Berlin Merz-Kabinett: Die neue Macht der Nordlichter in Berlin
Die CDU schickt zwei Nordlichter nach Berlin. Zusammen mit den klassisch stark vertretenen SPD-lern aus Niedersachsen erhalten Norddeutsche im Kabinett diesmal mehr Gewicht. Gut auch, dass ein gewisser Pannen-Politiker außen vor bleibt.
Die neue Bundesregierung startet mit einer schwarz-roten Machtphalanx aus SH und Niedersachsen: Der 62-jährige Johann Wadephul aus Schleswig-Holstein wird künftig sehr viel Verantwortung tragen. Als Bundesaußenminister soll er im Auftrag des Kanzlers die Interessen Deutschlands in der Welt vertreten. Wadephul wird nicht das einzige Nordlicht in der künftigen Bundesregierung sein. Kiels Bildungsministerin Karin Prien ist ebenfalls für das Kabinett Merz gesetzt.
Wenn man zusätzlich berücksichtigt, dass die SPD vermutlich die niedersächsischen Politiker Lars Klingbeil und Boris Pistorius als Minister ins Rennen schicken wird, haben von den 17 künftigen Bundesministern gleich vier norddeutsche Wurzeln. So viel regionale Macht vereinigen nicht mal die Bayern auf sich. Die sind im Kabinett nur zu dritt.
Ginge es rein nach Proporz, hätte maximal ein CDU-Minister aus dem kleinen Schleswig-Holstein kommen dürfen. Dass es nun zwei sein werden, muss also andere Gründe haben. Merz’ stark ausgeprägte analytische Denkweise (dafür muss man Abstriche bei der Empathie machen) dürfte dazu geführt haben, auf Kompetenz statt Proporz und Prominenz zu setzen.
Einer, der sich gern im Außenministerium gesehen hätte, und zwar nicht als Pförtner, ist Armin Laschet gewesen. Der ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und frühere Kanzlerkandidat, hat sich in den vergangenen Monaten sehr viel Mühe gegeben, auf sich außenpolitisch aufmerksam zu machen. Er war sogar mit Annalena Baerbock im Regierungsflieger unterwegs. Doch irgendwie wollte Friedrich Merz nicht anbeißen. Warum auch?
Würde der ADAC nicht nur für Autos, sondern auch für Politiker eine Pannenstatistik führen, hätte der pannenträchtige Laschet wahrscheinlich ein ernstes Image-Problem. Ausgerechnet er regte sich nun über Politiker-Selfies auf, die vor der Beisetzung von Papst Franziskus aufgenommen wurden.
Eines zeigt den lächelnden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Laschet bezeichnete den Selfie-Kult in diesem Kontext als „verstörend“. Er hat wohl vergessen, dass er es war, der bei der Ahr-Flut lachend im Katastrophengebiet fotografiert wurde. Zugegeben, das war kein Selfie.