gestimmt wurde. „Das ist Teil der heimlichen Ostumgehung.“ Und der Schleichweg durch Wallinghausen oder wenigstens über den Hoheberger Weg durch den Südeweg östlich an den Innenstadtampeln vorbei ist schon länger ein umstrittenes Thema in der Auricher Politik.

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