Osnabrück Lässt VW das Werk Osnabrück fallen? IG Metall und Betriebsrat alarmiert
Welche Zukunft hat der Volkswagen-Standort Osnabrück? Eine Aussage des VW-Markenvorstands schreckt die Arbeitnehmervertreter auf: In Osnabrück sollen angeblich keine VW-Konzernautos mehr gebaut werden. Was das bedeuten würde.
Die Sorge um das VW-Werk in Osnabrück ist am Dienstag (29. April 2025) ein Stück größer geworden. Wie aus einer Sitzung des VW-Markenvorstands durchgesickert ist, sollen am Standort im Fledder nach 2027 keine VW-Konzernfahrzeuge mehr vom Band laufen. IG Metall und Betriebsrat reagierten alarmiert und forderten vom Konzernvorstand ein klares Bekenntnis zum Standort Osnabrück.
VW-Konzernchef Oliver Blume hatte im Interview mit unserer Redaktion jüngst noch einen anderen Ton angeschlagen. Danach gefragt, wie es mit dem Werk im Osnabrücker Stadtteil Fledder weitergehen werde, sagte er am Rande der Automesse in Shanghai: „Ich kann nachvollziehen, dass die aktuelle Situation die Menschen besorgt. Wir haben immer wieder betont, dass eine nachhaltige Lösung für den Standort Osnabrück das Ziel sein muss. Eine Lösung, die die Interessen des Unternehmens und der Beschäftigten in Einklang bringt. Das nehmen wir sehr ernst und daran halten wir uns.“
Überlegungen gebe es in viele Richtungen, hieß es in der Vergangenheit. Eine Produktion für andere Marken im Konzern könne gegebenenfalls in Betracht gezogen werden, Ende März hatte außerdem Rheinmetall-Chef Armin Papperger dem Werk einen Besuch abgestattet, mit der VW-Konzernmarke MAN hat der Düsseldorfer Rüstungskonzern seit vielen Jahren ein Joint Venture. Auch über eine Produktion für chinesische Marken in Osnabrück war spekuliert worden.
Die aktuelle Entwicklung stellt für die Gewerkschaft IG Metall und den Betriebsrat die Aussage Blumes, dass der Konzern seine Verantwortung ernst nehme, nun infrage. Demnach soll es eine Entscheidung im Markenvorstand geben, ab Oktober 2027 keine Konzernfahrzeuge mehr in Osnabrück zu produzieren. Das wäre das Aus für das Werk unter VW-Regie. „Diese Information ist für uns alle ein Schlag ins Gesicht“, sagen Betriebsratsvorsitzender Jürgen Placke und IG-Metall-Chef Stephan Soldanski.
Und auch seitens des Konzernbetriebsrats wird mit Unverständnis auf die Entwicklung reagiert. „Es liegt überhaupt nicht in der Zuständigkeit des VW-Markenvorstandes, über die Frage eines möglichen Konzern-Modells in Osnabrücker Produktion ab Ende 2027 zu befinden. Das ist Thema des Konzern-Vorstandes und der künftigen Planungsrunden für die Investitionsvorhaben an den Standorten, die regelmäßig dem Aufsichtsrat der Volkswagen AG zu unterbreiten sind“, kritisiert ein Sprecher.
Insofern könne man das Vorgehen des Markenvorstandes nicht nachvollziehen und bedauere, welche Unruhe damit in der Belegschaft ausgelöst werde. „Bereits am morgigen Mittwoch werden wir mit den Verantwortlichen im Markenvorstand dazu reden“, so der Sprecher weiter.
Betriebsrat und IG Metall fordern klares Bekenntnis und eine Zukunft für den VW-Standort mit seiner langen Automobilgeschichte ein. Aktuell werden noch die Porsche-Modelle Cayman und Boxster ebenso wie das T-Roc-Cabrio in Osnabrück produziert. Die Porsche-Produktion wird planmäßig Ende des Jahres auslaufen, die Fertigung des T-Roc-Cabrios wurde bis Herbst 2027 verlängert.
„Für die Zeit danach ist der Volkswagen-Konzern in der Pflicht, für eine wirtschaftliche Zukunftsperspektive am Standort zu sorgen. Das ist unverändert der Stand der gemeinsamen Einigung, die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite Ende 2024 geschlossen haben“, betont der Sprecher des Konzernbetriebsrats.
Im Zuge des Rheinmetall-Besuchs hatte IG-Metall-Chef Soldanski von VW zudem strategische Weitsicht eingefordert: „Das VW-Management muss sorgfältig abwägen, ob es auf dieses eingespielte und hochqualifizierte Team verzichten will. Als IG Metall sehen wir neben dem bewährten Geschäftsmodell zahlreiche Möglichkeiten, unter dem Dach von Volkswagen neue Auftragsfertigungen für verschiedene Branchen zu etablieren“, sagte er.
Das klare Ziel sei es, Osnabrück als nachhaltigen Industriestandort zu erhalten und die Arbeitsplätze von Stammbeschäftigten, Leiharbeitern und Logistikern auf dem Werksgelände langfristig zu sichern. So sah es auch Jürgen Placke und mahnte eine langfristige Standortstrategie an: „Mit der Tarifeinigung vom Dezember des vergangenen Jahres hat Volkswagen sich klar zur Verantwortung für den Standort in Osnabrück bekannt“, erinnerte er.
Die Verlängerung der Produktion des T-Roc Cabriolets sieht er dabei als ersten wichtigen Schritt und mahnt eine langfristige Planungssicherheit für die Beschäftigten an. „Wir erwarten daher, dass der Vorstand zu seinem Wort steht und frühzeitig über den Spätsommer 2027 hinaus tragfähige wirtschaftliche Perspektiven für den Standort entwickelt.“
Die aktuelle Aussage des Markenvorstands ist für Gewerkschaft und Betriebsrat das Gegenteil. „Die getroffene Entscheidung ohne das Aufzeigen von klaren Perspektiven wirft aktuell mehr Fragen als Antworten auf. Nicht nur, dass das Vorgehen und die Kommunikation schlechter Stil sind; auch die Wertschätzung gegenüber der Mannschaft lässt tief blicken“, kritisieren beide.
Anstatt aufzuzeigen, was nicht mehr gehen soll, müsse Volkswagen klar und deutlich sagen, wie denn die Zukunft für die Beschäftigten in Osnabrück konkret aussehe. „Und genau daran werden wir Volkswagen messen und massiv eine Zukunft für den Standort Osnabrück und die Beschäftigten einfordern“, betonen Soldanski und Placke.
Auf die Aussage des Markenvorstands angesprochen, heißt es seitens Volkswagen: An der Vereinbarung aus Dezember habe sich nichts geändert. „Im Zuge der Tarifverhandlungen haben Unternehmen und Betriebsrat beschlossen, die Fertigung des T-Roc-Cabrio am Standort Osnabrück bis 2027 zu verlängern und darüber hinaus Optionen für eine andere Verwendung des Standorts zu prüfen. Dies hat nach wie vor Bestand“, teilt ein Sprecher mit.