Tradition mit Nervenkitzel  Maibaum in Aurich feierlich aufgestellt – inklusive Bangen um den Baumklau

| | 01.05.2025 13:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mit einem Kran wurde der Auricher Maibaum am Mittwoch vor dem Rathaus aufgestellt. Foto: Romuald Banik
Mit einem Kran wurde der Auricher Maibaum am Mittwoch vor dem Rathaus aufgestellt. Foto: Romuald Banik
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Rund 500 Gäste feierten das Maifest in Aurich. Dabei war die Erinnerung an den Diebstahl im Vorjahr noch frisch. Ist es den Dieben wieder gelungen? Die Polizei meldete einen Zwischenfall aus Aurich.

Aurich - Bei strahlendem Sonnenschein ist der Auricher Maibaum am Mittwochabend langsam, bedächtig und mit technischer Hilfe Stück für Stück in Richtung Himmel gezogen worden. Um 18.20 Uhr – nach einigen beherzten Hammerschlägen – hieß es dann: „Der Baum steht“. Zur Freude der rund 500 Gäste, die zum Auricher Rathaus gekommen waren und Altstadtgastronom Arno Fecht.

Arno Fecht übernahm die Moderation des Maibaumfestes und rief potenzielle Baumdiebe dazu auf, ihr Glück zu versuchen. Foto: Rebecca Kresse
Arno Fecht übernahm die Moderation des Maibaumfestes und rief potenzielle Baumdiebe dazu auf, ihr Glück zu versuchen. Foto: Rebecca Kresse

Fecht übernahm die Moderation des Ereignisses und machte dabei eine gewagte Aussage: „Wir nehmen die Herausforderung an. Wer den Baum haben will, der darf heute Nacht wieder versuchen den Baum zu klauen“, sagte Fecht. Diesmal, so war der Gastronom sich aber sicher, wird das nicht gelingen. Anders als im Vorjahr. Da hatten die Baumwachen den Platz rund 20 Minuten zu früh verlassen – in der irrigen Annahme, der Sonnaufgang sei schon gewesen, erzählte Fecht von der Schmach. „Diesmal kennen wir die Zeiten ganz genau“, sagte Fecht. Ob diese Zuversicht gerechtfertigt war, sollte sich erst am nächsten Morgen zeigen.

Baum nicht geklaut, aber Randale in der Kneipe

Wie eine Nachfrage am Donnerstag bei Fecht ergab: Der Baum steht noch, die Schmach vom Vorjahr hat sich nicht wiederholt. Nicht nur darüber freute sich Fecht. Er sprach von einer „gelungenen Veranstaltung“, von der auch die anderen Gastronomen der Innenstadt profitiert hätten.

Ein Blick von oben auf das Auricher Maifest. Foto: Bernd Heiken
Ein Blick von oben auf das Auricher Maifest. Foto: Bernd Heiken

In einer Kneipe am Georgswall ist es laut Polizei dann aber am frühen Donnerstagmorgen, gegen 2.50 Uhr, zu einem Zwischenfall gekommen. Die Auricher Polizei wurden vom Personal der Kneipe gerufen. Ein 24-Jähriger und ein 25-Jähriger hatten dort von Mitarbeitern ein Hausverbot erteilt bekommen und randalierten in der Kneipe. Zudem drohte der 24-Jährige weiteren Gästen sowie Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes. Noch vor Eintretenden der Polizei flüchtete der 24-Jährige aber in Richtung der Fußgängerzone wobei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes die Verfolgung aufnahmen. In der Wallstraße trafen dann Polizeibeamte auf den Flüchtigen. Dieser ging laut Polizeibericht bedrohlich auf die Polizeibeamten zu, so dass dieser nach dem Einsatz von Pfefferspray zu Boden und in Gewahrsam genommen wurde. Gegen den 24-Jährigen und den 25-Jährigen wurden mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Baum nur zum Teil geschmückt

Am frühen Abend ging es auf dem Georgswall hingegen noch friedlich und vor allem bunt zu. Dass der Maibaum in vielen Farben leuchtet, ist dem Auricher Schützenverein zu verdanken. Der hatte tütenweise Papierrosen gewickelt und Wimpel für die Spitze gebastelt. Ab 17 Uhr packten zahlreiche große und kleine Helfer mit an, um den Maibaum zu schmücken.

Die Mitglieder des Auricher Schützenvereins haben dafür gesorgt, dass der Auricher Maibaum mit vielen bunten Papierblumen geschmückt werden konnte Foto: Romuald Banik
Die Mitglieder des Auricher Schützenvereins haben dafür gesorgt, dass der Auricher Maibaum mit vielen bunten Papierblumen geschmückt werden konnte Foto: Romuald Banik

Den unteren Teil des Maibaumes ließen sie dabei aber aus. „Das hat nichts damit zu tun, dass wir geizig sind oder zu wenige Blumen zur Verfügung stehen“, erklärte Arno Fecht. In der Vergangenheit hatten sich aber offenbar Menschen einen Scherz daraus gemacht, die Girlande am unteren Stamm anzuzünden. Um dieser Gefahr vorzubeugen, wurde in diesem Jahr außerhalb der erreichbaren Höhe gewickelt und geschmückt. Die Organisation des Maibaumfestes hatte in diesem Jahr der Wirt vom Tresor am Auricher Marktplatz übernommen. Neben einer Bühne erwarteten die Gäste unter anderem Cocktails, Wein, Eis, Würstchen und ein Pizzastand.

Deutlich mehr Gäste in der Nachbarstadt

Auf der Bühne sorgte die Band Adenalin – das Familientrio aus Aurich, bestehend aus Vater Uwe Aden und seinen Kindern Cantia und Yannec – mit Klassikern der 1980er und 90er Jahre für gute Stimmung. Die genossen aber nur verhältnismäßig wenige Auricher. Gastronom Fecht schätzte die Besucherzahl auf rund 500. Er hoffte im Laufe des Abends noch mit mehr Publikum. Das bliebt aber zumindest bis 21 Uhr aus. Vor allem älteres Publikum und die ein oder andere Familie waren ans Rathaus gekommen.

Stück für Stück wurde der Auricher Maibaum in die Höhe gezogen. Foto: Romuald Banik
Stück für Stück wurde der Auricher Maibaum in die Höhe gezogen. Foto: Romuald Banik

Ganz anders sah die Situation in der Nachbarstadt Norden aus. Nach ersten Schätzungen waren hier im Laufe des Abends gut 1500 Gäste auf dem historischen Marktplatz. Dort waren neben Getränke- und Essensständen auch noch eine Hüpfburg und ein Kinderkarussell aufgebaut. Viele junge Leute feierten auf dem Marktplatz und tanzten vor der Bühne.

Viele Besucher waren zur Maifeier auf den Marktplatz nach Norden gekommen. Foto: Rebecca Kresse
Viele Besucher waren zur Maifeier auf den Marktplatz nach Norden gekommen. Foto: Rebecca Kresse

Ein Problem beschäftigte die Norder allerdings genauso wie die Auricher: Der Baum-Klau. Denn in Norden war die Schmach im vergangenen Jahr noch ein bisschen größer gewesen als in Aurich. Schon wenige Stunden nachdem der Maibaum aufgestellt war, wurde er den Nordern auch schon geklaut. Damit das in diesem Jahr nicht passiert, hatte Bürgermeister Florian Eiben diesmal eigens per Facebook nach Baumwachen gesucht. Von 18 bis 21 Uhr übernahm die „Nörder Danzkoppel“ die Wache. Für danach hatten sich einzelne Bürger gemeldet, die nach dem Rechten schauen wollten. Ob das den erneuten Diebstahl verhindern kann, sollte sich erst am Donnerstagmorgen zeigen. Wie in Aurich blieb der Baum trotz zahlreicher Versuche an seinem Platz. „Die Wachen haben gute Arbeit geleistet“, sagte der Norder Bürgermeister Donnerstag. Dabei seien die Wachen ordentlich ins Schwitzen gekommen, denn es habe „etliche Versuche“ gegeben, des Baumes habhaft zu werden, so Eiben. Der freute sich nicht nur darüber, dass der Baum noch steht, sondern über die gesamte Maiveranstaltung. „Das hat einen guten Mehrwert für alle. Die Leute waren gut drauf, es war für alle etwas dabei und es wurde bis in den Abend gefeiert“, sagte Eiben.

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