Rechtsstreit in Marienhafe  Klage gegen Sportplatzbau – Naturschützer richten „Kriegskasse“ ein

| | 14.05.2025 11:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wegen der anhaltenden Trockenheit sind die Erdarbeiten am Tjücher Moortun in Marienhafe derzeit eine staubige Angelegenheit. Foto: Thomas Dirks
Wegen der anhaltenden Trockenheit sind die Erdarbeiten am Tjücher Moortun in Marienhafe derzeit eine staubige Angelegenheit. Foto: Thomas Dirks
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Der Naturschutzbund (Nabu) rüstet sich für den weiteren juristischen Kampf gegen die zentrale Sportstätte im Brookmerland und ruft zu Spenden auf. So ist der Stand.

Marienhafe - Der Naturschutzverband (Nabu) rüstet sich für den weiteren juristischen Streit um die geplante zentrale Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe. Wie aus einem Beitrag auf der Internetseite des Nabu-Regionalverbandes Ostfriesland hervorgeht, haben die Naturschützer ein „Klagekonto“ eingerichtet, auf das Spenden eingezahlt werden können. Aus dieser „Kriegskasse“ soll ein mögliches Gerichtsverfahren finanziert werden.

Wie mehrfach berichtet, hat der Nabu Widerspruch gegen die Baugenehmigung für das mehr als sieben Millionen Euro teure Bauvorhaben am Tjücher Moortun eingelegt, die der Landkreis Aurich der Samtgemeinde Brookmerland erteilt hatte. Der Widerspruch sei am 17. März bei der Unteren Bauaufsichtsbehörde eingegangen, bestätigte Landkreissprecher Rainer Müller-Gummels. Mit Schreiben vom 24. März war den von Nabu-Anwälten beantragten Akteneinsicht gewährt worden.

Noch nicht entschieden

Wie Landkreissprecher Rainer Müller-Gummels auf ON-Anfrage mitteilte, sei über den Widerspruch noch nicht entschieden worden. Dem Nabu-Bevollmächtigten sei zunächst die Gelegenheit eingeräumt worden, den Widerspruch zu begründen. Die Bevollmächtigte habe eine Fristverlängerung von sechs Wochen zur Einreichung der Widerspruchsbegründung beantragt, die seitens der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Aurich gewährt worden sei. Nach Eingang der Widerspruchsbegründung werde diese im Rahmen des Widerspruchsverfahrens durch die Untere Bauaufsichtsbehörde überprüft, so der Landkreissprecher.

Ungeachtet der laufenden juristischen Auseinandersetzung mit dem Nabu gehen die Ende März begonnenen umfangreichen Erdarbeiten auf der Fläche am Tjücher Moortun weiter und vergibt die Samtgemeinde Brookmerland Aufträge im Zusammenhang mit dem Sportstättenbau. Unter anderem ging inzwischen der Großauftrag für die Landschaftsbauarbeiten, dessen Wert die Verwaltung mit 2.754.872 Euro (brutto) angibt, an die Firma Tell Bau, zu deren Spezialgebieten der Bau von Sportstätten gehört und die in den kommenden Jahren ihren Firmensitz ins Brookmerland verlegen will (wir berichteten).

Bis auf der geplanten zentralen Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe Fußball gespielt werden kann, wird noch einige Zeit vergehen. Foto: Thomas Dirks
Bis auf der geplanten zentralen Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe Fußball gespielt werden kann, wird noch einige Zeit vergehen. Foto: Thomas Dirks

Der Nabu, der sich in der Diskussion um die umstrittene Sportstätte von Beginn an kritisch zu Wort gemeldet hatte, bekräftigt derweil seine Bedenken. Bereits im Mai 2022 hatte der Naturschutzbund im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung zur 50. Flächennutzungsplanänderung der Samtgemeinde und zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nummer 0228 in seiner Stellungnahme die Maßnahme aufgrund der „erheblichen Beeinträchtigung des Naturhaushalts“ abgelehnt und diese Kritik in einer ergänzenden Stellungnahme zu dem Projekt erneuert (wir berichteten).

Enorme Flächenversiegelung

Der Nabu begründet sein Nein zu dem Sportplatzbau einerseits mit der enormen Flächenversiegelung im Außenbereich, andererseits mit den erheblichen Beeinträchtigungen auf den Lebensraum von bis zu acht streng geschützten Fledermausarten. Gemäß Fledermausgutachten von 2016 könnten die Beeinträchtigungen nur vermieden werden, wenn der Eingriff durch einen Neubau ausbleibe. Der Nabu hat sich daher von Anfang an für eine Sanierung der vorhandenen Sportanlagen ausgesprochen.

Baggern für den neuen Sportplatz: Am Tjücher Moortun in Marienhafe laufen seit Ende März die Erdarbeiten. Foto: Thomas Dirks
Baggern für den neuen Sportplatz: Am Tjücher Moortun in Marienhafe laufen seit Ende März die Erdarbeiten. Foto: Thomas Dirks

Trotz ihrer erheblichen Bedenken und rechtlichen Einwände von verschiedenen Seiten sei zweieinhalb Jahre weiter geplant worden, beklagen die Naturschützer. Die Gutachten und der Umweltbericht wurden dabei mehrfach an die Anlagenplanungen angepasst. Anfang 2025 wurde die Umsetzung dann mit einer knappen Mehrheit in den Räten der Samtgemeinde und der Gemeinde beschlossen.

„Damit bleibt für den Nabu nur noch der Rechtsweg über die Gerichte, um die unnütze Naturzerstörung und ein Artenschutzproblem und damit einen Verstoß gegen Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes zu verhindern“, heißt es in dem Internetbeitrag. Das Beschreiten des Rechtsweges sei mit hohen Kosten und damit finanziellen Risiken für den Kläger verbunden, auch wenn die Klage nur nach sorgfältiger Abwägung aller Belange erfolge.

Klagekonto eingerichtet

Um dafür gerüstet zu sein, bittet der Nabu nun um finanzielle Unterstützung aus der Bevölkerung. Spenden für den Nabu-Klagefonds gegen den Ersatzneubau können mit dem Verwendungszweck „Sportzentrum Tjücher Moortun“ überwiesen werden an das Konto DE 67 2855 0000 0150 0142 15 des Nabu Deutschland, Regionalverband Ostfriesland. Sofern eingezahlte Spenden nicht für eine Klage gegen den Ersatzneubau benötigt werden sollten, gingen diese in den allgemeinen Klagefonds des Regionalverbandes über, heißt es. Jede Spende zähle. Meist genüge dem Finanzamt der Überweisungsbeleg als Nachweis, der Nabu stelle auf Wunsch aber auch eine Spendenquittung aus.

Auf dem Gelände der künftigen Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe werden Entwässerungsgräben ausgehoben. Foto: Thomas Dirks
Auf dem Gelände der künftigen Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe werden Entwässerungsgräben ausgehoben. Foto: Thomas Dirks

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