Babyglück in Hinte  So meistert eine junge Familie den Alltag mit Vierlingen

Stephanie Tomé
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Von Stephanie Tomé
| 26.05.2025 11:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Seit Anfang April ist Vasilica Florentina Imbrea mit den Vierlingen zu Hause. Foto: Klaus Ortgies
Seit Anfang April ist Vasilica Florentina Imbrea mit den Vierlingen zu Hause. Foto: Klaus Ortgies
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Vier Babys, mehr als 40 Fläschchen und mindestens genauso viele Windeln: Der Alltag verlangt Familie Imbrea aus Hinte viel ab. Ein Einblick in ein besonderes Leben, das kaum Pausen kennt.

Hinte - Noch passen sie alle gemeinsam in ein kleines Bettchen: Anais, Eric, Patrick und David liegen dicht nebeneinander. Die Vierlinge recken sich, gähnen, nuckeln an ihren Schnullern und dösen immer wieder ein. Die drei Jungen tragen identische Strampler mit Koala-Motiv, in ihrer Mitte liegt das zarte Mädchen im Kleidchen und mit Haarband. Über den Babys dreht sich ein Mobile mit Tieren in bunten Farben.

Obwohl schon bald wieder Zeit für das nächste Fläschchen ist, wirken die Vierlinge entspannt. „So ruhig sind sie nur, wenn Besuch da ist“, sagt Mutter Vasilica Florentina Imbrea und prüft dabei routiniert die Temperatur der Milchflaschen. Einer von vielen Handgriffen, der sich am Tag mehrmals wiederholt.

Noch passen die vier Geschwister zusammen in ein kleines Babybettchen. Foto: Klaus Ortgies
Noch passen die vier Geschwister zusammen in ein kleines Babybettchen. Foto: Klaus Ortgies

Viertes Baby erst beim Kaiserschnitt entdeckt

Am 11. Februar erblickten die vier Kinder im St. Marienhospital in Vechta das Licht der Welt – mehr als zwei Monate zu früh. Drei Babys hatten die Ärzte während der Schwangerschaft per Ultraschall gesehen – zwei Jungen und ein Mädchen. Dass da noch ein vierter kleiner Kämpfer – David Cristian – im Bauch der Mutter schlummerte, stellte sich erst während des Kaiserschnitts heraus. „Ich konnte es kaum glauben. Wir dachten erst, es sei ein Witz“, erinnert sich die 22-Jährige an diesen besonderen Moment. Die Nachricht über die Geburt ging bundesweit durch die Medien. Statistisch gesehen werden bundesweit nur einmal im Jahr Vierlinge geboren, also bei einer von rund 600.000 Geburten.

Die Entlassung aus dem Krankenhaus bedeutete für Mutter Vasilica-Florentina Imbrea (Mitte) und ihre Kinder auch ein Abschied. Foto: Lars Chowanietz
Die Entlassung aus dem Krankenhaus bedeutete für Mutter Vasilica-Florentina Imbrea (Mitte) und ihre Kinder auch ein Abschied. Foto: Lars Chowanietz

Die Wochen auf der Frühchenstation waren geprägt von Sorgen, Hoffnungen – und unzähligen Handgriffen. Die Kinder, bei der Geburt zwischen 1120 und 1480 Gramm schwer, mussten beatmet, gewärmt und stabilisiert werden. Um täglich bei ihren Babys sein zu können, zog die Mutter in ein Elternbegleitzimmer des Krankenhauses. Die Betreuung ihres zweijährigen Sohnes übernahm eine Krankenhaustagesmutter. Die Vierlinge entwickelten sich prächtig. Heute wiegen sie zwischen 5500 und 4000 Gramm. „Sie machen sich gut“, sagt Vasilica Florentina Imbrea.

Die Vierlinge kamen in Vechta zur Welt. Die Kinder (hier David Cristian) verbrachten zunächst einige Wochen auf der Frühchenstation. Foto: Daniel Meier/St. Marienhospital
Die Vierlinge kamen in Vechta zur Welt. Die Kinder (hier David Cristian) verbrachten zunächst einige Wochen auf der Frühchenstation. Foto: Daniel Meier/St. Marienhospital

Fläschchen, Windeln, Wiederholung

Seitdem die Babys zu Hause sind, läuft der Alltag im Takt von Milch und Schlafenszeit. Oder vielmehr im Rhythmus des Nicht-Schlafens. Die Waschmaschine läuft im Dauerbetrieb und der zweijährige große Bruder möchte auch nicht zu kurz kommen. „An die 40 Fläschchen brauchen die Babys pro Tag – und mindestens genauso viele Windeln“, erzählt die 22-Jährige während sie die Kinder für die nächste Fütterung vorbereitet. Ihr Fläschchen erhalten alle Babys zeitgleich im Liegen mit Unterstützung eines zusammengerollten Tuchs. Im Bettchen nuckeln die Geschwister nun, die warme Milch fließt in ihre kleinen Bäuchlein. Das Haus ist in diesem Moment ganz still.

Vasilica Florentina Imbrea atmet durch, setzt sich aufs Sofa und nimmt ihren zweijährigen Sohn in den Arm. Sanft streicht sie ihm über die Stirn und nimmt sich Zeit, um über ihr neues Leben zu berichten. Ruhe? Kaum denkbar. Vor allem nachts sei es selten, dass alle Kinder gleichzeitig schlafen. „Irgendetwas ist immer“, sagt die Mutter. Zeit für sich selbst? Fast nie. „Ich habe fünf Minuten, um mich zu duschen.“ Sogar die Toilette ist aktuell selten ein Rückzugsort, ihr großer Sohn folgt ihr auf Schritt und Tritt. Dennoch: Die junge Mutter wirkt zufrieden, beinahe gelassen. „Es ist nicht immer leicht, aber ich bin glücklich“, sagt sie.

Die Nachricht über die Geburt der Vierlinge ging bundesweit durch die Medien. Statistisch gesehen werden bundesweit nur einmal im Jahr Vierlinge geboren. Foto: Klaus Ortgies
Die Nachricht über die Geburt der Vierlinge ging bundesweit durch die Medien. Statistisch gesehen werden bundesweit nur einmal im Jahr Vierlinge geboren. Foto: Klaus Ortgies

Die Familie lebt rund 2000 Kilometer entfernt

Noch während des Krankenhausaufenthalts zog die Familie aus Emden in ein größeres Haus nach Hinte um. Die frühere Wohnung war schlicht zu klein für fünf Kinder. Vater Alin Imbrea kümmerte sich um den Umzug, strich Wände und schraubte Möbel zusammen, während seine Frau Tag und Nacht bei den Babys blieb. Auch im Alltag zu Hause ist die Mutter weitgehend auf sich alleine gestellt. Der Vater arbeitet als Paketfahrer, verlässt bereits morgens früh das Haus und kommt oft erst nach 18 Uhr abends nach Hause.

Im Alltag ist die junge Familie oft auf sich allein gestellt. Unterstützung bekommt sie jedoch von einer Familienhebamme und einer Haushaltshilfe. Foto: Klaus Ortgies
Im Alltag ist die junge Familie oft auf sich allein gestellt. Unterstützung bekommt sie jedoch von einer Familienhebamme und einer Haushaltshilfe. Foto: Klaus Ortgies

Unterstützung bekommt die Familie von einer Familienhebamme des Landkreises Aurich. Jeden Tag kommt eine Haushaltshilfe und packt mit an – ob beim Wäscheberg, beim Kochen oder mit den Fläschchen. Verwandte können nicht kurzfristig einspringen – sie leben weit entfernt in Rumänien. Im Juli möchte die siebenköpfige Familie die knapp 2000 Kilometer lange Reise in ihre Heimatstadt Iași antreten. Doch es gibt noch offene Fragen: „Wie sollen zwei Erwachsene mit fünf kleinen Kindern im Flugzeit reisen?“, fragt Vasilica Florentina Imbrea. Eine Antwort darauf hat sie noch nicht. Aktuell besitzt die Familie noch nicht einmal ein Auto, in das alle Kinder samt Eltern passen.

Von der Selbstständigkeit in die Rolle der Fünffach-Mutter

Vor vier Jahren kam das Paar nach Deutschland. Ihr Weg führte zunächst nach Bielefeld. Der Job in einer Reinigungsfirma bei VW in Emden brachte Vasilica Florentine Imbrea schließlich nach Emden. Kurz vor ihrer Schwangerschaft machte sie sich mit einer eigenen Reinigungsfirma selbstständig. Doch die Vierlinge lassen derzeit keine Rückkehr in den Beruf zu.

Trotz aller Herausforderungen, die der Alltag mit fünf kleinen Kindern mit sich bringt, blickt Vasilica Florentina Imbrea voller Zuversicht in die Zukunft. Zwischen Windelbergen, Fläschchen und Schlafmangel wächst sie jeden Tag ein Stück über sich hinaus. „Ich wünsche mir einfach ein bisschen mehr Ruhe – und ein Auto, in das wir alle reinpassen“, sagt sie. Bis dahin bleibt ihr Alltag chaotisch – aber voller Leben.

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