Nordfriesland Bevor es teuer wird: Jetzt Öl- und Gasheizungen austauschen? Das sagt der Experte
Das neue Gebäudeenergiegesetz stellt viele Hausbesitzer vor Herausforderungen. Um Orientierung im Dschungel an Vorschriften, Förderungen und Handlungsoptionen zu bieten, haben wir Energieberater Torsten Litschke um Rat gefragt.
Herr Litschke, mal ehrlich: Gibt es dieses ominöse Heizungsgesetz überhaupt?
Nein, ein „Heizungsgesetz“ gibt es nicht. Gemeint ist das Gebäudeenergiegesetz, kurz GEG. Dieses regelt die energetischen Anforderungen an Gebäude und Heizungen in Deutschland. Es basiert auf europäischen Vorgaben – deshalb kann es auch nicht einfach abgeschafft werden, wie manche selbst im Koalitionsvertrag behaupten.
Im Koalitionsvertrag wird von Änderungen im GEG gesprochen. Wird jetzt alles einfacher?
Nicht unbedingt. Geplant ist, die Technologieoffenheit zu erhalten. Das bedeutet mehr Auswahl für Verbraucher, aber auch mehr Komplexität für Kommunen, die Wärmenetze wirtschaftlich betreiben wollen. Jeder darf zum Beispiel weiter zwischen Wärmepumpe, Biomasse oder Wasserstoffheizung wählen – das ist gut für die Freiheit, aber schlecht für die gemeinsame Planung. Häufig scheitern gerade aus diesem Grund die Realisierung oder der Ausbau von kommunalen Wärmenetzen.
Heizungstausch? Da wartet man doch lieber ab!
Abwarten könnte teuer werden. Viele Heizungen sind über 15 Jahre alt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Wärmepumpen, weil die Förderung mit bis zu 21.000 Euro so attraktiv ist. Wer jetzt nichts tut, steht später womöglich in einer Warteschlange – und zahlt drauf.
Könnte es sogar schlimmer werden?
Ja. Die Handwerksbetriebe kämpfen schon heute mit Fachkräftemangel. Steigende Materialpreise, höhere Montagekosten – wer seine Sanierung später angeht, muss mit deutlich höheren Kosten rechnen. Außerdem: Je länger man wartet, desto kleiner könnte die Förderung ausfallen.
Und Schleswig-Holstein? Gibt es da noch strengere Regeln?
Schleswig-Holstein ist ein Vorreiter und deutlich ambitionierter als der Bund. Schon heute müssen bei einem Heizungswechsel mindestens 15 Prozent erneuerbare Energien eingebunden werden – nicht erst ab 2029 wie im Bund, sondern sofort. Schleswig-Holstein möchte bereits 2040 das Ziel der Klimaneutralität und somit fünf Jahre früher als der Bund erreichen. Dieses Ziel ist sehr ambitioniert, verbleiben nicht einmal mehr 15 Jahre.
Sind Öl- und Gasheizungen Auslaufmodelle?
Das sind eindeutige Auslaufmodelle. Ab 2028 wird der europäische CO2-Zertifikatehandel verschärft und auf Gebäude erweitert. Das bedeutet deutlich steigende Kosten für fossile Energieträger. Zusätzlich wird die Anzahl der Gasanschlüsse immer schneller schrumpfen, was für die verbliebenen Kunden stetig steigende Netzentgelte und Grundgebühren bedeutet. Öl und Gas werden in Zukunft richtig teuer.
Wie kann man die Förderung sichern – ist das kompliziert?
Überhaupt nicht. Man stellt einen Förderantrag, zum Beispiel bei der KfW, gemeinsam mit dem Heizungsbauer oder einem Energieberater. Nach der Genehmigung hat man drei Jahre Zeit für die Umsetzung. Aber: Ohne Antrag keine Förderung – wer zu spät dran ist, geht leer aus.
Berifft das nur Heizungen oder auch das Haus drumherum?
Auch die Gebäudehülle. Fenster, Dach, Außenwände – wer saniert, bekommt bis zu 20 Prozent Zuschuss zur Förderung dieser sogenannten Einzelmaßnahme. Dazu kommen kleine, kostengünstige Maßnahmen wie das Abdichten von Fenstern oder die Dämmung der obersten Geschossdecke. Besonders beliebt in Norddeutschland: die Einblasdämmung bei zweischaligem Mauerwerk.
Informationen und Unterstützung bei der Planung von Heizungswechsel oder energetischen Gebäudesanierungen bietet die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein unter der kostenlosen Hotline, Telefon 0431 5909940.