Wegen Umzug von Tell Bau  Politik übt scharfe Kritik an Norder Verwaltung

| | 09.05.2025 17:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der bisherige Firmensitz der Firma Tell Bau in Norden: Das Gelände ist zu klein und bietet keine Entwicklungsmöglichkeiten. Foto: Rebecca Kresse
Der bisherige Firmensitz der Firma Tell Bau in Norden: Das Gelände ist zu klein und bietet keine Entwicklungsmöglichkeiten. Foto: Rebecca Kresse
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Ein Traditionsunternehmen verlässt die Stadt. Die erste Fraktion übt harsche Kritik an der Verwaltung. Jetzt sollen die Hintergründe aufgearbeitet werden, um daraus zu lernen.

Norden - Seit Freitagmorgen ist es offiziell: Das Norder Traditionsunternehmen Tell Bau wird seinen Firmensitz von Norden ins Brookmerland verlegen. Seitdem bekannt geworden war, dass Tell-Geschäftsführer Thomas Gembler eine neue Bleibe für sein Unternehmen sucht, hatte die Stadt Norden versucht, ihm eine neue Fläche im Stadtgebiet, genauer im Gewerbegebiet Legemoor schmackhaft zu machen. Vergeblich, wie nun feststeht. Dazu hat sich jetzt die Verwaltung geäußert. Vonseiten der Politik gibt es eine erste, aber harsche Kritik.

„Für die Stadt Norden ist es ein schmerzlicher Verlust, ein Traditionsunternehmen wie die Firma Tell Bau, mit der man bis zum heutigen Tag eng verbunden war, zu verlieren“, heißt es in einem schriftlichen Statement der Norder Verwaltung.

Stadtverwaltung: Wir haben alle möglichen Angebote gemacht

Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Stadt Norden gerade dabei ist, das Gewerbegebiet Legemoor zu erweitern, dürfte die Enttäuschung noch verstärken.

Dazu heißt es in der Mitteilung: „Norden ist, nach vielen Jahren des Stillstands, nun endlich wieder in der Lage, Grundstücksflächen anzubieten und Perspektiven für Gewerbetreibende zu entwickeln. Die Realisierung eines Gewerbegebiets ist ein sehr langlebiger Prozess, den die Stadt seit 2022 angestoßen hat und nun kontinuierlich weiterentwickelt. Die Entwicklung unseres Gewerbegebiets in Legemoor ist wichtig und von hoher Priorität, nicht nur für die Pläne der Firma Tell Bau. Im Haushalt der Stadt Norden sind daher zehn Millionen Euro eingestellt, um das Gebiet zu entwickeln, Potenziale für die Norder Wirtschaft zu schaffen und ebenso Neuansiedlungen von Firmen zu ermöglichen.“

Die Stadt habe der Firma Tell Bau „alle derzeit möglichen Angebote unterbreitet und langfristige Perspektiven aufgezeigt, um den Firmenstandort in unserer Stadt zu halten“, heißt es von der Verwaltung. Jedoch scheine Brookmerland das passendere Paket mit, laut Medienberichten, wohl 20 Hektar Land geknüpft zu haben. So soll unter anderem auch die Errichtung eines Solarparks auf einem weit größeren Flächenangebot angedacht sein, als in Norden überhaupt möglich wäre, sowie die Erschließung und Vermarktung des dortigen Gewerbegebiets durch Tell Bau selbst gegeben sein. Auch eine bessere Anbindung an das übergeordnete Verkehrsnetz mit der B 72 sei sicherlich ein Grund für die Firmenentscheidung zu unseren Ungunsten gewesen – so die Stellungnahme aus dem Rathaus.

FDP spricht von „niederschmetternder Nachricht“

In Person von Jürgen Heckrodt hat mit der FDP-Fraktion auch die erste politische Fraktion im Norder Stadtrat eine Stellungnahme abgegeben. Heckrodt nennt den Wegzug von Tell eine „niederschmetternde Nachricht“, die „uns alle erschüttert hat. Bis zum Schluss sei, zumindest vonseiten der Politik, alles versucht worden, um die Firma Tell Bau in Norden zu halten. Dieses Traditionsunternehmen gehöre, besser gesagt, gehörte, einfach zu Norden.

Die FDP-Fraktion könne den Schritt der Firma dennoch völlig nachvollziehen, heißt es in der Stellungnahme. „Man geht immer dorthin, wo man sich willkommen fühlt und wo die Bedingungen für das Unternehmen optimal sind. Mal ganz zu schweigen vom zeitlichen Faktor. Das war in Norden scheinbar nicht gegeben“, so Heckrodt.

An diesem Fall werde der Politik wieder deutlich vor Augen geführt, dass Norden nach wie vor viel zu langsam und ineffizient agiere und die Abläufe deutlich verbessert werden müssten. „In unseren Augen hätte dieser Fall vermieden werden können“, teilte Heckrodt mit. Dies müsse nun intern und schonungslos aufgeklärt und Änderungen sofort eingeleitet werden. Der Firma Tell Bau und ihren Mitarbeitern wünschte die FDP-Fraktion „eine gute Zeit und eine erfolgreiche Zukunft“.

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