Hannover „Zukunft Niedersachsen“ zieht Zwischenbilanz: Milliardeninvestitionen, Top-Wissenschaftler und Elite-Uni
Seit zwei Jahren investiert Niedersachsen mit „Zukunft Niedersachsen“ über eine Milliarde Euro in Forschung. Windenergieforschung, personalisierte Medizin und Elite-Uni-Projekte stehen im Fokus. Welche Bilanz das Projekt bisher vorweisen kann.
Von einem „Ausrufezeichen“ in der Forschungslandschaft spricht Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD). Mehr als 1 Milliarde Euro haben Land und Volkswagen-Stiftung seit dem Start des Programms „Zukunft Niedersachsen“ vor zwei Jahren in die Wissenschaftsförderung investiert. Allein im Vorjahr standen 618,7 Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem Programm erfolgte ein Strategiewechsel: weg von der Förderungen einzelner Einrichtung, hin zur Stärkung von innovativen Verbünden, sagte Georg Schütte, Generalsekretär der Volkswagen-Stiftung.
Nun zogen Land und Stiftung Zwischenbilanz.
Die Windenergieforschung im Nordwesten wird von „ForWind“ in Oldenburg gebündelt und verbindet 30 Institute und Arbeitsgruppen der Universitäten Oldenburg, Hannover und Bremen. Um die Grundlagen der Energieversorgung von Morgen zu legen, werden unter anderem Verschattungseffekte von Windkraftanlagen erforscht. Die Universität Oldenburg hat nach Angaben einer Sprecherin in diesem Jahr bislang rund 6,16 Mio. Euro aus „Zukunft Niedersachsen“ erhalten. 2023 waren es 5,88 Mio. Euro und im Vorjahr 52,45 Mio. Euro.
Gefördert wurden etwa die Gründung von Start-ups, interdisziplinäre und internationale Vernetzung sowie Projekte im Bereich Gender- und Diversitätsmedizin. Einen Teil der Mittel reichte die Uni an Projektpartner weiter. Mohrs hatte sich im Vorjahr im Windkanal auf dem Oldenburger Forschungscampus informiert. In das Programm „Transformation der Energiesysteme“ flossen insgesamt 52,5 Mio. Euro. Mohrs sagte auf Anfrage, bei der Vergabe der Fördermittel lande die Universität Oldenburg „unter den Top 4“ im Land.
Für Programme zu personalisierter Medizin und der Erforschung seltener Erkrankungen flossen 35 Mio. Euro. So wurde an der Uni-Medizin Göttingen aus Stammzellen Herzmuskelgewebe, ein sogenanntes „Herzpflaster“ zur Stärkung des Herzens, entwickelt. Zu nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystemen forschen die Unis Osnabrück und Göttingen. Das Projekt „Agri Change“ wird mit 25 Mio. Euro gefördert. Das Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (KI) und kausale Methoden in der Medizin wird mit 16,5 Mio. Euro unterstützt. Jeder Euro für die Forschung komme drei- bis viermal zurück, betonte Schütte.
Mit „Zukunft Niedersachsen“ werden Hochschulen dabei unterstützt, herausragende Wissenschaftler zu holen oder exzellente Professoren im Land zu halten. Es gehe nicht ums Abwerben oder eine bessere Bezahlung, sondern darum, ein optimales Arbeitsumfeld zu schaffen. Für den Generationenwechsel an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurden seit 2022 rund 25,5 Mio. Euro bereitgestellt. In den USA stehen Wissenschaft und Forschung enorm unter Druck. Gleichwohl warnte Jutta Allmendinger, Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen, vor gezielten Abwerbeversuchen. Man müsse über die Amtszeit von US-Präsident Trump hinausdenken.
Niedersachsen kann noch auf bis zu vier Elite-Unis hoffen. Am 22. Mai wird über die sogenannten Exzellenzcluster in Deutschland entschieden. Die Uni Oldenburg, die MHH, die Leibniz-Universität Hannover und die TU Braunschweig sind mit mindestens zwei solcher Forschungsprojekte im Rennen, sagte Mohrs. Die Uni Oldenburg ist mit drei Exzellenzclustern dabei: „Hearing4all“ in der Hörforschung, „Ocean Floor“ zum Meeresboden und „Navi-Sense“ zur Tiernavigation.
Niedersachsen ist mit neun Projekten in der letzten Runde der Cluster vertreten. Bundesweit werden laut Mohrs künftig 70 Cluster gefördert; bisher sind es 57. Die Beurteilung am 22. Mai entscheidet über einen Förderzeitraum von sieben Jahren. Zwei Exzellenzcluster sind erforderlich, um sich als Elite-Uni bewerben zu können. Bisher gibt es keine Exzellenz-Universität in Niedersachsen.