Osnabrück Der böse Trump gegen das perfekte Harvard? Warum das nicht die ganze Wahrheit ist
Donald Trump führt eine Privatfehde gegen die Elite-Uni Harvard. Jetzt will er ihr sogar verbieten, ausländische Studierende anzunehmen. Das ist natürlich Unsinn. Trotzdem sollte man nicht übersehen, dass auch Harvard zuletzt eine fragwürdige Rolle spielte.
Wenn es um das Duell Donald Trump gegen Harvard geht, scheinen die Rollen ungefähr so klar verteilt zu sein wie bei Harry Potter: mit Trump als dem bösen Lord, der ein altehrwürdiges, Hogwarts-artiges Zentrum des Lernens, des freien Denkens und insgesamt des Guten und Schönen kaputt machen will.
Und es stimmt ja auch: Was Trump in diesen Tagen an Attacken auf die Uni loslässt, ist für jeden, der Bildung und Forschung erst einmal für sinnvolle Dinge hält, kaum erträglich. Speziell Trumps jüngste Idee, Harvard für ausländische Studenten zu schließen, ist so offensichtlich autoritär und unsinnig, dass sie sich schnell von selbst erledigen wird: Eine Elite-Universität, die kein Ort des internationalen intellektuellen Austausches ist, ist ja gar keine.
Nur: So überdreht die Wut auf Harvard auch ist, sie kann überhaupt nur deshalb bei den Wählern verfangen, weil sich die Institution selbst allzu lange als unfehlbar inszenierte. Dabei hat das Zentrum des Guten und Schönen in den letzten Jahren selbst genügend hässliche Seiten ausgeprägt, und es wäre gedankenfaul, das nun aus lauter Sympathie für ein angegriffenes Hogwarts unter den Tisch fallen zu lassen.
Nicht nur radikalisierte MAGA-Anhänger beklagen ja, dass Amerikas Universitäten es bisweilen übertreiben mit ihrer progressiven Ausrichtung. So bezeichnen sich 80 Prozent der Lehrenden in Harvard als politisch „links“ oder „sehr links“: Ob das der akademischen Streitlust hilft? Zumindest berichten Studenten immer wieder über ihre Scheu, in diesem homogenen Klima offen ihre Meinung zu sagen.
Wie sehr außerdem unter dem allgemeinen Vorzeichen des linken Antikolonialismus die Israel- und Judenfeindlichkeit um sich greifen konnte, zeigte sich spätestens Ende 2023, in einer berüchtigten Anhörung vor dem US-Kongress: Die damalige Harvard-Präsidentin sollte dort die Frage beantworten, ob Aufrufe zum Mord an Juden den Verhaltenskodex von Harvard verletzten. Ihre Antwort: „Das kommt auf den Kontext an.“
Natürlich: Wer solche Entgleisungen mit anti-wokem Furor niedermachen will, wie Trump es anstrebt, ersetzt nur die eine Intoleranz durch die andere. Die Erkenntnis aber, dass selbst eine Vorzeige-Universität wie Harvard Kritik aushalten und Reformen vertragen kann, ist für sich genommen noch nicht bildungsfeindlich. Eher im Gegenteil.