Betrug und Zuhälterei Auricher soll Frauen über Partnerbörse ausgenutzt haben
Ein 57-jähriger Auricher steht vor Gericht: Er soll zwei Frauen über eine Partnerbörse um mehr als 66.000 Euro betrogen und eine zur Prostitution gezwungen haben.
Aurich - Ein 57-jähriger Auricher soll zwei Frauen binnen eines Jahres mehr als 66.000 Euro abgenommen haben. Den Kontakt zu ihnen stellte er unter falschem Namen über eine Partnerbörse im Internet her. Eine der beiden Geschädigten, eine 50-jährige Auricherin, soll er von 2023 bis 2024 für sich anschaffen lassen und ihre Einnahmen einkassiert haben. Wegen Zuhälterei und Betrugs muss sich der Angeklagte derzeit vor dem Auricher Landgericht verantworten. Bei der Fortsetzung des Prozesses am Montag, 12. Mai 2025, sagte er aus, wohin das Geld geflossen sei.
„Ich war bei Bigo TV angemeldet, wo man Leute unterstützt, die man gut findet. Da habe ich mich einfach verrannt“, erklärte der Angeklagte zerknirscht. Das habe ihm ganz viel Anerkennung eingebracht – „es war eine Sucht, eine Parallelwelt“. Ab 2023 habe er dort tagtäglich 150 Euro investiert. Insgesamt schätzte er die eingesetzte Summe auf 8000 bis 9000 Euro.
Dicke Autos und Treffen mit Prostituierten
Seine Angaben deckten sich nicht mit der Aussage eines Ermittlers, der bei dem Angeklagten eine Summe von 50.000 Euro in Form der spezifischen Bigo-Währung „Diamanten“ auf einer entsprechenden App festgestellt hatte. Zudem soll sich der 57-Jährige nach Erkenntnissen der Polizei mit Prostituierten getroffen und dicke Autos gemietet haben. Er sei im Wangerland gemeldet gewesen, habe aber ein kleines Zimmer in Aurich-Walle bewohnt, so der Ermittler. Bei dessen Durchsuchung habe man ungeöffnete Briefe von Behörden mit Zahlungsaufforderungen, mehrere Speichergeräte, eine Geldbörse mit 700 Euro Bargeld und neben dem Bett eine Schreckschusspistole gefunden.
Eine zweite Ermittlerin berichtete, im Fall der Auricherin, die der Angeklagte zur Prostitution angestiftet habe, habe man einige Chats sicherstellen können: „Man konnte merken, dass er sehr viel Druck ausgeübt hat für das gemeinsame Leben.“ Der Angeklagte habe gegenüber der Frau behauptet, er habe Krebs und benötige Astronautennahrung. Gewalt habe er nicht angewendet. „Er hat sie einfach aggressiv bequatscht“, so die Zeugin. Die Geschädigte habe der Polizei die entsprechenden Portale gezeigt, wo sie sich angeboten habe.
Angeklagter saß bereits acht Jahre in Haft
Der Angeklagte befindet sich in Untersuchungshaft. Er ist wegen Betrugs mehrfach vorbestraft. Insgesamt hat er bisher rund acht Jahre hinter Gittern verbüßt, unter anderem aufgrund von Urteilen der Gerichte in Osnabrück, Bückeburg, Detmold, Jever und Bersenbrück. Dabei wird es voraussichtlich nicht bleiben. „Stand jetzt müssten es noch zehn weitere Straftaten mit geschädigten Frauen sein“, berichtete ein Ermittler.
Offenbar trieb der Angeklagte seit vielen Jahren mit immer derselben Masche Frauen in die Privatinsolvenz. Zunächst gab er sich als vermögender Mann aus. Er versprach Unterstützung, rentable Geldanlagen oder ein gemeinsames Leben. Dann verlangte er Geld. So soll er auch eine Emderin an den Rand des Bankrotts gebracht haben.
„Er hat mich unter Druck gesetzt“
Zum Abschluss des Verhandlungstages wurde die audiovisuelle Vernehmung der Auricherin gezeigt. Sie erschien vergangenes Jahr mit einem Koffer auf der Polizeiwache und wollte zurück zu ihrer erwachsenen Tochter im Landkreis Wesermarsch, bei der sie vor einem Jahr ausgezogen ist. Vor Aufregung hyperventilierte sie bei ihrer Aussage.
Den Angeklagten kannte die Geschädigte nur unter einem Decknamen. Er habe sie zu der Anmeldung auf einem Erotikportal gedrängt, da sie sich damals in Privatinsolvenz befunden habe. Das Geld könne sie behalten, habe er gesagt. Dann sollte sie es ihm auf einmal geben: Er würde es in Aktien anlegen, er kenne da jemanden. Sie habe ihm täglich bei Treffen auf Supermarkts-Parkplätzen oder bei einem Schnellrestaurant ihre Einnahmen aushändigen müssen: „Er hat mich unter Druck gesetzt, psychisch runter gemacht. Ich musste ihm alles geben.“ In dem Zimmer in Walle sei sie nur ganz am Anfang einmal gewesen. Er habe behauptet, ihm gehörten alle Gebäude auf dem Areal, inklusive der Pferde. Später sollte sie ihm Geld für ein Haus geben, das er angeblich für sie beide herrichten lasse. Danach war es ein Urlaub in Polen, den sie finanzieren sollte – „er wollte mich dort auch heiraten“.
Der Prozess wird am 26. Mai 2025 ab 9 Uhr in Saal 116 beendet.