Derbysieg für Middels  Fünf Minuten für eine Torwart-Legende

| | 25.05.2025 18:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Jens Rocker stand noch einmal fünf Minuten im Tor des SV Wallinghausen.Foto: Wilfried Gronewold
Jens Rocker stand noch einmal fünf Minuten im Tor des SV Wallinghausen.Foto: Wilfried Gronewold
Artikel teilen:

Jens Rocker erhält beim 1:2 von Wallinghausen gegen Middels einen Kurzeinsatz. Er verabschiedet sich mit 59 Jahren.

Wallinghausen - Drei Minuten sind noch beim Bezirksliga-Derby zwischen Wallinghausen und Middels zu spielen. Die Gäste führen in dem sportlich recht unbedeutenden Spiel mit 2:1. Torhüter-Legende Jens Rocker macht am Spielfeldrand noch ein paar Dehnübungen, dann gibt sein Trainer Jerzy Klukowski das Zeichen zur Auswechslung. Der 59-Jährige darf direkt hinter seiner Haustür die letzten Minuten seiner langen Karriere spielen. Rocker muss nur noch einmal eingreifen, er gibt ein paar Anweisungen, dann ist endgültig Schluss. Die Wallinghausener Spieler schleichen etwas bedröppelt nach der 1:2-Niederlage vom Spielfeld, Jens Rocker strahlt. „Genau hinter dem Tor bin ich aufgewachsen. Hier habe ich mit vier Jahren angefangen und höre nach 55 Jahren Fußball genau hier auf“, sagt Rocker. Der Torwart-Senior hatte zwar schon gegen die SpVg Aurich ausgeholfen, aber eben auswärts. „Ich wollte mich mit einem Heimspiel verabschieden“, sagte Rocker.

Middels konsequenter im Derby

Seine Vorderleute taten sich schwer im letzten Heimspiel. Die Gäste wirkten insgesamt bissiger und wollten den Sieg einen Tick mehr. So ähnlich formulierte es auch TuS-Trainer Tobias Ryl. „Es war klar, dass hier die Mannschaft gewinnt, die mehr kämpft. Fußballspielen war hier heute nicht möglich“, sagte Ryl und verwies auf das holprige Geläuf in Wallinghausen. Deshalb wählte der Gast aus Middels auch die unkonventionelle Taktik der langen Bälle. Wallinghausen erwischte zwar den besseren Start, aber die Middelser Herangehensweise wurde bereits nach zwölf Minuten belohnt. Justin Solomon erlief sich einen langen Ball in den Strafraum. Nach einem harten Zweikampf mit Kilian Ahlers landete der Ball bei TuS-Torjäger Glen Sokoli, der den Ball aus 14 Metern präzise im Wallinghausener Tor versenkte. Sokoli hätte in der ersten Halbzeit ein noch strahlender Held werden können. Zweimal legte er sich den Ball zum Freistoß zurecht, einmal klatschte der Ball an den Pfosten, das andere Mal touchierte der Ball die Latte.

Wallinghausen bemühte sich, doch die Genauigkeit in den entscheidenden Momenten fehlte bei den Gastgebern. Marvin Dahlke setzte einen Freistoß knapp über das Tor, Bent Bogena scheiterte nach einer Einzelaktion. Fast hätte aber ein Kopfball des Kapitäns kurz vor dem Pausenpfiff noch für den Ausgleich gesorgt, doch ein TuS-Abwehrspieler klärte auf der Linie.

Obwohl beide Mannschaften schon vor Spielbeginn für den Ostfriesland-Cup qualifiziert gewesen waren, ackerten sie auch in der zweiten Halbzeit. Etwas mehr als eine Stunde war gespielt, da glich Bogena die Middelser Führung aus. Der eingewechselte Bangaly Conde wuselte sich an der Toraußenlinie an seinem Gegenspieler vorbei und legte quer in den Strafraum zu Bogena. Der blieb gelassen und schoss den Ball an vielen Verteidigerbeinen vorbei ins Tor. Das Spiel schien für einen Moment in Richtung Wallinghausen zu kippen, da schlugen die Gäste eiskalt zu. Auch TuS-Trainer Tobias Ryl hatte das richtige Händchen bei einer Einwechslung bewiesen. Dirok Omar war nur wenige Sekunden auf dem Spielfeld, als er den Ball trocken aus 20 Metern Torentfernung in die rechte untere Ecke schoss. „Das war die schnelle Antwort, danach haben wir nicht mehr viel zugelassen“, lobte TuS-Trainer Tobias Ryl. Die Wallinghausener verabschiedeten sich nach dem durchwachsenen Auftritt vom eigenen Publikum, mittendrin ein munterer Jens Rocker, der sich nun nach 55 Jahren im Fußballtor für immer verabschiedet hat.

Ähnliche Artikel