Osnabrück Heilig gesprochen – Pater Maximilian Kolbe ging für Familienvater in den „Hungerbunker“
Im Rahmen einer Strafaktion im Konzentrationslager Auschwitz ging ein katholischer Pater 1941 freiwillig für einen Familienvater in den „Hungerbunker“. Für sein Opfer wurde er später heiliggesprochen.
Rajmund Kolbe wird am 7. Januar 1894 in Zdunska-Vola bei Lodz in eine deutschstämmige Arbeiterfamilie geboren. Als Kind berichtet er schon von Erscheinungen der Jungfrau Maria, die ihn bekräftigen, ihr sein Leben als Priester und Missionar zu widmen.
1910 tritt er in den Orden der Franziskaner-Minoriten ein, wo er den Ordensnamen Maximilian Maria Kolbe bekommt. Acht Jahre später wird er in Rom zum Priester geweiht. Mit anderen Glaubensbrüdern gründet er das Missionszentrum Niepokalanów in der Nähe von Warschau. Dort und bei einer längeren Missionsreise nach Japan wird er auch publizistisch tätig. Er nutzt Zeitungen, Bücher und den Amateurfunk, um seine Überzeugung und Marien-Verehrung zu verbreiten.
Aus dieser Zeit stammen auch kritische, zum Teil antisemitische Äußerungen zum „internationalen Zionismus.“ Er ist auch Antikommunist und entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 versteckt er in Niepokalanów über 2000 Flüchtlinge, überwiegend Juden und Katholiken.
Deshalb wird Maximilian Maria Kolbe im Dezember 1939 mit anderen Brüdern verhaftet, verhört, entlassen und Anfang 1941 erneut festgenommen und kommt im Mai 1941 ins Konzentrationslager Auschwitz. Als im Juli ein Gefangener angeblich geflüchtet sein soll, bestimmen die Nazis als Vergeltungsmaßname willkürlich zehn Gefangene für den berüchtigten „Hungerbunker“ des Blocks 11.
Als einer der todgeweihten Männer, der zweifache Familienvater Franciszek Gajowniczek um Gnade bittet, tritt Pater Kolbe hervor und sagt: „Ich gehe anstelle dieses Vaters.“ KZ-Kommandant Karl Fritzsch ist irritiert und fragt: „Wer bist du, ein verrückter Pfaffe?“ – akzeptiert aber den Tausch. Da Kolbe wie durch ein Wunder mehrere Tage ohne Wasser und Nahrung überlebt und der „Hungerbunker“ für andere Gefangene gebraucht wird, wird er am 14. August 1941 mit einer Phenolspritze umgebracht und anschließend verbrannt.
Franciszek Gajowniczek überlebt das KZ und Pater Kolbe um fast 54 Jahre, hält das Andenken an seinen Retter auf Vortragsreisen hoch und stirbt 1995 im Alter von 93 Jahren. „Mein Mann ist jetzt zu Pater Kolbe gegangen“, soll seine Witwe bei der Beerdigung gesagt haben. Der polnische Papst Johannes Paul II. spricht Kolbe im Oktober 1982 als Märtyrer heilig. Die Botschaften des Paters und Priesters leben heute noch im Maximilian-Kolbe-Werk und in gleichnamiger Stiftung fort.